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Geburtshilfe : Sylter Hebammen: Rufbereitschaft droht zu scheitern

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Gemeinde Sylt würde einen Bereitschaftsdienst für Hebammen mit finanzieren: Doch bisher will nur eine der drei Frauen überhaupt mitmachen.

von
erstellt am 22.Aug.2015 | 05:04 Uhr

Einstimmig hat die Gemeindevertretung Sylt am Donnerstagabend beschlossen, eine mögliche Rufbereitschaft für die Sylter Hebammen mit knapp 35  000 Euro zu unterstützen. Damit ist das Thema aber noch nicht in trockenen Tüchern: Bisher ist nur eine der drei Sylter Hebammen bereit, so eine Rufbereitschaft anzubieten.

Zum Hintergrund: Die Hebamme in Bereitschaft soll immer dann Frauen zur Seite stehen, wenn sich während der Schwangerschaft oder nach der Geburt Probleme ergeben und die Frauen noch nicht oder nicht mehr in einer Klinik auf dem Festland untergebracht sind (wir berichteten). An den Kosten sollen sich neben den Sylter Gemeinden auch die gesetzlichen Krankenkassen, das Land Schleswig-Holstein sowie der Kreis Nordfriesland mit insgesamt weiteren 44 700 Euro beteiligen. Auch die Haftpflichtversicherung in Höhe von knapp 6300 Euro pro Hebamme soll übernommen werden. Die drei Frauen würden für jeden 24-Stunden-Dienst 100 Euro erhalten, nach den bisherigen Planungen soll die 24-stündige Rufbereitschaft das gesamte Jahr über angeboten werden. Starten soll die Rufbereitschaft am 1. Oktober, die Finanzierung ist bis Ende des kommenden Jahres gesichert. Da es sich bei dem geplanten Bereitschaftsdienst um ein gesamtinsulares Thema geht, muss am kommenden Dienstag der Amtsausschuss abschließend über die Bezuschussung entscheiden.

Dann wäre zumindest finanziell der Weg für die Rufbereitschaft bereitet. Wie er aber organisatorisch oder personell umgesetzt wird, ist noch unklar. Einzig Hebamme Cornelia Baecker bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass sie bereit wäre, die dafür nötigen Verträge zu unterschreiben. Heidrun Hepper als zweite Hebamme ist sich dagegen noch unsicher, ob sie Teil dieses Engagements werden will. Und die dritte Hebamme im Bunde, Anke Bertram, verkündete auf der Sitzung der Gemeindevertretung, sie habe den Vertragsentwurf von einem medizinischen Fachanwalt prüfen lassen. Der habe ihr von der Unterzeichnung abgeraten – sie würde es deshalb auch nicht tun. Unter anderem bemängelt sie, dass die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes den Hebammen demnach quasi weisungsbefugt seien. Generell beklagte Bertram, die Politik habe sie in jüngster Zeit nicht genug in die Entwicklung dieses Bereitschafts-Plans eingebunden.

Das bedeutet: Zum jetzigen Zeitpunkt müsste der Bereitschaftsdienst allein von der Hebamme Baecker bewerkstelligt werden. Dazu wäre sie auch bereit: „In diesem Fall würde ich mich für 20 Tage je Monat bereit erklären, einen Bereitschaftsdienst anzubieten.“ Lieber wäre es ihr allerdings, wenn die beiden anderen Hebammen doch noch mitmachen würden: „Eine hundertprozentige Lösung wären meine 20 Tage natürlich nicht - aber es ist besser als gar nichts.“ Wichtig ist dabei allerdings zu wissen, dass Baecker schon jetzt eine Art Rufbereitschaft anbietet – wird das DRK Sylt von einer Schwangeren alarmiert, kann es Baecker hinzu rufen.

Bürgermeister Nikolas Häckel hält von den Diskussionen über Vertragsinhalte zum jetzigen Zeitpunkt nichts – zumal diese Verhandlungen vom Kreis Nordfriesland geführt werden. Er stellte dagegen auf der Gemeindevertretersitzung klar, dass die Gemeinde nach der Zusage für den Zuschuss nun schon erwarte, dass die drei Hebammen sich auf eine funktionierende Rufbereitschaft einigen und einlassen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Konzept auf dem Rücken einer einzelnen Hebamme umgesetzt werden kann“, fügte er auf Nachfrage unserer Zeitung hinzu.

 

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