Lärm-Beschwerde in Westerland : Sylt zwischen Partymeile und Ruhezone

Bei der Oasenparty feierten viele Menschen friedlich zusammen, bis die Polizei aufgrund einer Anzeige wegen Ruhestörung die Veranstaltung beendete.
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Bei der Oasenparty feierten viele Menschen friedlich zusammen, bis die Polizei aufgrund einer Anzeige wegen Ruhestörung die Veranstaltung beendete.

Eine Anzeige wegen Ruhestörung beendete eine Party in der Strandoase vorzeitig. Damit wird eine alte Diskussion auf der Insel neu entfacht. Die Polizei ruft zu Toleranz auf.

shz.de von
08. Juli 2015, 12:45 Uhr

Das Ende der Sommer-Party kam für viele Gäste überraschend: Am vergangenen Sonnabend ging in der Strandoase in Westerland um kurz vor zwei Uhr morgens plötzlich die Musik aus und das Licht an. Die Gäste mussten – teilweise enttäuscht und verärgert, weil sie zehn Euro Eintritt gezahlt hatten – wieder den Weg nach Hause antreten.

Eine Lärm-Beschwerde aus der Nachbarschaft der Oase war Grund für den Einsatz. Auf der Insel nichts Neues: Vor allem in den Sommermonaten häufen sich die Polizeieinsätze, weil sich Menschen über Lärm beschweren. Und immer wieder treffen dabei ruhesuchende Urlauber und feiernde Touristen unschön aufeinander.

Im Fall der Oasenparty erklärten die Beamten vor Ort die Party schließlich für beendet. „Um 1 Uhr morgens kamen zwei Polizisten“, sagt Udo Sonnleitner, Geschäftsführer der Oase, „ich habe mich zunächst mit ihnen geeinigt, die Musik runter zu drehen.“

Allerdings seien die Polizisten nach etwa 20 Minuten und einem zweiten Anruf von gleicher Stelle wieder da gewesen, erzählt der Gastronom. „Sie haben plötzlich nicht mehr mit sich reden lassen. Wie ich jetzt erfahren habe, steht im Polizeibericht, dass wir die Musik wieder hochgedreht hätten, aber das stimmt nicht.“

Der Party-Abend war zu diesem Zeitpunkt vorbei, die Beamten drohten laut Sonnleitner mit einer satten Strafe und dem Einzug der Anlage. „Die Party war sehr gut besucht“, sagt Sonnleitner, „alle hatten Spaß, alles war friedlich – und dann schafft es einer, mit zwei Anrufen alles zu beenden.“ Er fragt sich: „Wo sollen wir denn noch feiern gehen? Sylt muss doch auch für junge und junggebliebene Gäste weiter attraktiv bleiben.“

Die Diskussion ist nicht neu: Für Großveranstaltungen am Brandenburger Strand wurde 2013 nach einer Reihe von Beschwerden der Kompromiss getroffen, dass nur an einem Abend (Freitag oder Sonnabend) ein musikalisches Bühnenprogramm stattfinden darf, welches um 22 Uhr mit dem Bühnenabbau beendet sein muss (wir berichteten).

Die letzten Beschwerden über Lautstärke an der Strandpromenade gingen bei der Veranstaltung „Muschelrock“ Ende Juni dieses Jahres ein. „Die Polizei kam das erste Mal schon während des Soundchecks“, sagt Stefan Lorenzen vom Verein Sylter Bands, der das Event organisierte. „Das bereitet schon Bauchschmerzen, denn keiner hat es ja gern, wenn die Polizei kommt.“ Lorenzen kennt die Beschwerden allerdings schon aus den vergangenen Jahren. „Bei Konzerten abseits des klassischen Kurkonzert-Kalenders ist das wohl normal“, sagt er enttäuscht. Abgebrochen wurde die Veranstaltung im Gegensatz zur Oasenparty jedoch nicht.

Peter Douven, Geschäftsführer des ISTS betont, dass es auf Sylt auch Partyangebote geben muss. „Neben Naturliebhabern gibt es seit jeher viele insulare Gäste, die die Gastronomie besuchen und Spaß erleben wollen“, erklärt er. „Dies ist ein ebenso typischer Urlaubsanspruch, wie im Watt zu wandern oder die Ruhe zu suchen“. Diese unterschiedlichen Interessen gelte es angemessen zu berücksichtigen. „Der Schlüssel zur Lösung liegt in gegenseitiger Toleranz, ohne diese unangemessen auszunutzen.“

Die Polizei will sich nicht zum Fall in der Oase äußern. Grundsätzlich prüfen sie aber bei jeder Anzeige einer Lärmbelästigung, ob eine Ruhestörung vorliegt. „Vor Ort liegt es dann im Ermessen der Beamten, ob es bei einer Ermahnung bleibt oder ob es – meist nach einer weiteren Beschwerde – zur Beendigung der Veranstaltung kommt“, sagt der Sylter Polizeichef Haye Jebsen.

Gerade die gemeldeten Ruhestörungen in einem Touristenort seien aber auch für die Beamten ein sensibles Thema, bestätigt er. Durch die enge Bebauung, vor allem in Westerland, würden Party- und Ruhefreunde auf engstem Raum miteinander zusammenleben, wenn auch nur für den Urlaub. Da seien gegenseitige Toleranz und Akzeptanz wichtig, findet der Polizeichef – und vielleicht auch etwas mehr Gelassenheit.

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