Wenningstedt : Sylter Beachrestaurant „Wonnemeyer am Strand“ schließt am 1. Januar

<p>Seit 20 Jahren steht das Restaurant „Wonnemeyer“ auf Pfählen am Wenningstedter Strand, nun soll es abgerissen werden.</p>
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Seit 20 Jahren steht das Restaurant „Wonnemeyer“ auf Pfählen am Wenningstedter Strand, nun soll es abgerissen werden.

Weil der Pachtvertrag nur für vier Jahre verlängert werden sollte, sehen sich die Betreiber gezwungen, das beliebte Beachrestaurant abzureißen.

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29. Dezember 2017, 16:52 Uhr

Wenningstedt | Die Nachricht kam mitten in der Nacht auf Freitag: In einer Presseinformation von 2.38 Uhr, die umgehend auch über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde, teilten die Betreiber von „Wonnemeyer am Strand“ mit, dass sie ihr bekanntes und besonders bei Urlaubern beliebtes Sylter Beachrestaurant bereits zum 1. Januar schließen werden. Noch Anfang September 2016 hatten Britta Wonneberger und Rüdiger Meyer gegenüber der Sylter Rundschau erklärt: „Nichts ist mit Vorruhestand oder sogar Aufgeben, von wegen – wir gehen mit Volldampf in die nächsten 20 Jahre. Mit dieser Nachricht wollen wir allen Gerüchten den Wind aus den Segeln nehmen, ‚Wonnemeyer am Strand‘ würde bald für immer geschlossen.“ Nur zwei Tage später jedoch bezeichnete Wenningstedts Bürgermeisterin Katrin Fifeik dies als einen „Bericht aus dem Reich der Märchen“. Sie verwies darauf, der Vertrag mit der Gemeinde würde zum 31. Dezember 2017 auslaufen und Mitte dieses Jahres solle ein Ausschreibungsverfahren über das Objekt stattfinden, an dem sich die Strandrestaurant Wonnemeyer GmbH & Co. KG – wie andere neue Interessenten auch – um eine Verpachtung bewerben könne.

Warum es zu dem überraschenden Entschluss kam, das Beachrestaurant auf der hölzernen Plattform direkt an der Nordseeküste jetzt doch zu schließen, erläutert Meyer wie folgt: „Als wir vor 20 Jahren von der Gemeinde Wenningstedt-Braderup ein Stück Strand gepachtet haben, war damit die Genehmigung verbunden, an dieser Stelle ein Restaurant mit Strandsauna auf eigenes Risiko und mit eigenen Mitteln errichten zu dürfen. ‚Wonnemeyer‘ hat sich im Laufe der Jahre sehr erfolgreich entwickelt – trotz langer Fusswege durch die Dünen, ohne Parkplatz vor dem Haus und trotz logistischer Herausforderungen durch die exponierte Lage. Wir hatten gute Jahre, aber auch Jahre mit Regen von Mai bis September oder solche wie 2013, als Orkan Xaver am 6. Dezember erhebliche Schäden anrichtete, oder Oktober 2014, als uns ein Brandschaden für fünf Monate lahm legte.“

All dies sei jedoch mit eigenen Mitteln bewältigt worden und mit den Töchtern Carla, Merete und Linda sowie künftigem Schwiegersohn Boris stünde schon die nächste „Generation Wonnemeyer“ bereit. Doch die 20 Jahre hätten auch ihre Spuren hinterlassen; die „Strandbude“ brauche dringend eine Kompletterneuerung, um auch in Zukunft Wind und Wasser trotzen zu können. Die Liste reiche von den Pfählen, auf denen das Restaurant steht, bis zum Dach. „Dies war vorhersehbar und eine geplante Investition in die Zukunft. Zur Umsetzung liegen alle Angebote vor und die Aufträge könnten im Januar vergeben werden“, so Meyer weiter. „Auch diese Investitionen würden wir wieder ohne wirtschaftliche Beteiligung der Gemeinde oder des Tourismusservice tragen.“ Ebenso absehbar sei aber auch gewesen, dass der Pachtvertrag zum Jahresende ausläuft. „Deshalb bemühen wir uns seit über einem Jahr um eine Pachtverlängerung, die notwendig ist, um unseren Plänen Taten folgen zu lassen. Von der Gemeinde erhielten wir das Angebot einer Verlängerung um vier weitere Jahre“, berichtet Meyer. „Dieser Zeitraum und die seitens der Gemeinde geforderten Konditionen reichen leider bei weitem nicht aus, um die erforderlichen Investitionen wirtschaftlich zu tragen. Bis zum heutigen Tag haben wir diesbezüglich mit der Gemeinde verhandelt – leider jedoch ohne Erfolg.“

Weil es auf dieser Basis nicht möglich wäre weiterzumachen, bleibe den Betreibern „nichts anderes übrig, als unser Restaurant in den kommenden Wochen abzureißen und der Gemeinde ein besenreines Grundstück zu übergeben.“ Außer einem kleinen Teil der Plattform mit dem Zugang zum Strand inklusive Kurkarten-Kontrollhäuschen sowie dem Bereich der öffentlichen Toiletten sollen sämtliche Bauten entfernt werden, kündigte Meyer an. Doch die treuen Wonnemeyer-Gäste sollten nicht traurig sein, denn weiter gehe es in der Lister Weststrandhalle, die das Familienunternehmen seit Ostern 2017 offiziell übernommen habe.

Aus Sicht des für Wenningstedt zuständigen Tourismus-Service (TSWB) stellt sich der Sachverhalt bezüglich „Wonnemeyer am Strand“ jedoch anders da: Nachdem es im Verlauf des Jahres viele Gespräche und Verhandlungen zwischen TSWB und Meyer über eine Vertragsverlängerung gegeben habe, hätte der Pächter nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub am 21. dezember dem TSWB überraschend mitgeteilt, dass er die unterschriftsreife Vertragsergänzung aufgrund von Personalproblemen und aus wirtschaftlichen Überlegungen doch nicht unterzeichnen wolle. Weil Rüdiger Meyer die von der Gemeinde angebotene Laufzeit der Vertragsverlängerung von vier Jahren öffentlich kritisiert habe, weist Tourismusdirektor Henning Sieverts auf Folgendes hin: „Der TSWB sieht sich rechtlich gehalten, die Verpachtung regelmäßig in einem fairen Wettbewerb zu vergeben, wobei sich der bisherige Pächter natürlich erneut bewerben kann. Im Hinblick auf die persönliche Situation des Pächters war der TSWB zu einer Ausnahme hiervon bereit, die aber nur für einen überschaubaren Zeitraum in Betracht kam.“ Ohne jede Rechtspflicht dazu hätte der TSWB ein nach seiner Auffassung wirtschaftlich faires und für den derzeitigen Pächter tragfähiges Angebot für eine „ausschreibungsfreie“ Verlängerung unterbreitet. Mit den Konditionen hätte sich Meyer auch inhaltlich schon Anfang November einverstanden erklärt, es habe nur noch die rechtsverbindliche Umsetzung ausgestanden. Dazu sei es nun – aus Sicht des TSWB überraschenderweise – nicht gekommen. Weitere Einzelheiten wollte der Tourismus-Service „wegen der Vertraulichkeit der Gespräche und zum Schutz persönlicher Belange des Pächters“ jedoch nicht nennen.

Zur Zukunft des Objekts am Strand sagte Henning Sieverts: „Der Tourismus-Service wird die Podestanlage erneuern und für die Saison 2018 eine Interimslösung zur Versorgung des Strandbereiches organisieren. Für die Jahre ab 2019 erfolgt im Lauf des kommenden Jahres die Auswahl eines neuen Pächters im Wege des öffentlichen Wettbewerbes.“ Weitere Einzelheiten würden im Verlauf des Frühjahres 2018 bekanntgegeben.

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