Naturschutz : Sylter Heide in Flammen

Am Flammensaum: Prof. Goldammer kontrolliert in seiner Feuerschutzkleidung den Brandverlauf.
Am Flammensaum: Prof. Goldammer kontrolliert in seiner Feuerschutzkleidung den Brandverlauf.

Kontrollierte Brandrodung als Pflegemaßnahme war mit Behörden und Feuerwehren abgestimmt / Umstrittene Maßnahme

shz.de von
18. Juli 2018, 05:47 Uhr

Gestern gegen 11.45 Uhr wurde an die Feuerwehrleitstelle in Harrislee gemeldet, dass auf einer Heidefläche im Naturschutzgebiet Morsum Kliff am Nösistich ein Feuer ausgebrochen ist. Doch das war Absicht, im Sylter Osten wurde die Heide abgebrannt. Ein lang geplanter Einsatz zur Erhaltung der Kulturlandschaft, den die Behörden abgesegnet hatten.

Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, des Landschaftszweckverbandes und der Feuerwehren aus Tinnum, Keitum und Morsum waren vor Ort, um die Brandrodung der Heidefläche zu begleiten und abzusichern.

In Zusammenarbeit mit der Naturschutzgemeinschaft Sylt (NSG) und den Sylter Wehren trat der Feuerökologe Prof. Dr. Johannes Goldammer mit einem Benzin-Diesel-Gemisch in die Heide und löste mit einer Feuerkanne gezielt den Brand aus, der eineinhalb Hektar Land von seinem unerwünschten Bewuchs befreien sollte. „Die Brandrodung gehört zu den ältesten Pflegemaßnahmen der Heidelandlandschaft“, hatte der Feuerökologe zuvor erklärt, „sie wird immer dann eingesetzt, wenn die Heide über 20 Jahre alt und stark verholzt ist und von den Schafen durch Verbiss nicht mehr gepflegt werden kann.“

Normalerweise wird dann die Technik des Plaggens eingesetzt, bei der die oberste Erdschicht samt Wurzelmaterial abgestochen wird. Die Maschinen dafür sind allerdings nur auf ebenen Flächen einsetzbar. Auf unebenem Gelände greift man auf das Heidebrennen zurück.

Damit dies alles auf wissenschaftlicher Grundlage geschieht, wurde Goldammer hinzugezogen, der Direktor des „Global Fire Monitoring Centers“ in Freiburg. „Wir bezeichnen diese Art des Feuers als Pflegefeuer, denn das kontrollierte Abbrennen ermöglicht der Natur, sich zu regenerieren.“ Angst um dort lebende Tiere brauche sich niemand zu machen, denn das Gebiet wurde einige Tage zuvor durch Schneisen vorbereitet und auf Vogelbrutstätten untersucht. „Wir können definitiv sagen, dass sich keine brütenden Vögel mehr in diesem Gebiet befinden“, bestätigt auch Margit Ludwig von der NSG, die auch darauf vertraut, dass Kleintiere wie Hasen, Kaninchen und Mäuse durch ihren Instinkt früh genug vor dem Feuer gewarnt werden und flüchten. „Da auf dem Gebiet auch keine Pflanzen in Blüte stehen, müssen wir auch nicht fürchten, den Bienen zu schaden.“

Bei der Trockenheit hatten die Flammen leichtes Spiel mit der holzigen Heide. Innerhalb von vier Stunden hatten sich die Flammen durch das Gebiet gefressen, immer kontrolliert durch die Feuerwehr. Brenzlig wurde es, als gegen 13.30 Uhr der Wind aus West auf Ost drehte und das Feuer an einer Flanke stark zu lodern begann. Die Feuerwehrleute alarmierten vorsichtshalber Kollegen aus Keitum. „Das Feuer war aber keinen Moment lang außer Kontrolle“, erklärte Margit Ludwig. „Es gab zwar diesen einen kritischen Moment, aber die Maßnahme konnte kontrolliert zu Ende gebracht werden. Die Fläche war gegen 16 Uhr komplett abgebrannt und das Feuer wurde gelöscht.“ Zur Sicherung vor Brandnestern wurde eine nächtliche Feuerwache angefordert.

„Das Brennen lief heute plangemäß, wir haben unser Ziel erreicht“, erklärte Goldammer am Abend. Doch die Aktion sei aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen und der Verzögerung durch den drehenden Wind sehr kräftezehrend gewesen. „Das war eine körperliche Herausforderung für alle Beteiligten“, bekannte Goldammer. Die Fachleute hätten daher den zweiten Brand, der am heutigen Mittwoch in der Braderuper Heide stattfinden sollte, zunächst verschoben.

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