Nordseeklinik : Sylter Geburtshilfe droht doch das Aus

Die Nordseeklinik stellt ab 2014 die Zahlung für die Gynäkologen-Versicherung ein. Die Sylter Hebammen kündigen für diesen Fall das Ende der Sylter Geburtshilfe an.

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07. November 2013, 00:31 Uhr

Nachdem die Verhandlungen zwischen der Asklepios Nordseeklinik und den Sylter Hebammen erfolgreich verlaufen waren, schien die Geburtshilfe endlich in ruhigeres Fahrwasser zu treiben. Doch bereits jetzt, zwei Wochen nach den Vertrags-Gesprächen, steuern die Akteure wieder auf Kollisionskurs. Und diesmal sieht es nicht danach aus, als ließe sich das Steuer noch herumreißen. Der Grund: Die Asklepios Nordseeklinik könnte zum Ende des Jahres ohne Gynäkologen dastehen. Das wäre das Aus für Geburten in der Nordseeklinik.

Wie Geschäftsführer Florian Nachtwey und Konzernsprecher Rudi Schmidt gestern bekannt gaben, wird die Klinik die Versicherungsprämien für den verbliebenen Beleg-Gynäkologen Dr. Zbigniew Budkowski nicht mehr zahlen können (wir berichteten). Ursache für das Umsteuern zum Jahresende seien rechtliche Hürden. Noch bis vor einem Jahr waren die damals zwei Beleg-Gynäkologen – niedergelassene Sylter Ärzte, die die Infrastruktur der Klinik nutzten, aber selber abrechneten – über die Nordseeklinik mitversichert gewesen. Nun, da der Vertrag der Klinik mit dem verbliebenen Belegarzt zum 31. Dezember ausläuft und neu verhandelt werden muss, sei, mit Blick auf Antikorruptionsgesetze, ein Zurück zum alten Status unmöglich: „Wir dürfen die niedergelassenen Ärzte schlicht nicht mehr versichern“, sagte Konzernsprecher Rudi Schmidt und verwies dabei auf ein Rechtsgutachten der Kanzlei Causa Concilio, das der Redaktion vorliegt. Darin heißt es: „Die Kostenübernahme für die Berufshaftpflichtversicherung durch einen Dritten stellt somit für einen Arzt einen wirtschaftlichen Vorteil dar.“ Mit anderen Worten: Eine solche Kostenübernahme durch die Klinik könnte dem Arzt juristische Probleme bescheren. „Da entsteht ein berufs- und wettbewerbsrechtliches Risiko, das schlimmstenfalls zum Verlust der Zulassung führen kann“, sagte Schmidt.

Der Ball liegt nach Meinung der Geschäftsführung damit jetzt bei dem Gynäkologen. Dr. Zbigniew Budkowski hatte in der Sylter Rundschau bereits deutlich gemacht, die Versicherungsbeiträge nicht selber tragen zu wollen. „Ich frage mich, warum die Finanzierung die letzten 20 Jahre funktioniert hat und jetzt plötzlich nicht mehr funktionieren soll.“

Als vorläufigen Ausweg für die Geburtshilfe schwebt der Klinik folgendes Szenario vor: „Wir werden den Hebammen den Kreißsaal kostenlos zur Verfügung stellen, damit ambulante Geburten auch weiterhin möglich sind“, kündigte Florian Nachtwey an. Derweil werde man sich nach einem neuen Gynäkologen als Belegarzt umsehen. Allerdings schätzt auch die Klinikleitung die Chancen fündig zu werden, als gering ein: „Das wird schwierig – da müssen wir uns nichts vormachen“, so Nachtwey. Sollte es keinen Ersatz geben, würde das wohl das Ende der Sylter Geburtshilfe bedeuten. Ohne Arzt wäre den drei Hebammen das Risiko, das jede Geburt birgt, zu groß: „Dann ist für uns Schluss. Das wäre unverantwortlich“, sagte Hebamme Anke Bertram.

Mit Blick auf die neue Situation zeigte sich auch Eberhard Eberle (SPD) zerknirscht. „Die Klinik hat nicht mit offenen Karten gespielt“, so die Vermutung des Sozialausschussvorsitzenden. Am Dienstag hat die Klinikleitung noch einen Termin im Kieler Sozialministerium, um die Zukunft der Geburtshilfe zu besprechen. Vielleicht kann dabei Föhr mit nur 50 Geburten im Jahr als Vorbild dienen. Hier zahlt die Klinik Nordfriesland GmbH noch immer die Versicherungsprämie für eine angesiedelte Gynäkologische Praxis. Viel Zeit für eine Lösung bleibt jedoch nicht mehr.

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