Mangelnde Kooperation : Sylter Gemeinden auf getrennten Wegen

Kommunaler Wohnungsbau in der Hörnumer Strandstraße – eines der Objekte, die künftig neu verwaltet werden sollen.
Kommunaler Wohnungsbau in der Hörnumer Strandstraße – eines der Objekte, die künftig neu verwaltet werden sollen.

Tourismusservice Wenningstedt-Braderup soll sich künftig um Liegenschaftsverwaltung und Bauprojekte in amtsangehörigen Gemeinden kümmern.

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19. Dezember 2014, 05:43 Uhr

Die eigenständigen, nicht zur Gemeinde Sylt gehörenden Dörfer List, Kampen, Wenningstedt-Braderup und Hörnum wollen in ihren Orten die komplette Liegenschaftsverwaltung und auch alle Wohnungsbauprojekte in eigene Regie übernehmen. Zuständig sein dafür soll künftig der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup. Bereits Mitte Juli hatte der Amtsausschuss des Amtes Landschaft Sylt beschlossen, neue Wege einer Unabhängigkeit von der Gemeinde Sylt zu beschreiten und prüfen zu lassen, ob und wie sowohl eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gegründet und auch die Liegenschaftsverwaltung übernommen werden kann.

Hintergrund der „Unabhängigkeitsbewegung“ der vier Gemeinden – die auch eine gesamt-insulare Fusion in noch weitere Ferne rücken lässt – sei vor allem, dass das bisher zuständige Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) der Gemeinde Sylt erklärt habe, nicht mehr in der Lage zu sein, für die Amtsgemeinden neue Projekte zu entwickeln und zu finanzieren, erläutert Rolf Speth. „Aber insgesamt stimmte die Chemie mit KLM und auch dem Inselbauamt einfach nicht mehr. Es gab einfach zu viele Meinungsunterschiede in der Vergangenheit“, sagt der Hörnumer Bürgermeister, der zur Zeit auch Amtsvorsteher der amtsangehörigen Gemeinden ist. „Besonders im zu Ende gehenden Jahr 2014 ist alles noch schlimmer geworden. Dazu passt leider auch, dass die Bürgermeisterdienstversammlungen gar nicht mehr stattfinden. Das alles ist irgendwie einfach ausgelaufen.“

Zu den betroffenen Liegenschaften gehören in allen vier Inselkommunen beispielsweise Feuerwachen, Kindergärten, Schulen, Gebäude der Gemeindeverwaltungen und der Tourismus-Services, Campingplätze oder Toilettenanlagen – und vor allem die gemeindeeigenen Häuser mit Dauerwohnraum. Speth klagt jedoch nicht nur über mangelnde Kommunikation und Kooperation, besonders bei der Planung neuer Bauvorhaben, er ist auch unzufrieden mit der fortlaufenden Betreuung von Liegenschaften in den Amtsgemeinden: „Entweder hat sich gar keiner gekümmert oder die Arbeiten wurden schlecht ausgeführt.“ In Hörnum hätte zum Beispiel immer öfter der eigene Bauhof einspringen oder Aufträge an Fremdfirmen vergeben werden müssen. Ähnlich sehe es in den anderen Gemeinden weiter nördlich aus, deshalb sei die jetzt beschlossene Abspaltung nur zwangsläufig: „Das können wir uns nicht länger leisten. Wir müssen und wir wollen andere Wege gehen – und wir wollen diese Wege alleine gehen.“

Für Kampen sei die Entwicklung weder neu noch überraschend, betont Bürgermeisterin Steffi Böhm. „Wir kennen das ja seit längerem: zu allererst kommt die Gemeinde Sylt, erst dann kommen die Anderen.“ Aus diesem Grund wollte Kampen bereits vor vier Jahren seine Liegenschaftsverwaltung dem eigenen Tourismusservice unterstellen, „aber das hat die Kommunalaufsicht damals mit dem Verweis auf eine zu geringe Zahl an Objekten in unserer Gemeinde abgelehnt“, so Böhm.

Doch genau dieser Weg könnte jetzt im Verbund mit den anderen drei Amtsgemeinden zur ersehnten „Befreiung“ führen. Auf der Sitzung des Amtsausschusses am vergangenen Mittwoch im Kaamp-Hüs teilte Bernd Neumann, der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Landschaft Sylt, mit, die Kommunalaufsicht (KAB) und das Prüfungsamt Nord in Husum hätten bei einem Gesprächstermin Anfang Oktober berichtet, man sei einvernehmlich zur möglichen Lösung gelangt. Die sieht so aus, dass der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup (TSWB) die Liegenschaftsverwaltung aller in den Amtsgemeinden und wegen der Norddörferschule auch im Schulverband befindlichen Immobilien und gegebenenfalls eine Baubegleitung zur Schaffung von Dauerwohnraum übernehmen könnte. Die Kommunalaufsicht habe keine grundlegenden Ablehnungsgründe für eine Erweiterung des Gesellschaftszweckes des TSWB im Interesse einer insularen, kommunalen Zusammenarbeit erkennen lassen, so Neumann. Sollte der Wunsch nach einer Vergabe der Leistungen aus den Amtsgemeinden und aus dem Schulverband geäußert werden, sei dies vom entsprechenden Gremium beim TSWB zu beschließen.

Damit der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup die neuen Aufgaben übernehmen darf, muss jedoch der Gesellschaftszweck der GmbH & Co. KG erweitert werden. Nur dieser Weg sei laut Kommunalaufsicht möglich, der Neugründung einer gemeindeübergreifenden Liegenschaftsverwaltung hat die die KAB dagegen keine Genehmigung in Aussicht gestellt. Jetzt ist vor allem Henning Sieverts gefordert. Mit dem Wenningstedter Tourismuschef sei bereits über die neu auf ihn zukommende Aufgabe gesprochen worden, er habe seine Bereitschaft ausdrücklich signalisiert, so Neumann. Als nächste Schritte soll Sieverts zusammenstellen, was beim TSWB betriebsintern zu regeln ist und eine Beschlussfassung für die Gesellschafterversammlung des TSWB erstellen. Parallel muss der Antrag an die Kommunalaufsicht formuliert und zur Vorprüfung abgeschickt werden. Außerdem müssen alle Amtsgemeinden und der Schulverband Norddörfer auflisten, um welche Liegenschaften es sich genau handelt. Zur Bewältigung der neuen Aufagben geht der Tourismus-Service derzeit von zwei zusätzlich notwendigen Mitarbeitern aus.

Amtsleiter Neumann, der alle Verhandlungen mit dem Kreis führt, rechnet damit, dass die Liegenschaftsverwaltung möglicherweise schon im Herbst nächsten Jahres, spätestens aber zum 1. Januar 2016 an den Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup übertragen werden kann. Bis dahin müssen sich die vier Gemeinden weiterhin selbst um die Instandhaltung und um die Reparaturen in allen ihren Objekten kümmern.

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