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Wellenreiten als Therapie : Sylt: Surfen für die Seele

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Beim ersten Surf-Camp für Kinder und Jugendliche mit schwierigen Lebenssituationen geht es nicht nur um das Wellenreiten.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2015 | 19:00 Uhr

„Die Kinder haben das wirklich super gemacht“, sagt Florian Gränert und strahlt. Der Surf-Lehrer und Sport-Therapeut betreute in der vergangenen Woche sechs Kinder und Jugendliche, die aus ganz Deutschland in das erste „Meer Leben Surf-Camp“ in die ehemaligen Grundschule in Hörnum gekommen waren. Das Besondere an dem Camp: Es richtet sich an Kinder und Jugendliche mit Krebs, chronischen Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten und Handicaps.

„Alle sechs Teilnehmer, die an diesem ersten Camp teilgenommen haben, haben onkologische Erkrankungen“, so Gränert, der bereits viel Erfahrung mit krebskranken Patienten in der AWO Sylt Klinik gesammelt hat. „Für die Kids waren die Camp-Tage etwas ganz besonderes: Sie lebten zusammen, gingen – so oft es die Verhältnisse erlaubten – surfen und Stand-up-Paddeln, waren gemeinsam essen und knüpfen untereinander Freundschaften.“

Zusammen mit Angelo Schmitt hat Gränert Anfang Juli das Projekt „Meer Leben Surf“ vorgestellt, in dem Surfen als besondere Therapieform angeboten wird. Es ist deutschlandweit das einzige Projekt dieser Art und für beide eine echte Herzensangelegenheit: Gränert und Schmitt haben mehr als acht Jahre praktische Erfahrung im therapeutischen Wellenreiten und kennen die positiven Auswirkungen, die der Sport auf erkrankte Kinder und Jugendliche haben kann.

Der erfolgversprechende Effekt zeige sich laut Gränert zum einen körperlich, denn „Gleichgewicht, Kraft, Ausdauer, Körperspannung und Koordination werden beim Surfen positiv beeinflusst“, erklärt der Surf-Lehrer, „aber auch die Körperwahrnehmung wird verbessert“. Zum anderen verbessere sich das seelische Gleichgewicht der Kinder. „In den Kids passiert unglaublich viel, wenn sie auf dem Brett stehen“, erklärt der Surf-Lehrer, „vor allem steigt ihr Selbstbewusstsein. Außerdem setzt Surfen Glücksgefühle frei, wodurch neue Kräfte für die Bewältigung ihres Alltags aktiviert werden können“. Das seien alles Erfahrungen, die dazu beitragen, die Lebensqualität der Kinder enorm zu verbessern, so der Surf-Lehrer.

Vom positiven Effekt sind die Leiter, aber auch ihre Partner überzeugt: Ein großes Team, bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Pädagogen, steht den beiden zur Seite.

Die zwei Mädchen und vier Jungen, die in der vergangenen Woche an dem ersten Surf-Camp von Gränert und Schmitt teilgenommen haben, sind aus Frankfurt (Oder), Hamburg, Stuttgart und Karlsruhe angereist. „Einige von ihnen haben Vorerfahrung, weil sie schon als Patienten in der AWO Sylt Klinik waren und bereits an einigen Surf-Einheiten teilgenommen haben“, so Gränert.

Schon seit 2007 wird in der Klinik die von dem gelernten Erzieher ins Leben gerufene Surf-Therapie mit krebskranken jungen Patienten sowie deren Geschwister mit großem Erfolg praktiziert. Nun bietet er das Programm auch als für sich stehendes Surf-Camp an. Dabei steht den Lehrern die körperliche und seelische Stabilisierung der Kids an erster Stelle, erklären sie. „Eine Unterrichtseinheit ist immer abhängig vom Gesundheits- und Fitnesszustand der Teilnehmer“, so Gränert, „denn jeder hat sein eigenes Tempo.“

Mehr Informationen gibt es unter www.meerlebensurf.com.

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