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Freiwillige Feuerwehr auf Sylt : Sylter Feuerwehren haben keine Nachwuchssorgen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wie bekommt man Jugendliche dazu, sich bei der Feuerwehr zu engagieren? Drei Jugendwarte der Insel berichten.

Viele Vereine haben arge Nachwuchssorgen, doch bei den Jugendabteilungen der Sylter Feuerwehren sind die Mitgliedszahlen einigermaßen stabil. Die Sylter Rundschau hat mit Wehrführern und Jugendbeauftragten von drei Sylter Wehren gesprochen. Deren Fazit: Um Jugendliche vom Bildschirm weg zu locken, bedarf es viel Werbung für das Ehrenamt.

In der Jugendfeuerwehr von Westerland sind zurzeit drei Mädchen und 15 Jungs. „Genug Jugendliche kann man natürlich nie haben“ sagt Jugendwart Borge Kruse. „Wir sind noch zufrieden, aber wer weiß, wie lange das hält.“ Durch Medien wie Handy, Laptop, Tablet und Spielkonsolen wird es laut Kruse seit ein paar Jahren schwieriger, Nachwuchs zu locken. „Aber wenn sie erst mal bei der Jugendfeuerwehr sind, bleiben die meisten bei der Stange.“ Allerdings würden sich die Austrittsgründe verschieben.

Früher war es „keine Lust mehr“, die letzten Abgänge basierten dagegen auf Wegzug von der Insel. „Das betrachtet man natürlich mit gemischten Gefühlen“ stellt Kruse fest. Mit seinen Kollegen rührt er ordentlich die Werbetrommel: Mit Fahrzeugen sind sie bei Veranstaltungen präsent, sie laden zum Entdecken auf die Wache oder schreiben die Westerländer Kinder per Post an, um ihnen die Jugendfeuerwehr schmackhaft zu machen. „Bei uns rutscht immer noch Nachwuchs nach. Wenn die Kinder mit zehn einsteigen und mit 18 Jahren in die aktive Wehr wechseln, bleibt natürlich eine ganze Menge Wissen hängen. Darüber kann jeder Wehrführer glücklich sein.“

Matthias Jorglo, seit 2009 Jugendwart der Lister Feuerwehr, will auch nicht klagen, was den Nachwuchs angeht. 21 Jugendliche hat er unter seinen Fittichen, davon sechs Mädchen. „Dafür, dass wir eine Pflichtfeuerwehr sind, geht das in Ordnung.“ In den letzten sechs Jahren sind drei Jugendliche von der Jugend in die aktive Feuerwehr nachgerückt, im nächsten Jahr werden es noch einmal zwei sein. Er wünscht sich sehnlich den Bau der neuen Feuerwache in List, „wir haben da langsam ein Platzproblem im alten Gebäude“. Noch in diesem Herbst kommt wieder ein junger Kamerad dazu. Es wird zwar eng in List, aber nicht leer.

In der Hörnumer Jugendfeuerwehr sind 16 Jugendliche, davon fünf Mädchen. Wehrführer Dieter Mordhorst erklärt sich die stabilen Mitgliederzahlen durch das intensive Engagement in Sachen Jugendarbeit. „Wir zeigen uns viel in der Öffentlichkeit“. Damit meint er nicht nur die offenen Tore der Feuerwache. Die Hörnumer bedienen sich moderner Medien wie Facebook und Whatsapp. „Über Carsten Köthe von Radio RSH haben wir kürzlich eine Großübung angemeldet, da kamen viele Kinder und Jugendliche zum Gucken. So etwas schafft Begeisterung beim Nachwuchs.“ Der Jugendwart Sven Petersen ist viel unterwegs mit den Jugendlichen, macht überregionale Ausflüge und organisiert Aktionen, die weit über das normale Dienstprogramm hinausgehen, das stärkt seiner Meinung nach den Zusammenhalt. „Was wir uns noch mehr wünschen, sind Frauen in unserer Feuerwehr“, fügt Dieter Mordhorst hinzu. Aber die hätten oft das Vorurteil, dass sie den Aufgaben kräftemäßig nicht gewachsen sind. „Dabei gibt es außer der Schwerstarbeit so viel, was Frauen bei uns tun können: den Wagen fahren, das Funkgerät oder die Pumpe bedienen, Schläuche ausrollen, Personenbetreuung, die Liste ist lang, die Aufgaben sind vielfältig.“ Zurzeit sind fünf Frauen und 30 Männer in der Hörnumer Wehr aktiv. Mordhorst würde sich über mehr weibliche Unterstützung freuen.
Andreas Mayer war selbst 12 Jahre Jugendwart bei der Feuerwehr in Westerland, nun vertritt er die Interessen der Jugendfeuerwehren beim Kreis. Laut ihm sind die Mitgliederzahlen bei den Sylter Jugendfeuerwehren zwar leicht rückläufig, aber lange nicht so gravierend wie auf dem Festland. „Da geht es uns noch gut. Die Jugendwarte leisten hier sehr gute Arbeit.“ Zumindest in der Hauptsaison wird den jungen Feuerwehrleuten seiner Aussage nach an jedem Wochenende etwas geboten. Und es würden, wenn auch zögerlich, immer mehr Mädchen in die Wehren eintreten. „In Tinnum sind Jugendgruppenleiter sowie Stellvertreter Frauen. Das ist doch ein schönes Signal.“

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