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Streit um Sylter Seehunde : Sylter Helfer im Kreuzfeuer der Kritik

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vier Seehundjäger kümmern sich um gestrandete Robben. Kritiker zweifeln jedoch die Kompetenz der ehrenamtlichen Kräfte an.

von
erstellt am 08.Feb.2017 | 05:28 Uhr

Der Gegenwind ist stark: 74  901 Unterstützer haben sich im Internet einer Petition gegen die Seehundjäger in Schleswig-Holstein angeschlossen. Umweltminister Robert Habeck soll das „Monopol der Landesjägerschaft, dem die Seehunde ausgeliefert sind“, beenden. Doch der Grünen-Minister hat sich vor die Jäger gestellt: „Ohne sie würde das Seehundmanagement nicht funktionieren“ (wir berichteten). Auch bei den Sylter Seehundjägern stößt die Petition auf Kritik.

„Ethia macht uns schon lange das Leben schwer“, sagt der Lister Seehundjäger Claus Dethlefs über die Aktion der Tierschutzpartei. Aber viele Unterstützer der Online-Petition lebten gar nicht an der Küste und würden nur auf den Protestzug aufspringen, weil irgendwo Tiere getötet würden. Er selbst sei auch schon Opfer eines Shitstorms der Entrüstung geworden, doch auf Sylt gäbe es „nur vereinzelt Fälle, wo wir angeprangert werden.“ Die Seehundjäger seien bei ihren Einsätzen am Strand oft von vielen Zuschauern umringt. „Wenn man denen klipp und klar erklärt, was mit dem Tier passiert, zeigen sie zu 98 Prozent Verständnis.“ Das kann auch bedeuten, dass die Seehundjäger ein Tier mit der Pistole von seinem Leid erlösen.

Dethlefs und seine drei Sylter Kollegen Thomas Diedrichsen, Florian Kröger und Sönke Lorenzen stehen rund um die Uhr bereit, wenn an der Küste Seehunde aufgefunden werden. Sie sind Jäger, im Hegering organisiert und haben zusätzlich eine Ausbildung für die Seehundjagd absolviert. Als ehrenamtliche Helfer sind sie für das Umweltministerium im Einsatz – 45 Euro Aufwandsentschädigung gibt es für jeden geborgenen Meeressäuger. Den Lebensunterhalt verdienen sie mit anderen Berufen – als Versicherungsmitarbeiter, beim Küstenschutz, als Seenotretter oder mit der Bewirtschaftung des Lister Ellenbogens.

Seehundjäger – der Begriff führt schnell zu Missverständnissen. Die Zeiten, als die Robben für ihr Fell, ihr Fleisch und ihren Tran gejagd wurden, ist längst vorbei. Das Jagdverbot für Seehunde gilt seit 1974 – damals wurden an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste nur noch knapp 1500 Seehunde gezählt. Für 2016 wurde ein Bestand von 7463 Seehunden ermittelt.

Seit dem Jagdverbot dürfen nur noch die staatlich bestellten Seehundjäger zur Pistole greifen, wenn kranke Robben an den Strand kommen. Mit Lungenwürmern infizierte oder sterbenskranke Tiere werden erschossen und anschließend untersucht. Die Aufwandsentschädigung an die Seehundjäger von 45 Euro wird für jeden Seehund gezahlt – egal, ob der Jäger ihm den Gnadenschuss gibt oder das Tier in eine Wanne packt und aufs Festland transportieren lässt. Dann wird es von Mitarbeitern der Seehundaufzuchtstation abgeholt und nach Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) gebracht. Dort werden erkrankte Tiere oder Heuler (verlassene Jungtiere) wieder aufgepäppelt.

Die Entscheidung über Leben und Tod – sie soll nach dem Willen der Tierschützer von den Seehundjägern auf einen Tierarzt übertragen werden. Doch das würde nach Ansicht von Claus Dethlefs nur wertvolle Zeit kosten und gegebenenfalls das Leid der Meeressäuger verlängern. „Das lässt sich mit dem Tierschutzgedanken nicht vereinbaren,“ ist auch Sönke Lorenzen überzeugt.

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