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Sylter Rundschau

13. Dezember 2017 | 14:34 Uhr

Gästezahlen : Sylter Gastgeber sind gefordert

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Touristiker der Insel ziehen verspätete Bilanz der Saison 2016 / SMG-Chef Moritz Luft hat trotz guter Zahlen noch Verbesserungsvorschläge

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 05:01 Uhr

Das Jahr 2017 feiert in Kürze zwar schon Halbzeit, aber Statistiken und Auswertungen brauchen manchmal so ihre Zeit. So auch auf Sylt, wo Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing-Gesellschaft (SMG), in diesen Tagen die Tourismus-Bilanz des Jahres 2016 vorlegte. „Wir mussten in diesem Jahr einfach sehr lange auf die Ergebnisse aus Hörnum warten“, so die knappe Begründung des Tourismus-Experten für die verspäteten Zahlen. Aber ein erfolgreiches Jahr ist und bleibt ein erfolgreiches Jahr – und auch sechs Monate später kann sich die Sylter Tourismus-Bilanz des Jahres 2016 durchaus sehen lassen. Dennoch hat SMG-Chef Moritz Luft dringende Verbesserungsvorschläge, die auch die Gastgeber der Insel betreffen. Aber dazu später mehr.

Zunächst einmal machen die Zahlen auf den ersten Blick einen guten Eindruck: Die von Sylt Marketing zusammengestellte Statistik aller Inselorte von List bis Hörnum weist für 2016 insgesamt 938  572 Gäste aus, die exakt 6  927  836 Übernachtungen gebucht hatten. Das ist im Gegensatz zu 2015 ein Plus von 3,89 Prozent an Gästen und ein Plus von 2,79 Prozent an Übernachtungen. Vor allem List erlebte einen Aufschwung mit knapp 7 Prozent mehr Gästen als 2015 und 5,5 Prozent mehr Übernachtungen. „Alles in allem freuen wir uns natürlich über die gute Bilanz“, sagt Moritz Luft. Allerdings stelle sich die Frage, wann das Plus stattfinde: „Solange es in der Nachsaison ist, ist alles gut. Da haben wir noch genug Kapazitäten frei.“

Außerdem sei ein Trend, der dem Marketing-Chef seit einigen Jahren Sorgen bereitet, auch im vergangenen Jahr deutlich erkennbar: Der stärkere Anstieg der Gästezahl gegenüber der Übernachtungszahl. „Die Aufenthaltsdauer sinkt, so wie in den meisten deutschen Urlaubsregionen“, sagt Moritz Luft. „Das bedeutet, dass wir, um die Übernachtungszahlen zu halten, immer mehr Gäste-Anreisen generieren müssen. Und das wird uns auf lange Sicht Schwierigkeiten bereiten.“

Ein damit verbundenes Problem sei die Intensität, mit der vor allem Kurzzeitreisen häufig in Verbindung stünden. „In knapperer Zeit muss alles perfekt sein. In wenigen Tagen will der Urlauber alles erleben, was er früher noch in zwei Wochen erlebt hat. Dabei ist er viel mehr unterwegs auf der Insel, und auch die seit Jahren gleichen An- und Abreisekapazitäten werden immer mehr beansprucht. Die Gästedurchläufe werden immer höher – und das kann eigentlich nicht Sinn und Zweck einer Erholungs-Destination sein“, sagt Luft.

Sein Appell richtet sich daher auch an die Sylter Vermieter, sowohl gewerblicher als auch privater Unterkünfte. „Ziel sollte es sein, den Aufenthalt der Gäste zu verlängern und im besten Fall immer eine Nacht mehr zu verkaufen“, betont er. In allen Konsumbereichen gebe es Anbieter, die es schaffen, den Käufern immer noch einen Euro mehr abzunehmen. Diese Herausforderung auf Sylt zukünftig erfolgreicher umzusetzen, werde unter anderem Aufgabe des Strategiekreises der SMG und sämtlicher insularen Gastgeberverbände sein.

Neben den Gäste- und Übernachtungszahlen erfasst die Tourismusbilanz 2016 auch die Herkunftsgebiete der Urlauber. Mit interessanten Erkenntnissen: „Nach einigen Jahren mit gering rückläufigen Zahlen, konnten die Übernachtungen von Gästen aus Nordrhein-Westfalen nun im zweiten Jahr wieder zulegen. Das ist schon mal sehr gut“, sagt Moritz Luft. Immerhin kamen knapp 26 Prozent der Insel-Urlauber aus dem größten deutschen Bundesland und blieben mit 8,45 Tagen überdurchschnittlich lange auf der Insel. Grund dafür sei unter anderem auch die Werbekampagne, die die Tourismusservices mit der SMG im vergangenen Jahr in NRW realisiert haben, betont Sylts Marketing-Chef. Auch Gäste aus Bayern und Baden-Württemberg kämen immer öfter auf die Insel. „Das liegt auch an der guten Erreichbarkeit durch die Fluglinien von Nürnberg und Stuttgart.“

Ein Bundesland, das „so langsam immer weiter wächst, der ‚hidden champion‘ sozusagen, ist Schleswig-Holstein“, sagt Luft. 162  000 Gäste aus dem Norden kamen durchschnittlich 5,2 Tage auf die Insel. „Zusammen mit Niedersachsen sind beide Bundesländer für uns für die Nachsaison-Bewerbung interessant. Besonders für Kurzaufenthalte ist da durchaus noch Potenzial.“

Interessant seien auch die Zahlen aus der Hansestadt: Hamburger bleiben durchschnittlich 5,77 Tage auf der Insel. „Man kann sicherlich noch dafür Gründe finden, warum die Zahlen aus Hamburg höher sind als die aus Schleswig-Holstein – obwohl beide doch eigentlich die gleiche Herkunft haben und es ja eigentlich immer heißt, die Hamburger kämen nur übers Wochenende.“


Gründe für den touristischen Aufschwung


Der touristische Aufschwung auf Sylt sei auf die geopolitische Lage zurückzuführen, „die uns in ganz Deutschland stark in die Karten spielt“, so Luft. Aber auch die im vergangenen Jahr verstärkte Bündelung von Marketingaktivitäten in der Schweiz, in Nürnberg und in Düsseldorf würden sich nun auszahlen. „Da lohnt es sich natürlich, auch in Bayern und Baden-Württemberg mehr Werbung in Verbindung mit einer Flugverbindung zu machen, weil wir besonders bei den weit entfernten Destinationen einen Mehraufenthalt bei Gästen generieren können“, sagt Luft.

Ein weiterer Grund für die guten Gästezahlen sei die generell positive Berichterstattung über Sylt: „Abgesehen von dem Thema Erreichbarkeit und was da sonst noch so mit dranhängt, gab es wenig Negatives über die Insel zu berichten. Und diese hohe Zufriedenheit bei den Gästen spiegelt sich auch in den Bewertungen der Unterkünfte wider“, sagt Luft. Generell sei die Zufriedenheit der Gäste seit Jahren enorm hoch und das Image der Insel sehr gut. „Grundtenor ist: Man macht nichts falsch, auf Sylt Urlaub zu machen. Es ist einfach eine sichere Investition“.

Trotz der positiven Bilanz gibt der Marketingexperte allerdings zu bedenken, dass diese auch nur bedingt aussagekräftig sei. „Die Zahlen können Richtungen vorgeben und die bundesdeutsche Entwicklung des Reiseverhaltens deutscher Gäste widerspiegeln. Aber das reicht nicht, um auch qualitativ eine Saison zu bewerten“, sagt Luft. Die Bilanz beinhalte derzeit zum Beispiel nicht, zu welcher Jahreszeit die Gäste auf der Insel sind. Denn vor allem in der Nebensaison würden die Urlauber generell kürzer bleiben. „Je mehr Menschen also in der Nachsaison kommen, desto negativer fällt die Bilanz der Aufenthaltsdauer aus.“ Die eigentliche Maßgabe der Sylter Touristiker sollte daher sein, nicht nur die Gästezahlen, sondern den durchschnittlichen Umsatz pro verkauftem Zimmer zu ermitteln und wie dieser sich über die Jahre verändert. „Dann erhalte ich ganz klar eine qualitative Bewertung“, sagt der Sylt-Marketing-Chef. Dieses Thema hat Luft nach eigenen Angaben bereits mit dem Strategiekreis der SMG ins Auge gefasst. In diesem Gremium sind der Verein Sylter Unternehmer, der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sylt, der Sylt Tourismus Verband, die Fremdenverkehrsvereine, die Privathotels, die Leiter der Tourismusservices und der SMG-Chef vertreten. Das erklärte Ziel des Kreises: Kurzfristig sollen die Übernachtungszahlen im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent gesteigert werden, bis 2020 wird wieder eine Zahl von sieben Millionen Übernachtungen angepeilt – auf Basis eines aktuellen und gültigen touristischen Leitbildes für die Insel und eines gemeinsam erarbeiteten Marketingplans.

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