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Kult-Lokal vor dem Aus? : Sylter Bambus-Bar in Gefahr

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wolfgang Gdanietz übernahm die legendäre Lister Bushaltestelle von seinem verstorbenen Bruder Bambus Klaus – nun droht das Aus.

Eigentlich sei es ja klar gewesen, dass es mit der Bambus-Bar nicht ewig weiter gehen wird, sagt Wolfgang Gdanietz. Der große Bruder des im November 2011 verstorbenen Bambus-Klaus wollte die legendäre Bushaltestelle am Lister Weststrand gemeinsam mit seiner Frau eigentlich nur noch für einen weiteren Sommer betreiben. Das hatte er Klaus, der die Bar im Niemandsland auch durch seine legendären Vollmondparties deutschlandweit berühmt gemacht hat, damals am Sterbebett versprochen. Nach der ursprünglichen Planung wäre die Bambus-Ära also schon im vergangenen Herbst vorbei gewesen. Doch die positiven Reaktionen der Gäste hätten ihn und seine Frau darin bestärkt, die Bambus-Bar erst einmal weiter zu betreiben: „Eigentlich würden wir auch im kommenden Jahr gern noch hier sein“ – dann hätte es die Bambus-Bar genau 30 Jahre gegeben.

Doch zumindest auf dem Papier sieht es nicht danach aus: Der Pachtvertrag der Bambus-Bar mit der Gemeinde List läuft in diesem Herbst aus, und die Gemeinde plant, das gesamte Gebiet rund um den Lister Weststrand umzugestalten – mit einem neuen Kiosk, einer neuen Strandkorbhalle und einem zusätzlichen Parkplatz, für den die Bambus-Bar weichen müsste.

„Solche Pläne gab es ja schon zu Klaus’ Zeiten“, weiß Gdanietz. Doch dass es jetzt ernst werden soll, findet er schade: „Nachdem unsere erste Zeit auf Sylt durch Klaus’ Tod eher schwierig war, haben wir uns jetzt richtig auf die Insel gefreut. Und dann kommt so eine komische Nachricht.“ Seine Frau Elli Vogel-Gdanietz drückt ihre Enttäuschung deutlicher aus: „Ich glaube, das ist eine Fehlentscheidung. Sylt tut sich keinen Gefallen, wenn gewachsene Institutionen wie die Bambus-Bar verschwinden.“ Viele ihrer Gäste würden den Backstein-Kiosk gerade deshalb so schätzen, weil es einer der ganz wenigen Orte auf Sylt sei, „wo sich in den letzten Jahrzehnten einfach nichts geändert hat“, sagt Wolfgang Gdanietz und blickt auf das Ensemble der Gartenmöbel, auf denen seit 29 Jahren Urlauber und Sylter die Ruhe und diesen ganz speziellen „Bambus-Spirit“ genießen. In dieser Sylter Bar, darauf ist das Ehepaar stolz, geht es nicht ums Sehen und Gesehen werden – die Bambus-Bar ist vielleicht der entspannteste Ort der Insel. „Jetzt muss alles größer, höher, besser werden“, fügt Gdanietz auch im Hinblick auf die angedachte neue Strandversorgung in List hinzu. „Ich könnte jetzt anfangen, Unterschriften für den Erhalt der Bambus-Bar zu sammeln – aber was bringt das? Da bin ich Realist.“

Ob Unterschriftenaktionen wirklich nötig sind, ist ohnehin nicht ganz klar: Während Lists Bürgermeister Wolfgang Strenger Ende Februar betonte, Ende dieser Saison sei Schluss, die Bambus-Bar habe durch den Tod von Klaus ohnehin ihre Seele verloren, klingt er nun durchaus aufgeschlossener, dass es ein weiteres Bambus-Jahr geben könnte: Auch, weil er es schlicht für unrealistisch hält, dass die geplanten Baumaßnahmen am Weststrand so schnell umgesetzt werden können.

Wie es auch kommen mag – Gdanietz freut sich auf den Sommer auf Sylt, auf viele alte und neue Gäste und besinnliche Vollmondnächte am Ellenbogen. Große Partys wie zu Klaus’ Zeiten, in denen der Bar-Betreiber auf dem Dach seinen Schlager „Ich bin so gerne auf Sylt“ schmetterte, gibt es bei ihm nicht: „Der Typ für Großveranstaltungen bin ich einfach nicht“, sagt er. „Obwohl – wenn es mit der Bambus-Bar wirklich zu Ende gehen sollte, dann würde es ganz eventuell doch eine Abschiedsparty geben.“ Vielleicht haben Wolfgang Gdanietz und seine Gäste ja noch ein bisschen Zeit, sich seelisch auf so eine Fete vorzubereiten.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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