Deichschau : Sylter Deiche – sicher, aber nicht perfekt

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Bei der Deichschau wurden gestern die Schutzwälle der Insel genau in Augenschein genommen.

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30. März 2017, 05:22 Uhr

Alljährlich im Frühjahr und Herbst nehmen Fachleute des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) gemeinsam mit Vertretern von lokalen Institutionen die Deiche der Insel in Augenschein. Auch in diesem Jahr war das Interesse wieder groß: Teilnehmer waren unter anderem „Deichgraf“ Björn Christiansen, Gabriele Gotthardt vom Ordnungsamt, Manfred Uekermann vom Landschaftszweckverband (LZV) sowie zahlreiche Grundstückseigentümer und Landwirte. Auch Bürgermeister Nikolas Häckel hatte sich angeschlossen.

Der LZV-Vorsitzende Manfred Ueckermann zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit dem Zustand der Sylter Deiche, hatte allerdings auch verschiedene Kritikpunkte: „Ich bin enttäuscht, dass die Lösungen zu einigen Probleme, die wir bereits in vergangenen Deichschauen angesprochen und auch protokolliert haben, bisher nicht umgesetzt wurden.“ Der Sylter CDU-Politiker spielt damit unter anderem auf die Morsum Odde an. Dieser Deich erstreckt sich in Ost-West-Richtung von der Sylter Ostspitze, östlich von Morsum bis hin zum Deich des Rantumbeckens südlich von Tinnum. „Gerade dort erleben wir schon länger eine Diskussion über die Entwässerung des Deichfußes, der immer noch im Wasser steht“, so Ueckermann. Das Wasser kann – behindert durch einen Sandwall – nicht abfließen, staut sich und dadurch wird der Boden marode und feucht und ist somit anfällig für Löcher und Vertiefungen, die die Deichsicherheit gefährden. „Im Protokoll ist das schon wiederholt aufgelistet worden, leider ist es aber wieder mal nichts geschehen“, ärgert sich Ueckermann, der es vor allem schade findet, „dass die Wertschätzung nicht so ist, wie wir uns das eigentlich vorstellen.“

Auch am Rantumer Inge-Deich werde noch auf Maßnahmen gewartet, so der LZV-Vorsitzende. „In Rantum geht es im Speziellen um den Katastrophenschutzweg. Dieser ist wichtig, wenn hier wirklich mal der Wasserstand so hoch ist, dass es zu einer Gefährdung kommt.“ In diesem Fall müssten die Einsatzkräfte den Wall gut erreichen können, um den Schutz wieder herzustellen. „Und das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegeben“, berichtet Ueckermann.

Diese beiden und noch weitere Sachverhalte wurden nach der gestrigen Deichschau erneut in das Protokoll aufgenommen. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass bestimmte Maßnahmen jetzt umgesetzt werden. Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass der Deichschutz dem Naturschutz untergeordnet wird. Der Küstenschutz kann nicht in dem Maße umgesetzt werden, wie es eigentlich notwendig wäre, da der Naturschutz so eine wichtige Rolle einnimmt.“

Auch Bürgermeister Häckel sprach den Konflikt zwischen Deichsicherheit und Naturschutz an: „Die Deiche sind unser Lebensraum und wir haben festgestellt, dass wir ein großes Problem haben, Deichschutz – und damit auch den Schutz unserer Ressourcen und Menschen – und Naturschutz miteinander zu vereinbaren“, so Häckel. „Der Naturschutz hängt in vielen Bereichen so hoch, dass wir schauen müssen, dass auch der Schutz der Insel und ihrer Bewohner eine ebenso große Wichtigkeit erhält. Da müssen wir mit den Ministerien mal ins Gespräch kommen. Es kann nicht sein, dass Naturschutz wichtiger ist als der Schutz unserer Insel.

Fabian Lücht, Fachbereichsleiter Betrieb- und Instandhaltung der Küstenschutz- und Hafenanlagen vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), war mit dem Zustand der Deiche zufrieden: „Die Deiche sind gut durch den Winter gekommen, wir hatten keine Sturmflutschäden und darüber freuen wir uns“, sagt er gegenüber der Sylter Rundschau und versprach: „Die Entwässerung im Bereich Nössedeich wird dieses Jahr im Rahmen der Unterhaltung wieder hergestellt. Auch an der Binnenseite ab Nössedeich haben wir ein paar Nass-Stellen und werden schauen, was die Ursache ist und das Problem beheben.“

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