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Güterverkehr nach Sylt : Sylter Güter auf die Schiene

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

NEG-Chef Dewald setzt sich für einen Ausbau der Güterverladung im Tinnumer Gewerbegebiet ein.

Sylter Güter auf die Schiene – dieses Motto könnte für die Straßen der Insel und damit für die Gemeinden eine wesentliche Erleichterung darstellen. Die Bahn nennt zwar keine Zahlen, aber Manfred Uekermann schätzt, dass pro Tag 150 bis 200 Lkws den Autozug verlassen und durch die Dörfer fahren. Eine Verlagerung auf die Schiene wäre relativ schnell machbar – deutlich schneller als das andere große Verkehrsthema, der Umzug der Autoverladung.

In der „Verbandsversammlung des Zweckverbandes Inselgemeinschaft Flugplatz Sylt“ berichtete NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald über die derzeitige Nutzung des Gleisanschlusses im Gewerbegebiet, die noch viel Potenzial hat. Die NEG (Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll) betreibt „die nördlichste Gleisanlage der Republik“ für den Zweckverband – Gleise, die früher für die Panzerverladung und das Tanklager der Marineflieger genutzt wurden und nun für das Gewerbegebiet zur Verfügung stehen. Zuletzt wurden sie 2004/2005 erneuert. Zwei Baumärkte – mehr Kunden sind es nicht, die ihre Waren und insbesondere Baustoffe mit dem Güterzug angeliefert bekommen. Darüberhinaus würden alle Brennstoffe, die auf Sylt verfeuert werden, per Kesselwagen angeliefert, berichtete Dewald. Doch die großen Lebensmittelhändler ließen sich ihre Waren per Lkw bringen, die per Autozug oder Syltfähre nach Sylt gelangen – obwohl zum Beispiel Lidl in Tinnum über einen Gleisanschluss verfügt. Und die verbrauchten Waren verlassen die Insel auch wieder mit Lastwagen – die Müllabfuhr fährt ebenfalls Autozug. Nach Dewalds Einschätzung ein sehr teurer Transportweg – der pro Lastwagen 350 Euro netto kostet.

Dabei könnte es so einfach sein: Die großen Lebensmittelhändler und Logistiker wie Lidl, Edeka und DHL verfügten bereits über Regionallager in der Nähe von Neumünster. Von dort könnten die Waren beim Güterverkehrszentrum (GVZ) Neumünster angeliefert werden. Der Güterbahnhof Neumünster, den ebenfalls die NEG bewirtschaftet, verfüge über genügend Ausbaureserven. Ab 2018 stünde dort die Infrastruktur zur Verfügung, mit der Güter auf die Bahn umgeladen werden können. Konkret ist dazu ein „Reachstacker“ nötig – ein Greifstapler, der Container und sogar ganze Lastwagenanhänger vom Bahnwaggon hieven kann. Die Investition – rund eine halbe Million Euro – würde vom Bund und von der EU gefördert. „Das könnte 2019 auch für Tinnum funktionieren.“

Bisher pendelten die Güterzüge der NEG-Schwestergesellschaft CFL Cargo nur dreimal wöchentlich zwischen Niebüll und Sylt, erläuterte Dewald. Vormittags rollt ein Güterzug Richtung Tinnum, nachmittags wieder zurück aufs Festland.

Wenn der Gütertransport auf die Schiene wechselt, wäre das „attraktiv für alle“, glaubt Manfred Uekermann, Vorsitzender des Landschaftszweckverbandes und Ortsbeiratsvorsitzender aus Tinnum. Und deutlich schneller umzusetzen als etwa die Verlagerung der Autoverladung. Seit 30, 40 Jahren werde über den richtigen Standort für den Terminal diskutiert. Heute reiche der Stauraum für die Autoverladung nicht mehr aus, gerade im Sommer blockiere der Verkehr die gesamte Umgebung und die weitere Infrastruktur der Insel, aber mittlerweile auch zu anderen Zeiten. „Wir hatten die Staus im Griff“, sagte Uekermann, doch nun verschlechtere sich die Situation zusehends. Es sei dringend an der Zeit, die Probleme grundsätzlich zu lösen.

Dabei sei es nun innerhalb weniger Tage gelungen, dem Thema neuen Schub zu verleihen. Als der Verkehrsminister Bernd Buchholz nach Husum kam, legten die Insel- und Halligkonferenz und die NEG einen Ideenkatalog vor, wie der Bahnverkehr zukunftsfähig gemacht werden könnte. Dazu zählten die Elektrifizierung der Strecke, aber auch ein neuer Standort für die Autoverladung – vor allem aber eine grundsätzliche Betrachtung der Sylter Infrastruktur. Der Minister habe den Vorschlag aufgenommen, und statt der beantragten einer Million Euro für die Planung stünden nun schon 2,5 bis drei Millionen Euro zur Verfügung. „Vielleicht können wir etwas erreichen, was wir heute noch gar nicht absehen können.“ Vielleicht gäbe es noch ganz andere Möglichkeiten, die Sylter Verkehrsströme zu leiten. Die Tinnumer wären natürlich nicht scharf auf die Autoverladung, genausowenig wie die Keitumer oder die Morsumer.

Mittlerweile hätten die drei Landtagsfraktionen der Jamaika-Koalition, die CDU, die Grünen und die FDP, den Antrag vorgelegt, die Landesregierung möge sich auf Bundesebene für den zweigleisigen und elektrifizierten Ausbau der gesamten Marschbahn einsetzen. Außerdem soll geprüft werden, wie Autozüge und Personennahverkehr zwischen Niebüll und Westerland besser harmonisiert werden können. Der Antrag der Jamaika-Koalitionäre sähe konkret vor, die aktuellen Vorschläge der Insel- und Halligkonferenz in die Prüfung einzubeziehen. Auch Bürgermeister Nikolas Häckel freute sich über die Zustimmung des Kieler Ministers: „Es ist ein großer Wurf, dass sich das Land gemeinsam mit uns Gedanken macht, wo die Reise hingehen kann.“ Mit einem Umzug in Richtung Nordosten würde das Problem der Autoverladung nur verlagert – auch dort gäbe es enge Verkehrsräume und eine dichte Besiedelung. „Nun werden verschiedene Varianten geprüft – das macht diesen Impuls so wichtig.“ Häckel freute sich, dass das Land weitere Finanzmittel zur Verfügung stellen will. „Damit kann man nun allumfassend neue Ideen entwickeln.“

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