zur Navigation springen

Insel-Fotograf Hans Jessel : Sylter Fotokunst im Fokus der Wissenschaft

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Münchener Fotografie-Studentin beschäftigt sich mit den Fotos von Hans Jessel zum Thema „Expedition in urbane Landschaften“.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Nachdem der renommierte Inselfotograf Hans Jessel jahrelang die perfekte, unberührte Natur Sylts abgelichtet hat, hat er im vergangenen Jahr eine neue Richtung eingeschlagen: Unter dem Oberthema „Expedition in urbane Landschaften“ machte er sich auf die Suche nach den Eingriffen in die Insellandschaft (wir berichteten). Jetzt hat sich eine Münchener Fotodesign-Studentin auch wissenschaftlich mit Jessels Arbeiten auseinander gesetzt und in einem Seminar darüber referiert: Eva Kollmann ist „praktisch mit den Bildern von Hans Jessel aufgewachsen“. Schon seit sie ein kleines Kind war, sind ihre Eltern jedes Jahr mit ihr nach Sylt in den Urlaub gefahren – und auch heute noch hält die Liebe zur Insel an. „Mein Vater ist Hobbyfotograf und hat sich sehr für Jessels Arbeiten interessiert“, erzählt die 29-Jährige. „In unserem ganzen Haus hingen seine Bilder und Kalender. Ich mag die Bilder unwahrscheinlich gerne, denn sie sind sehr dynamisch. Man kann sich, wenn man sie anschaut, auf die Insel träumen.“

Den Wechsel Jessels zu den urbanen Landschaften fand die Fotografie-Studentin „unglaublich spannend – ich hätte nicht gedacht, dass man den urbanen Eingriff in die Natur so perfekt und ästhetisch darstellen kann.“ Diesen Aspekt hätte auch ihre Dozentin besonders beeindruckend gefunden. Auch wenn viele der Bilder wie Schnappschüsse wirkten, tauchten darin immer wieder interessante Analogien auf. „Das wäre jemandem, der ohne geschultes Auge mit einer Kamera über die Insel gelaufen wäre, sicherlich nicht gelungen.“ Als Beispiel nennt Kollmann das Bild von einem Bagger am Strand. Die Form der Baggerschaufel wiederhole sich in der Form der Strandkörbe. „Man merkt Jessels Arbeiten an, dass er sich viele Gedanken macht, bevor er etwas fotografiert.“ Kollmann sieht in den Bildern nicht nur den moralischen Appell – „den sehe ich vielmehr in den Landschaftsaufnahmen, denn dort wird die schützenswerte Natur gezeigt“ – sondern auch viel Humor. Der Wechsel Jessels zur Fotografie urbaner Landschaften ist für sie „der nächste logische Schritt“ gewesen. In der modernen Fotografie sei Streetfotografie derzeit sehr verbreitet.

Dieser Aspekt war für Jessel selber eher zweitrangig. „Ich habe mich zwar immer schon für die Street-Fotografie interessiert, aber mir ging es darum, für die Insel etwas Gutes zu tun.“ Früher habe er, ebenso wie Eva Kollmann, gedacht er könne mit schönen Landschaften sensibilisieren. „Aber ganz im Gegenteil – schöne Fotos locken nur mehr Leute an. Ich wollte deshalb die andere Seite zeigen.“

Gefreut hat er sich aber über Kollmanns Interesse. „Ich war überrascht, wie stark diese Ausstellung auch außerhalb der Insel wahrgenommen worden ist.“ Überhaupt sei er verblüfft darüber, wieviel über die Bilder diskutiert worden sei: „Sonst sind die Menschen immer andächtig und schweigend durch meine Ausstellung gelaufen – wie erschlagen von so viel Schönheit. Dieses Mal jedoch herrschte eine richtig angeregte Stimmung. Das fand ich total toll.“

Im April kommt Eva Kollmann wahrscheinlich das nächsten Mal auf die Insel. Dann würde sie gerne Hans Jessel auch einmal persönlich kennen lernen – bislang haben die beiden nur telefoniert. An einem solchen Treffen ist auch Jessel sehr interessiert: „Auf die Begegnung freue ich mich schon.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen