Konflikt in der Feuerwehr : Sylt: Wehrvorstand wirft Politikern Mobbing vor

Westerlands  Wehrführer Jörg Elias ist gefrustet. Die Kommunalpolitik ist es auch.
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Westerlands Wehrführer Jörg Elias ist gefrustet. Die Kommunalpolitik ist es auch.

Ein Brief sorgt für Aufregung: Die Westerländer Wehrführung wirft Politikern Mobbing und ein „schmutziges Spiel“ vor. Kommunalpolitiker fordern eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Wehrführer.

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15. März 2014, 06:00 Uhr

Sylt | Die Konflikte innerhalb der Feuerwehren der Gemeinde Sylt haben einen neue Eskalationsstufe erreicht. In einem Brief an die Bürgermeisterin und die Gemeindevertreter der Gemeinde Sylt wirft die Wehrführung der Westerländer Feuerwehr Kommunalpolitikern Mobbing vor, außerdem würden sie in einem „schmutzigen Spiel mit der Sicherheit der Inselbevölkerung“ spielen. Kommunalpolitiker fordern eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Westerländer Wehrführer Jörg Elias.

Was war geschehen? In einem vierseitigen Schreiben beschwert sich die Westerländer Wehr über verschiedene Punkte. Hintergrund ist unter anderem die Debatte, ob der Westerländer Wehr die Wasserrettung zugesprochen werden soll. Dies hatte der Gemeindewehrvorstand in seiner jüngsten Sitzung abgelehnt. In dem Brief heißt es, dass sich Mitglieder des Gemeindewehrvorstands sachlichen Argumenten verschließen würden, diese „ohne Berücksichtigung des Allgemeinwohls an einer durch blinde Missgunst aufgebauten Wand aus Ignoranz“ an sich abprallen lassen würden. Neben Argumenten, warum die Wasserrettung trotz der Entscheidung des Gemeindewehrvorstand bei der Westerländer Wehr angesiedelt werden sollten, wird in dem Brief eine allgemeine „erschreckende Entwicklung“ seit der Gemeindefusion thematisiert: Andere Wehren sähen die Westerländer Wehr als „Feindbild“, Politiker, die in den anderen Ortswehren aktiv sind, würden dies fördern. Der aggressiv-anklagende Ton des Schreibens wird auch beim Thema Sabotage, die am Neubau der Westerländer Wehr und an Fahrzeugen statt gefunden hat, bemüht: „Sind die wahren Täter nur die Dumpfbacken, die Hand anlegen, oder diejenigen, die tagtäglich den ideellen Weg zu solchen Taten mit immer wieder neuen Verbalattacken ebnen?“

Mario Pennino, selbst in der Keitumer Wehr aktiv, fühlt sich wie andere in Ortswehren aktiven Kommunalpolitiker von diesem Schreiben angesprochen und beleidigt: „Solche Äußerungen ziemen sich für einen Ehrenbeamten nicht.“ Während der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt in jüngster Sitzung entschied, Wehrführer Elias dazu aufzufordern, die „ehrverletzenden Äußerungen“ zurück zu nehmen, erwartet Pennino eine Entschuldigung. „Ansonsten muss man prüfen, ob man nicht eine Dienstaufsichtsbeschwerde einlegt.“ Dem schließt sich auch Gemeindeverteter Mathias Lauritzen (SPD) an. Der in Morsum aktive Feuerwehrmann findet: „Es kann passieren, dass jemand so etwas in emotionaler Stimmung äußert. Aber dass so etwas schriftlich festgehalten und vom Wehrvorstand unterschrieben wird, kann ich nicht nachvollziehen.“ Auch der Feuerwehrmann und Gemeindevertreter Frank Zahel (CDU) ist betroffen: „Es ist ganz schlimm, dass andere ehrenamtlich Tätige wie Gemeindevertreter so beleidigt werden.“

Jörg Elias selbst möchte sich im Moment nicht detailliert zum Schreiben äußern. Nur so viel: Ehrverletzende Äußerungen werde man zurücknehmen, den Brief selbst nicht: „Es ist ein Frustschreiben.“ Frust über die langwierige Debatte, ob die Sylter Wasserrettung offiziell der Westerländer Wehr zugesprochen wird. Frust über die Kritik aus der Politik zur Kostensteigerung beim Neubau der Westerländer Feuerwache.

Pennino würde den Grund für den Frust anders verorten: „Die Westerländer Wehr war es vor der Fusion gewohnt, alles zu bekommen, was sie wollte. Das war im ehemaligen Sylt-Ost anders, da war man nicht so freigiebig.“ Jetzt sei es seit der Gemeindefusion nicht gelungen, die Erwartungshaltung der Wehren anzugleichen: „Nun soll die Westerländer Wehr nicht besser oder schlechter behandelt werden, als die anderen Inselwehren, sondern gleich.“ Bürgermeisterin Petra Reiber dagegen kann den Frust der Westerländer Wehr verstehen, die Aufregung der verärgerten Politiker weniger: „Es werden in dem Schreiben doch keine Namen genannt.“ Zudem halte sie das Agieren „einiger SWG-Politker“, die Ortswehren angehören, welche sich gegen die Ansiedlung der Wasserrettung bei der Westerländer Wehr aussprechen, für fragwürdig: „Wenn sie gleichzeitig in diesen Wehren aktiv sind und in der Gemeindevertretung dazu entscheiden, sind sie moralisch befangen.“ Sie hofft, dass die Entscheidung der Gemeindevertretung am kommenden Donnerstag als Schlussstrich unter die leidige Debatte über die Wasserrettung gesehen wird. Und das sich die Gemeindewehren danach zu einem gemeinsamen Neuanfang entschließen können. „Ich hätte es als Zeichen für einen Neuanfang gesehen, wenn der Inhalt dieses Schreibens zurück genommen worden wäre“, sagt Frank Zahel. Doch auch er glaubt, dass eine gemeinsame Zukunft der Ortswehren möglich ist – möglich sein muss: „Es geht bei uns Feuerwehrleuten eigentlich ums Retten, Löschen, Bergen. Das vermisse ich etwas.“

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