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Petra Reiber : Sylt war meine „wichtigste Zeit“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Petra Reiber über den bevorstehenden Abschied von der Insel, die sie geprägt hat und von der sie geprägt wurde.

Fast ein Vierteljahrhundert hat Petra Reiber die Sylter Politik geprägt. Begonnen hat sie als junge Frau aus Nordbayern, die sich Sitzungen auf Platt anhören musste. Nun nimmt sie Abschied von der „wichtigsten Zeit“.Westerland/Sylt (dpa) - Der Anfang war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Aus Mainfranken an die Nordsee - „da gibt's auch Kulturunterschiede“, schmunzelt Petra Reiber bei der Erinnerung an ihren Start als Bürgermeisterin der damals noch unabhängigen Stadt Westerland auf Sylt im Jahr 1991.Zu Beginn fand sich die Parteilose, damals Anfang 30, in Sitzungen wieder, in denen Friesisch und Platt gesprochen wurde, „weil man wusste, das ich das nicht verstehe“. Ihr zuliebe stiegen die Einheimischen dann doch auf Hochdeutsch um. Inzwischen ist sie im 24. - und letzten - Jahr und eine Art ungekrönte Königin von Sylt. Erst als Bürgermeisterin von Westerland, dann von Sylt, wie die Gemeinde, in der Westerland aufging, seit 2009 heißt.Selbst die Jüngsten haben diesen Status verinnerlicht, wie eine Anekdote beweist. Die passionierte Reiterin Reiber begibt sich gerne mal zu Pferde durch ihre Gemeinde, fast unerkannt.

Doch nach einem Ausritt sprach sie eine Frau an und fragte, ob sie durch eine bestimmte Straße geritten sei. Reiber bejahte, und die Frau erzählte, ihr Enkel habe die Bürgermeisterin beobachtet und gerufen: „Oma, da reitet Frau Merkel!“Im Frühjahr 2015 wird ihr Nachfolger sie ablösen. Bei den Wahlen im Dezember wird Reiber Zuschauerin sein. Von „Verschleiß“ spricht sie, tagsüber Büro, abends Sitzung, am Wochenende Repräsentationstermine.

Hinzu kommt seit fast 16 Jahren eine Wochenendbeziehung.Schon als sie 1991 anfing, wurde sie mit dem Problem konfrontiert, das immer noch das größte auf Sylt ist: Es gibt zu wenige bezahlbare Wohnungen. Bis zum Haushaltsausschuss des Bundestags ist sie gegangen, erinnert sich die Juristin Reiber, damit Immobilien des Bundes an die Gemeinde und nicht an private Investoren gehen. „Und wir haben es geschafft.“ Mehr als 1000 Wohnungen wurden geschaffen.

Und doch: „Die Wohnungsnot ist das größte Problem auf der Insel, schon immer gewesen.“In Reibers Amtszeit hat sich etwas getan auf Sylt. Sie kann aufzählen: Aufhübschen von Promenade und Rathausvorplatz, ein neues Schwimmbad, Verwaltungsgebäude und Kongresszentrum, der Erwerb des Flughafens Sylt. Dennoch sei die Anbindung der Nordseeinsel „bis heute ein Kampf“, findet die 57-Jährige.Hat Sylt denn noch den Glamour der Sachs-Jahre? „Wir haben den Vorteil gegenüber anderen Destinationen, dass wir eine Marke geworden sind“ - man denke nur an die Inselsilhouette als Autoaufkleber. „Die Promis sind auch noch da“, allerdings mehr im Verborgenen und Ruhe suchend, keine Partylöwen wie einst Gunter Sachs. Also immer noch die Insel der Schönen und Reichen? „Ich habe nichts gegen dieses Attribut. So sehen wir uns durchaus.“ Reiber sieht ihre Sylter Jahre als „wichtigste Zeit in meinem Leben“ - „in schwachen Momenten überlegt man, ob man doch noch kandidiert“.

Eigentlich, findet Reiber, sei es wegen der vielen juristischen Fragen erforderlich, dass ein Jurist ihre Nachfolge antritt. Die Fürther Ex-Landrätin Gabriele Pauli, die kandidieren will, kennt die Kommunalpolitik. Doch die Rolle des Bürgermeisters sei in Bayern eine ganz andere, sagt Reiber, die schon mal als „schöne Bürgermeisterin“ tituliert wurde - eine Gemeinsamkeit mit der ehemaligen „schönen Landrätin“, ebenso wie die fränkischen Wurzeln und die Parteilosigkeit.

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erstellt am 15.Sep.2014 | 06:00 Uhr

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