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Im Bikini ins Restaurant? : Sylter Gastronomen fordern: Zieht Euch etwas an!

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nur mit Badebekleidung ins Restaurant und in die Innenstadt – Gibt es auf Sylt bald eine Kleiderordnung wie auf Mallorca?

Westerland | Urlauberin Alexandra Stephan ist während ihres ausgiebigen Strandspaziergangs durstig geworden. Mit Bikini bekleidet, sucht sie nun an der Westerländer Promenade nach einem Restaurant. Nur etwas zum Mitnehmen wolle sie, anstatt sich in ihrem Outfit hinsetzen und bedienen zu lassen, denn: „Das regt mich bei anderen richtig auf!“

Derartiges Auftreten wurde vergangenes Jahr auch den Spaniern am Ballermann zu bunt und Palmas Gemeinderat erließ eine „Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben“. Seitdem gilt, dass Badekleidung außerhalb der direkten Strandzone verboten ist. Wer trotzdem im spärlichen Beach-Outfit auf der Straße oder im Restaurant unterwegs ist, dem drohen bis zu 400 Euro Strafe. Wie stehen Sylter Gastronomen dazu, wenn Gäste in Badebekleidung zu ihnen kommen?

Jan Scharfe, Inhaber des Restaurants „BeachHouse Seeblick“ direkt an der Westerländer Strandpromenade, sieht sich als Strandversorger - wenn also tagsüber Gäste in Badeshorts oder Bikini kommen, macht ihm das nichts aus. Das Aufstellen von Schildern oder gar eine spezielle Verordnung wolle er deshalb nicht. „Jeder Gast soll sich in erster Linie wohlfühlen“, sagt Scharfe.

Im Restaurant „Badezeit“ gleich nebenan komme es hingegen bis zu zweimal wöchentlich vor, dass Gäste nur in Badeklamotten erscheinen, sagt Kellner Florian Zingel. Aber auch hier reagierten die Urlauber bislang einsichtig auf den Hinweis, sich bitte etwas überzuziehen. Häufiger seien solche Vorfälle jedenfalls nicht geworden.

Etwas differenzierter urteilt Manfred Hermann vom Restaurant „La Grande Plage“ in Kampen. Im Tagesgeschäft sei Badebekleidung okay, abends jedoch wünsche er sich angezogene Gäste, so Hermann. An sich regele sich das aber von selbst, denn „jeder weiß ja, was er tut“. Anlass für eine grundsätzliche Kleiderordnung gebe es seiner Erfahrung nach nicht.

Karl Nissen-Hünding, Inhaber des „Samoa Seepferdchen“ in Rantum, sieht das ähnlich. „Bei uns kann jeder kommen, wie er sich wohlfühlt.“ Badebekleidung stehe er tolerant gegenüber, schließlich sei das „Seepferdchen“ ein reines Strandrestaurant. Trotzdem finde er bei seinen Gästen auch tagsüber ein T-Shirt über der Badehose oder dem Bikini wünschenswert. Eine Verordnung wie auf Mallorca sei aber überflüssig, weil die Gäste selbst ein Gespür dafür haben, welche Bekleidung angebracht ist, so der Restaurantbesitzer. Diejenigen, die ihr Abendessen in direkter Strandnähe genießen wollen, ziehen laut Nissen-Hünding dann unaufgefordert ein Hemd über die Shorts.

Anders denkt Sven Behrens, Inhaber der „Buhne 16“, dem bekannten Restaurant am gleichnamigen Strandabschnitt – einem Inbegriff der FKK-Kultur. „Eine Verordnung wie am Ballermann halte ich für wenig sinnvoll“. Sicher gebe es Restaurants, in denen adäquate Kleidung durchaus angebracht sei – „Buhne 16“ zähle definitiv nicht dazu.

Ein Getränk To-Go wird Strandspaziergängerin Alexandra Stephan in ihrem Bikini sicher bekommen. Als Restaurantgast jedoch sehen sie so nicht alle Sylter Gastronomen gerne.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 05:40 Uhr

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