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Craft-Beer made in SH : Sylter Bier aus der Milchküche: Christoph Knorr braut das Sørfers

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In Braderup auf Sylt produziert Christoph Knorr drei Bier-Sorten. Zu Besuch bei einem der nördlichsten Bier-Sommerliers Deutschlands.

Sie ist wohl eine der kleinsten Mikro-Brauereien Deutschlands: Nur knapp zwölf Quadratmeter groß ist die alte Milchküche auf dem Bio-Bauernhof von Familie Dethlefs in Braderup. Für Christoph Knorr erfüllt sie aber alle Voraussetzungen. Um sein Bier „Sørfers“– benannt nach seiner Leidenschaft, dem Surfen – zu brauen, benötigt der 33-Jährige bisher noch nicht viel Platz.

Mit seiner Sylter Micro-Brauerei erfüllt er sich einen Traum: Handwerklich und in Kleinauflage stellt er in dem kleinen Raum seine Biersorten her. Drei unterschiedliche hat er im Programm: das Stout „Westwind“, das Pale Ale „Moin Moin“ und das Lager „Badezeit“. Letzteres ist allerdings ein Gemeinschaftsprojekt mit einem befreundeten Bierbrauer vom Festland, wird dort hergestellt und auf Sylt abgefüllt.

Mit seiner Geschäftsidee liegt Knorr, der eigentlich freiberuflicher Kameramann ist, voll im Trend: Deutschlandweit tauchen immer mehr Mikro-Brauereien auf der Bildfläche auf – vor allem in den Großstädten. Bier wird dort nicht einfach gebraut, sondern „handwerklich“ hergestellt. Daher auch der Name: „Craft Beer“, zu Deutsch „Handwerk“.


Seine Freunde sagten: „Da musst du was draus machen“

In 70er-Jahren entstand der Trend in den USA, in Deutschland kam er vor etwa zehn Jahren an. Abseits des Massengeschmacks hat sich in den letzten Jahren auch in Schleswig-Holstein eine alternative Bierbrau-Szene etabliert. shz.de zeigt auf einer Karte, wo im Land Bier von Hand gemacht wird.

„Im Grunde werden alte Bier-Sorten neu entdeckt und interpretiert“, erklärt Knorr, „denn Bier kann nach so viel mehr schmecken als einfach nur bitter. Craft-Biere sind eine Welt für sich und mit dem herkömmlichen Bier überhaupt nicht vergleichbar.“ Und in der Tat mischt der Craft-Beer-Trend Deutschlands Bierregale mächtig auf: Auch große deutsche Brauereien wie Becks haben ein Pale Ale in ihr Sortiment aufgenommen. „Allerdings wird dort das Bier in Massen abgefüllt“, so Knorr, „richtige Craft-Biere sind das daher auch nicht.“

Der ehemalige Kampener Rettungsschwimmer weiß, wovon er redet. Bereits seit 2012 braut er in seiner Freizeit Bier, 2014 machte er dann in München und Österreich eine Ausbildung zum Bier-Sommelier. „Da musst du was draus machen“, haben ihm seine Freunde immer wieder gesagt. Bei ihnen sind Knorrs Bier-Kreationen mit den unterschiedlichen Geschmacksrichtungen schon lange der Renner. Denn das Besondere am Craft-Bier sind eben diese unterschiedlichen Geschmäcker. Sie entwickeln sich durch die Herstellung: Mit der Technik des „Hopfenstopfens“ durch Aromahopfen gelangen ätherische Öle des Hopfens in das Bier und erzeugen so eine besondere Fruchtigkeit. „Aus meinem Pale Ale schmeckt man zum Beispiel Grapefruitschale, Zitrusfrüchte und Waldhonig heraus“, sagt der frischgebackene Vater, „und das Stout hat deutliche Kaffee- und Schokoladenaromen sowie einen Hauch von Haselnuss.“

Getrunken werden diese Biere auch nicht aus einem Humpen oder einer Tulpe, sondern aus speziellen Stout- oder Pale-Ale-Gläsern, die eher einem Weinglas ähneln als einem Bierkrug. Und auch die Herstellung in einer Mikro-Brauerei unterscheidet sich von der in den großen Brauereien: Knorrs Biere sind weder gefiltert, stabilisiert und pasteurisiert. „Sørfers ist ein Frischeprodukt“, erklärt der Bierbrauer, „es hat also auch eine verkürzte Haltbarkeit. Nach dem Tag der Abfüllung gekühlt ungefähr sechs Wochen.“

 

Große Mengen produziert Knorr bisher nicht: Ein Sud seines Bieres umfasst gerade mal 50 Liter. Minus Brauverluste entsteht so nach ungefähr sechs Wochen eine limitierte Auflage von etwa 120 Flaschen à 0,33 Liter pro Sud. Und auf jede einzelne dieser Flaschen ist Knorr stolz, befüllt jedes Exemplar eigenhändig, verkorkt und etikettiert sie und stempelt den Haltbarkeitsstempel auf. „Das ist schon ganz schön viel Arbeit. Für eine Kiste mit 24 Flaschen brauche ich etwa 1,5 Stunden“, erzählt er, „aber mein Traum war es immer, ein eigenes Inselbier herzustellen“. Allerdings hat das auch seinen Preis: Für eine kleine Flasche bezahlt der Kunde ungefähr das doppelte wie für ein herkömmliches Pils. „Allerdings können viele diesen Preis nachvollziehen, wenn ich erkläre, dass es sich dabei um viel mehr als ‚nur‘ ein Pils handelt.“

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erstellt am 15.Aug.2015 | 05:52 Uhr

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