Wahl-Niederlage für Pauli : Sylter Bürgermeisterwahl: Überraschend, aber klar und deutlich

Für Nicht-Sylter war Gabriele Pauli wohl lange die Favoritin. Doch es kam ganz anders. Ein Kommentar von Michael Stitz.

shz.de von
12. Januar 2015, 07:38 Uhr

Sylt | Bis zum Schluss wollte sich niemand festlegen, wer von den beiden Kandidaten das Rennen machen wird. Für Nicht-Insulaner mag bis zum Schluss Gabriele Pauli als Favoritin gegolten haben. Doch gerade die letzten öffentlichen Auftritte der prominenten Bayerin waren weniger überzeugend als die ihres Gegenspielers. Auch die allzu populistischen Wahlversprechen der ehemaligen Fürther Landrätin dürften ihr mehr geschadet als genutzt haben.

Ein Blick auf die einzelnen Wahlkreis-Ergebnisse lässt zudem den Schluss zu, dass viele CDU-Wähler sich für den von der SPD und der Sylter Wählergemeinschaft (SWG) unterstützten Kandidaten entschieden haben, nachdem ihr eigener Kandidat glücklos und nur mäßig von der Partei unterstützt, im ersten Wahlgang gescheitert war.

Am Ende haben die Sylter offensichtlich dem Inselkind Häckel mehr vertraut als der ehemals erfolgreichen, glamourösen Politikerin aus dem Süden der Republik. Sie hat es nicht verstanden, ihren anfänglichen Erfolg, die Kompetenz und Sympathie, die ihr auf der Insel in weiten Kreisen entgegen gebracht wurde, auszubauen und mit guten Auftritten und Argumenten zu bestätigen.

Die Gräben zwischen den Lagern der beiden Kandidaten waren in den letzten Tagen und Wochen tiefer geworden. Die Emotionen aufgeheizter. Und doch war es ein guter, in vielerlei Hinsicht fairer Wahlkampf, den die Sylter in den vergangenen Monaten beobachten und begleiten konnten.

Die erstaunliche bundesweite Medienpräsenz, die die Insel durch die Kandidatur von Gabriele Pauli erlebte, hat mehr gebracht als nur boulevardeske Schlagzeilen und die Verbreitung der Sylter Probleme. Sie hat auch dazu geführt, dass die Insel als ein menschlicher und als ein besonders wertvoller Ort wahrgenommen wurde.

Das Ringen der Sylter um bezahlbaren Wohnraum, eine Geburtenstation und einen verträglichen Tourismus wurden durch diesen Wahlkampf zum Thema, das scheinbar ganz Deutschland mit wohlmeinendem Interesse verfolgt. Auch das ist ein Wahlerfolg! Jetzt muss Nikolas Häckel beweisen, dass er die Probleme zielgerichtet angeht.

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