Kranken-Transport : Sylt und die Rettungsflieger-Problematik

Ddf Hubschrauber der deutschen Luftrettung Christoph Europa 5, der auch Sylt anfliegt,  vor dem Klinikum in Niebüll.
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Ddf Hubschrauber der deutschen Luftrettung Christoph Europa 5, der auch Sylt anfliegt, vor dem Klinikum in Niebüll.

Neue EU-Vorschriften für Rettungshubschrauber-Landeplätze könnten für Flensburg und Husum zum Problem werden - und damit auch für kranke Insulaner, die dorthin geflogen werden müssen.

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04. Juni 2014, 06:00 Uhr

Die gestrige Berichterstattung unserer Zeitung über neue EU-Vorschriften für Hubschrauberlandeplätze sorgt für Aufregung auf der Insel: Dass Kranke zukünftig nicht mehr so einfach zu einem Krankenhaus auf dem Festland geflogen werden können, diese Befürchtung äußern Leser unserer Zeitung unter anderem in sozialen Netzwerken.

Der Hintergrund: Aufgrund von europaweiten Richtlinien, die ab Oktober diesen Jahres gelten, müssen mehrere Kliniken in Schleswig-Holstein ihre Hubschrauber-Landeplätze nachrüsten. Sonst dürfen sie gegebenenfalls nicht mehr angeflogen werden (wir berichteten).

Sylt ist aufgrund seiner Insellage besonders davon abhängig, dass Patienten, die in der Nordseeklinik nicht versorgt werden können, problemlos in eines der größeren Krankenhäuser auf dem Festland ausgeflogen werden können: 220 mal startete im vergangenen Jahr ein Rettungshubschrauber für diesen Einsatz vom Landeplatz der Nordseeklinik. „Der wird fast nur dazu benutzt, um die Insel mit Kranken zu verlassen“, sagt Franz Jürgen Schell, Pressesprecher des Asklepios-Konzerns. Bis zum Oktober soll der Sylter Landeplatz EU-gerecht nachgerüstet werden. Laut Schell ist dafür auch nur ein wenig Farbe vonnöten: „Der Landeplatz ist jetzt schon fast perfekt – das einzige, was noch fehlt, ist der richtige Anstrich.“ Er ist sicher, dass das nun von der EU geforderte weiße H auf rotem Grund zeitnah aufgemalt werde.

Doch was ist mit den Kliniken, zu denen insulare Patienten in der Regel ausgeflogen werden? Die Flensburger Diako, zu der die meisten Sylter Patienten gebracht werden, erfüllt die EU-Vorgaben nicht, der Landeplatz ist zu klein. Dort setzt man momentan auf eine Ausnahmeregel. „Die Flensburger werden was machen müssen“, ist sich dagegen Schell sicher.

Auch Husum, ein weiteres Krankenhaus, in das Nordseeklinik-Patienten per Hubschrauber verlegt werden, kann die neuen Auflagen nicht erfüllen, sagt Jürgen Voiss, Stationsleiter der deutschen Luftrettung in Niebüll – der Landeplatz sei von der Luftfahrtbehörde nie zugelassen worden. Insgesamt sei unklar, wann, wie und in welcher Form die Richtlinien überhaupt umgesetzt werden – „momentan sind viele Arbeitsgruppen dabei, sich mit genau diesen Fragen auseinander zu setzen. Es ist alles noch sehr schwammig.“

Dem würde auch Christian Wehr in Bezug auf den Husumer Landeplatz zustimmen. „Da stellen sich die Fragen, wer das zahlt, ob und wie es eine Übergangslösung geben kann und was genau gemacht werden muss. Wenn hier wirklich keine Hubschrauber mehr landen könnten, haben wir ein richtiges Problem“, meint der Fachdienstleiter Rettungswesen des Kreises Nordfriesland.

Selbst bei diesem Szenario müssten sich Sylter und Gäste keine Sorgen machen, sagt Schell von Asklepios - so lange dann noch die Diako angeflogen werden kann: „Für Sylt ist vor allem wichtig, dass es mit dem Landeplatz in Flensburg glatt läuft.“

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