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Flüchtlingsunterkünfte : Sylt will Flüchtlinge nun in Containern unterbringen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bürgermeister Nikolas Häckel und Ordnungsamts-Chefin Gabriele Gotthardt empfehlen Anschaffung mobiler Einheiten. Kommenden Donnerstag muss die Politik darüber entscheiden.

Neue Marschrichtung in Sachen Unterbringung von Flüchtlingen auf Sylt: Nach den amtsangehörigen Gemeinden spricht sich jetzt auch die Ordnungsbehörde der Insel für eine vorrangige Unterbringung in Containern aus – oder, korrekter ausgedrückt, in „mobilen Einheiten“. In ihrem Sachstandsbericht zum Thema Asyl am Dienstagabend im Hauptausschuss hat Amtsleiterin Gabriele Gotthardt den Gemeindevertretern eindringlich empfohlen, sich entgegen der bisherigen Beschlüsse für diese Variante zu entscheiden.

Auf der letzten Sitzung des obersten Gremiums im Jahr 2015 am kommenden Donnerstag steht die Entscheidung zur konzeptionellen Ausrichtung bei der Flüchtlingsunterbringung ganz oben auf der Tagesordnung.

Der Anlass für den Appell der Ordnungsamtsleiterin: Aktuell leben exakt 189 Flüchtlinge auf der Insel. In den nächsten fünf Monaten wird monatlich mit zirka 50 weiteren Personen gerechnet, also ein Plus von 250 Flüchtlingen. „Bis März, April reichen die Wohnkapazitäten zwar noch aus“, sagte Gotthardt. „Vor allem durch die KLM-Wohnungen haben wir einen guten Puffer.“ Aber dann würde es eng, denn bis Ende 2016 sollen die Zahlen auf 650 bis 800 steigen. Nicht nur deshalb, sondern auch, um für einen nicht kalkulierbaren „richtigen“ Krisenfall aufgestellt zu sein, müssten die auf Sylt zuständigen Behörden aber mindestens zwei, drei Schritte im Voraus planen.

Die vom Hauptausschuss der Gemeinde Sylt bisher mit Priorität Eins favorisierte Nutzung des Jugendaufbauwerks (JAW) in Hörnum hat nach Gotthardts Einschätzung entscheidenden Nachteile. Die Investitionskosten von zirka einer Million Euro seien zu hoch, die Anzahl der dort unterzubringenden Personen mit maximal 84 zu begrenzt. Die Kontingente mobiler Unterkünfte dagegen seien aufstockbar – „Das wäre ein Weg, der nach oben offen ist“, so Gotthardt.

Nikolas Häckel untermauerte mit Nachdruck die Argumentation seiner Ordnungsamtsleiterin. „Das Gebäude des Jugendaufbauwerks wäre zwar schon ab 1. Januar 2016 nutzbar, aber es gibt zu viele Unklarheiten“, so der Bürgermeister der Gemeinde Sylt. „Eine Million Euro für nur 84 Personen, dann kommt irgendwann der Abriss und alles ist in den Sand gesetzt.“ Häckels Vorschlag: „Statt JAW für eine Million besser sofort auf mobil gehen.“ Auch Carsten Kerkamm (CDU) schlug vor, baldmöglich konkrete Angebote für mobile Einheiten einzuholen und dann schnell zu klären, wo diese aufgestellt werden können. „Wir sollten die erste Priorität auf diese Lösung legen“, sagte der Vorsitzende des Hauptausschusses. „JAW kann ja parallel weiter verhandelt werden. Wichtig ist, das jetzt was passiert.“

Über die möglichen Standorte wurde bereits im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung diskutiert. Danach verlautete lediglich, dass dafür ein gemeindeeigenes Grundstück sowie verschiedene Landesliegenschaften in Frage kämen. Ob darüber hinaus auch Sylter Privateigentümer geeignete Flächen für mobile Einheiten zur Verfügung stellen können und wollen, ist bisher unklar.

Ebenso unklar ist derzeit, welche Institution der Gemeinde für die Anschaffung, Aufstellung und Betreuung der mobilen Einheiten zuständig sein soll. Horst Kompalka, der stellvertretende Betriebsleiter des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM), verwies auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern auf fehlende personelle Ressourcen: „KLM macht eigene Wohnungen fertig, KLM kümmert sich um Verträge für andere Objekte, KLM kümmert sich auch ums JAW“, so Kompalka. „Parallel noch Container planen und uns darum kümmern, das schaffen wir definitiv nicht.“

Als temporäre Einheiten für Flüchtlingsunterkünfte kommen sowohl klassische Wohncontainer als auch schnell aufbaubare Kompakthäuser in Frage. Wenningstedts Bürgermeisterin Katrin Fifeik hatte sich bereits im Amtsausschuss darüber beklagt, dass sie der Verwaltung bereits vor zwei Monaten einen Anbieter solcher Häuser genannt, aber noch immer keine Rückmeldung erhalten habe. „Stattdessen werden Flüchtlinge in Abbruchhäusern in KLM-Wohngebieten untergebracht. Das ist für mich einfach unglaubwürdig“, sagte Fifeik gegenüber der Sylter Rundschau. „Das ärgert mich umso mehr, wenn ich jetzt erfahre, dass die Gemeinde Sylt doch umschwenken will.“

In Kompakthäusern könnten jeweils sechs bis acht Personen untergebracht werden, so die Bürgermeisterin. Baurechtlich seien sie als „fliegende Bauten“ eingestuft. Über eine befristete Baugenehmigung dürfen sie für zehn Jahren auch in Außenbereichen errichtet werden. „Wir könnten die Häuser entweder kaufen, aber auch mieten“, erklärt Katrin Fifeik. „Und wenn sie zur Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr benötigt werden, gibt es auf der Insel sicher andere Verwendungsmöglichkeiten.“

Außer dem JAW und den mobilen Einheiten werden laut Gabriele Gotthardt aber auch Optionen in mehreren Inselorten wie das Haus Budersand, die ehemalige Grundschule in Morsum oder das TSV-Heim in Westerland weiter verfolgt. Eindeutig vom Tisch dagegen seien allerdings das Offiziersheim in List und auch das Haus Quickborn.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 18:36 Uhr

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