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Sylter Rundschau

23. August 2017 | 10:35 Uhr

Sylt und der sinkende "Stern"

vom

Zur Kolumne von Meike Winnemuth "Sylt. Ein neuer Versuch" aus dem Magazin Stern

Ach ja, Geld macht nicht glücklich. Das wissen viele auf der Insel und mancher kommt hierher, um es trotzdem zu finden: das Glück. Denn Sylt kann Seelennahrung sein und "die innere Uhr wieder richtig stellen", wie Traugott Giesen schreibt. Gelingen kann das aber nur, wenn man dazu bereit ist. Wie verzweifelt ein solcher Versuch enden kann, bewies jetzt gerade eine Frau namens Meike Winnemuth, die mal 500 000 Euro gewann, sich auf Weltreise begab, um das Glück oder was auch immer zu suchen. Und weil die Gute vom Schreiben lebt, schrieb sie auf, was sie so auf ihrer Reise alles erlebt hat.

Das Buch wurde ein Erfolg und dürfte die Kasse der Autorin weiter prächtig gefüllt haben. Aber Geld allein macht (wie schon erwähnt ) nun mal nicht glücklich und wenn es ganz schlimm kommt, kann es sogar den Charakter verderben. Aber zurück zu Frau Winnemuth, unserer schreibenden Gewinnerin. Die kam nun unlängst für einen Kurzaufenthalt auf die Insel, um in Kampen aus ihrem Reise-Buch vorzulesen. Das macht sie bis Ende November noch in über 40 (!) deutschen Orten. Ein strammes Programm.

In Kampen war sie wohl sehr einsam. Also lauschte sie im Restaurant, was denn so am Nebentisch gesprochen wurde und durchstreifte mit ihrem Hund das schöne Inseldorf. Was sie hörte und sah, fand sie empörend: Männer in roten Hosen, zu blonde Frauen, die ihr viel zu behängt erschienen, zu sonnengebräunte Menschen und dann auch noch zu schöne Reetdachhäuser, aber keinen Mülleimer für die Hinterlassenschaften ihres vierbeinigen Wegbegleiters. All das hat sie wohl so aufgewühlt, dass sie auf der Insel nur "verzweifelte Menschen" zu erkennen glaubte.

Ein bedauernswertes Einzelschicksal könnte man denken, vielleicht sogar ein Fall für den Psychologen. Aber statt sich selbst und die eigene Kurz-Sicht auf Insel, Menschen und Erlebnisse zu hinterfragen, schriebt Frau Winnemuth eine Kolumne für das Magazin "Stern", in der sie mal so richtig vom Leder zieht, das heißt alle alten Klischees bedient, die so über Sylt existieren.

Ihr Ton ist dabei beißend, Humor scheint sie nicht zu kennen, von journalistischer Sorgfalt wollen wir gar nicht erst reden. Manchen auf der Insel ärgert nun diese "arrogante, von erschreckender Ahnungslosigkeit und offenkundiger Bösartigkeit" getränkte Kolumne, war doch Frau Winnemuth nur sehr kurz auf der Insel, wurde hier freundlich empfangen und umsorgt. Auch wundert es, dass der "Stern" einen solchen Text abdruckt. Dazu muss man vielleicht wissen, dass es dem Magazin gar nicht gut geht, die Auflage dramatisch gesunken ist. Möglich, dass dann jedes Mittel recht ist, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Allerdings sollte der "Stern" aus seiner Historie wissen, dass man sehr vorsichtig sein muss, wenn man mit Geschichten an die Öffentlichkeit geht, die zwar spektakulär klingen, aber bar jeder Wahrheit sind.

Aber Frau Winnemuth sollten wir nicht zu böse sein, schließlich ist es nicht leicht glücklich zu werden. Sie könnte es vielleicht von den Friesen lernen, wenn sie den Mut hätte, deren Lebensmotto zu beherzigen: "Rüm hart, klar kiming" (Festes Herz, weiter Horizont). Dann öffnet sich auch der Blick für die wahren Werte der Insel.

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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