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Unterkunft für Flüchtlinge auf Sylt : Sylter Gemeindevertretung hält am JAW-Heim fest

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gemeinde muss nun entscheiden, ob sie das Gebäude vom Land anmieten oder für 2,1 Millionen Euro kaufen will

von
erstellt am 22.Dez.2015 | 18:30 Uhr

Die Gemeindevertretung Sylt hat noch einmal ihren Beschluss bekräftigt, Flüchtlinge zunächst im ehemaligen Jugendaufbauwerk (JAW) unterbringen zu wollen. Container oder andere mobile Unterkünfte haben bei den Politikern untergeordnete Priorität. Das beschlossen die Gemeindevertreter auf ihrer jüngsten Sitzung. Derzeit geht die Verwaltung davon aus, zusätzliche Räumlichkeiten wie das JAW-Heim ab dem kommenden Frühjahr zu benötigen. Bis dahin können die Flüchtlinge – derzeit leben rund 190 auf Sylt – unter anderem in Wohnungen des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) untergebracht werden (wir berichteten).

Das Jugendaufbauwerk, das im Besitz des Landes Schleswig-Holstein ist, stünde der Insel mietfrei zur Verfügung. Außerdem bietet das Land das Gebäude der Insel für 2,1 Millionen Euro zum Verkauf an. Dieser Preis, betonte Bürgermeister Nikolas Häckel auf der Sitzung, lasse sich nicht weiter nach unten verhandeln – das Land dürfe generell nicht unter dem Preis verkaufen, den die Wertermittlung ergeben habe. In beiden Fällen – also bei Anmietung oder Kauf – müsste die Insel mindestens eine Million Euro in die Sanierung investieren. KLM-Betriebsleiter Marcus Kopplin sprach sich auf der Sitzung für eine Anmietung des Gebäudes aus: Da das Land für die Unterbringung eines jeden Flüchtlings rund 250 Euro zahle, könne man so die Sanierungskosten innerhalb weniger Jahre refinanzieren.

Gerd Nielsen (SPD) wies darauf hin, dass die Politiker der Gemeinde Sylt schon im Oktober die Nutzung des JAW–Heims in Hörnum beschlossen hätten. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass dieser Beschluss auch beinhaltet, mit den Eigentümern des benachbarten Hauses Budersand Verhandlungen aufzunehmen, das aus seiner Sicht alternativ zum JAW–Heim genutzt werden könnte: „Es ist in einem hervorragenden Zustand, vielleicht lässt es sich doch befristet anmieten.“

Der ursprüngliche Plan für das Haus Budersand ist, dass die Betreiberin des Hörnumer Hotels Budersand es von der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie abkauft, abreißt und dort Golfhäuser baut (wir berichteten). Da es nach Nielsens Kenntnisstand für den Bau der Golfhäuser aber noch gar keine Genehmigung gibt, wäre es aus seiner Sicht „ein Skandal, wenn das Haus Budersand abgerissen würde“. Auf Anfrage, was die Haltung der anderen Inselgemeinden sei, erinnerte Nikolas Häckel daran, dass sich der Amtsausschuss für eine Unterbringung in mobilen Einheiten, beispielsweise Fertigholzhäusern, ausgesprochen habe. „Die Gemeinde Hörnum selbst hat sich offiziell noch nicht zum JAW-Heim geäußert.“

Die Verwaltung, so Häckel, setze sich parallel zu den Verhandlungen um das JAW-Heim weiterhin mit der Container-Lösung auseinander. Im Zuge dessen habe er sämtliche Inselgemeinden angeschrieben, damit sie Vorschläge unterbreiten, wo auf ihrem Gemeindegelände Container oder andere mobile Einrichtungen aufgestellt werden könnten. „Es ist allerdings schwierig, wenn auf diese Anfrage keine Antworten kommen – oder auch Gelände angeboten werden, die gar nicht in Gemeindebesitz sind“, so Häckel.

Rolf Speth, Bürgermeister der Gemeinde Hörnum und als Amtsvorsteher zuständig für die Flüchtlingsunterbringung in den amtsangehörigen Gemeinden,äußerte sich zu dieser Kritik des Bürgermeisters nicht näher, betonte jedoch, dass in Hörnum keine Flächen für Container zur Verfügung stünden.

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