Sylter Flughafen - die Nummer EIns im Norden

Seit 2005 ist Peter Douven Geschäftsführer des Sylter Flughafens.
Foto:
1 von 4
Seit 2005 ist Peter Douven Geschäftsführer des Sylter Flughafens.

Das Image macht's: Während überall Regionalflughäfen sterben, läuft der Betrieb auf Sylt

von
21. Januar 2015, 17:13 Uhr

Auf dem Radar ist zu sehen, wie sich ein Flugzeug nähert. Es ist die einzige Linienflug-Maschine, die heute ankommt und wieder abfliegt. Im Winter landet nur eine Maschine täglich, kein Vergleich zu dem Verkehr, der hier im Sommer herrscht. Die beiden Lotsen im Tower des Sylter Flughafens haben aus Bremen den Code für die Maschine von Air Berlin durchgegeben bekommen. Die Bremer machen die An- und Abflugkontrolle für den nördlichsten Flughafen Deutschlands. Als der Punkt auf dem Bildschirm etwa über Langeneß ist, meldet sich der Pilot des Flugzeugs per Funk im Tower. Er kündigt sich und seine Maschine an und bekommt vom Lotsen den Wind durchgegeben.


Wegen des Windes gekreuzte Bahnen


Nur wenige Minuten später sind am Horizont bereits Lichter zu erkennen, die beiden Lotsen im Tower wissen genau, wo sie hinschauen müssen, für das ungeübte Auge dauert es einen Moment, bis es das Flugzeug entdeckt hat. Der Pilot bekommt noch ein weiteres Mal den Wind angesagt. Das Flugzeug wird auf der Längs-Landebahn in Richtung Norden landen, bei anderen Windverhältnissen hätte der Pilot auch die gekreuzte Landebahn nehmen können. „Wir haben aufgrund des extremen Windeinflusses hier gekreuzte Bahnen, das gibt es nicht sehr häufig. Vor allem die kleinen Flieger nutzen diese Querbahn“, erklärt Peter Douven, der Geschäftsführer der Flughafen Sylt GmbH.
Die Maschine ist im Landeanflug, setzt auf – eine saubere Landung. Wenige Augenblicke später rollt die Maschine schon auf den Tower zu, bleibt an der zugewiesenen Position stehen. Der Gepäckwagen ist bereits da, die Tür geht auf, nach der Flugbegleiterin steigen auch die Passagiere aus. Einige Minuten später sind alle raus, das Gepäck bereits verladen und auf dem Weg ins Gebäude. Während der Flieger neu beladen wird, nähert sich ein Privatjet im Landeanflug. Der kleine Flieger nimmt nach dem Aufsetzen auf den Boden einen anderen Abzweig und fährt zum kleineren Hangar. „Wir haben drei Gates für Linienflieger. Die Geschäftsflieger und Privatflugzeuge sind davon strikt getrennt in einem anderen Gebäude“, so Peter Douven. Das hängt mit den Sicherheitsvorkehrungen zusammen.

Im Sommer geht es am Sylter Flughafen zu wie in einem Bienenstock. Zu den Linienflügen kommen die zahlreichen Geschäftsflieger und Privatflugzeuge. „Außerdem müssen die Lotsen die Fallschirmspringer freigeben“, erklärt Douven. Während die großen Flugzeuge, die Instrumentenflieger, mit einem Abstand von etwa fünf Seemeilen landen können, gehen die kleineren Sichtflieger in einem Abstand von 600 Metern runter. „In der Rushhour geht’s hier dann richtig turbulent zu“, so Douven. Dass alles reibungslos klappt und die Flieger sich nicht in die Quere kommen, dafür sorgen sechs Lotsen im Schichtbetrieb.

Ein Mischbetrieb mit Linienflügen und Privat- und Geschäftsflugzeugen ist typisch für den Sylter Flughafen, aber für einen Flughafen an sich eher untypisch. Nicht das einzige, worin sich der Sylter Airport von anderen unterscheidet. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen regionalen Flughäfen funktioniert der Linienbetrieb hier. In Flensburg und Kiel gibt es keine Linienflüge und in Lübeck sieht es alles andere als rosig aus.
Der Inselflughafen ist der einzige in Schleswig-Holstein, bei dem es noch recht gut läuft. Und Peter Douven weiß warum. Denn: Allein der Flugbetrieb wäre auch hier defizitär. „Das voraussichtliche Jahresergebnis 2014 ohne die Leistungen unserer Gesellschafter wird zwischen minus 370  000 und minus 400  000 Euro liegen und damit im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen konkurrenzlos günstig sein, obwohl der Sylter Flughafen Kosten, zum Beispiel für die Flugsicherung, zu tragen hat, die andernorts so nicht anfallen“, so der Flughafenchef. „Es geht also nur über Zusatzerlöse. Wir haben ja hier keine Shoppingmeilen oder Parkhäuser wie die großen Flughäfen. Wir kompensieren das durch Werbeerlöse. Zum Glück ist die Insel so ein attraktiver Werbeträger.“

Es gibt eine Kooperation mit Phillips und im vergangenen Jahr war VW Werbepartner. Die Hoteliers auf der Insel haben das bisher nicht genutzt, das Severin’s macht jetzt den Anfang, der Name wird bald prominent am Willkommensport stehen.

Aber was macht der Sylter Flughafen ansonsten anders als beispielsweise Lübeck? „In Lübeck werden Urlauber ins Ausland geflogen, es gibt keine Inlandsflüge, die Kaufkraft wird rausgeflogen. Hier auf Sylt haben wir bis auf eine Ausnahme, nämlich Zürich, nur Inlandsflüge“, sagt Douven. Auch wenn Sylt ein reiner Zielflughafen sei – also wenig „Kunden“ mit festem Wohnsitz in der direkten Umgebung hat – und damit wie viele regionale Flughäfen das Problem hat, dass es kaum eigene Nachfrage gibt, so hat Sylt doch einen entscheidenden Vorteil: „Es ist eine interessante Destination mit einem guten Ruf und viel Prestige, das hilft.“

Wie die Insel, lebt auch der Flughafen gut vom zahlungskräftigen Publikum. Weiterer Unterschied zu Lübeck ist der Personalstamm: „Obwohl der Lübecker Flughafen kleiner ist, hat er mehr als das Doppelte an Personal. Wir sind anders organisiert und haben Multifunktionskünstler dabei“, so Douven. Feuerwehr, Vorfeld-Dienst und Luftsicherheit in einer Person – das macht eine schlankere Besetzung. Das Stammpersonal sind etwa 40 Leute und in der Saison wird durch Minijobber aufgestockt, dann sind es insgesamt etwa 60.


15  000 Starts und Landungen im Jahr


Etwa 15  000 Bewegungen – Starts und Landungen – verzeichnet der Flughafen im Jahr. Von den 7500 Landungen sind 3000 gesamte gewerbliche Verkehr, also Privat- und Geschäftsflieger. Nur 1100 sind Flüge der Lufthansa und von Air Berlin, im Sommer macht das am Wochenende etwa zehn Landungen am Tag.

2004 durchliefen etwa 45  000 Passagiere im Jahr den Sylter Flughafen. Damals nahm Peter Douven seinen Job dort auf. Es mussten Linienflüge akquiriert werden, die Lufthansa flog nur sporadisch, Air Berlin gar nicht. 2011 war die heiße Phase erreicht: Über 217 000 Passagiere flogen in dem Jahr von und nach Sylt. „Dann kam die große Spritpreiserhöhung und eine höhere Fluggaststeuer und hinzu kamen Gebühren für die Flugsicherheit. Wir hatten dadurch 2012 über 50  000 Passagiere weniger“, erklärt Douven. Das betraf nicht nur Sylt. „Da begann das große Sterben der regionalen Flughäfen“, sagt der Flughafen-Chef. Für 2015 peilt er 173  000 Passagiere an.

Von den 850  000 Gästen, die die Insel im Jahr besuchen, kämen etwa 70 Prozent mit dem Auto. „Die Dauerbaustelle auf der A7 wird uns da in die Hände spielen. Denn die Bahn kann das durch die Eingleisigkeit nicht auffangen“, schätzt Douven. Der Flughafen werde dadurch an Bedeutung noch zunehmen. Dennoch: Es ist ein schwieriges Geschäft. Daher ist der Flughafen-Chef mit seiner Vision für die Zukunft auch bescheiden: 200  0000 Passagiere im Jahr wären gut und: „Den für eine solch kleine Insel so großen Flughafen überhaupt finanzierbar zu halten.“




zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen