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Zeitungs-Annonce : Sylt sucht neuen Bürgermeister – bundesweit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Stelle „in der Gemeinde Sylt als bedeutende touristische Destination in Deutschland“ ist zum 1. Mai 2015 neu zu besetzen. Die Anzeige wurde bundesweit geschaltet.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Sylt | Seit Ende letzter Woche wird deutschlandweit ein Nachfolger für Petra Reiber als Bürgermeister der Gemeinde Sylt gesucht. Alle Fraktionen hatten im Hauptausschuss beschlossen, rund 6000 Euro zur Verfügung zu stellen, damit in vier überregionalen Tageszeitungen und der Wochenzeitung „Die Zeit“ Anzeigen zu der am 14. Dezember stattfindenden Bürgermeisterwahl geschaltet werden.

Der Text ist denkbar knapp: „Die bisherige Amtsinhaberin stellt sich nicht erneut zur Wahl.“ Deshalb sei die Stelle „in der Gemeinde Sylt als bedeutende touristische Destination in Deutschland“ zum 1. Mai 2015 neu zu besetzen. „Die Frist für die Einreichung eines Wahlvorschlages endet am 27.10.2014 um 18:00 Uhr.“

Weitere Informationen erhält der Leser nicht – mehr dazu unter www.gemeinde-sylt.de. Auf der Webseite finden Interessenten jedoch keine Ausschreibung, kein Stellenangebot für den vakanten Topjob in der Sylter Verwaltung, sondern eine „Aufforderung zur Einreichung von Wahlvorschlägen“.

Der Hintergrund: Aufgrund von Änderungen kommunalverfassungs- und wahlrechtlicher Vorschriften in Schleswig-Holstein ist die in der Gemeindeordnung enthaltene Vorgabe zur Stellenausschreibung des Bürgermeisterpostens seit März 2012 gestrichen. Das bisher den Fraktionen zustehende Vorschlagsrecht zur Direktwahl eines hauptamtlichen Bürgermeisters wurde auf die in die Gemeindevertretung gewählten Parteien und Wählergruppen verlagert.

Jede politische Partei oder Wählergruppe darf nur einen Wahlvorschlag unterbreiten oder sich nur an einem gemeinsamen Wahlvorschlag beteiligen. Außerdem kann ein Bewerber oder eine Bewerberin sich selbst vorschlagen. Um an der Bürgermeisterwahl teilnehmen zu dürfen, sind mindestens 135 Unterschriften wahlberechtigter und mit erstem Wohnsitz in Sylt gemeldeter Bürger erforderlich.

Ein Kandidat, auf den sich eine oder gar mehrere Parteien einigen könnten, wurde bislang nicht gefunden. Deshalb erhofft sich Oliver Ewald viele Rückmeldungen auf die Anzeige: „Auswahl ist immer gut!“, sagt der Sylter CDU-Vorsitzende, auch in Hinblick auf die Absage des Unionsfavoriten Carsten Kerkamm. Es müsse jedoch nicht zwingend ein Verwaltungsexperte oder Jurist sein.

„Eine interessante Biografie, Lebenserfahrung, die Fähigkeit, Perspektiven aufzuzeigen“ – das sei wichtig, so Ewald. „Aber natürlich muss ein Kandidat, den wir unterstützen, eine politische Nähe zu unseren Positionen haben, beispielsweise hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Tourismus oder der Schulpolitik.“

Gerd Nielsen setzt nach wie vor auf Gemeinsamkeit: „Vielleicht meldet sich ja ein Bewerber, auf den wir uns einvernehmlich einigen können.“ Allerdings rechnet der SPD-Politiker damit, dass dieser Bürgermeisterwahlkampf „wesentlich politischer“ wird als Vorherige. Nicht nur wegen der Übertragung des Vorschlagsrechts auf die Parteien, auch die Positionen zu vielen Konfliktthemen seien einfach zu kontrovers.

Lars Schmidt von zukunft.sylt steht bereits in den Startlöchern und will sich von der Wählergemeinschaft als Bewerber offiziell nominieren lassen. Seine Wahlchancen sieht er „eher sportlich, sozusagen olympisch – aber mit deutlichem Siegeswillen.“ Zwar sei leider die über Facebook gestartete Kampagne von zukunft.sylt gescheitert, am Tag der Europawahl eine Art Vorwahl durchzuführen – bis zum Stichtag 31. März gab es nur einen einzigen Kandidatenvorschlag: Lars Schmidt. Der Morsumer glaubt jedoch, dass selbst bei einer Niederlage „durch die Schärfung wichtiger Thematiken im Wahlkampf auf jeden Fall ein Gewinn für die Insel dabei herauskommen wird.“

Auch Nikolas Häckel brachte sich frühzeitig ins Rennen. Der 40-jährige Sylter, derzeit Bauamtsleiter in Kronshagen, hat bereits „gute Gespräche mit vier großen Parteien“ geführt und hofft trotz der bundesweiten Kandidatensuche auf eine breite überparteiliche Unterstützung als unabhängiger Bewerber. Dass die Posten des Inselbaumeisters, des KLM-Betriebsleiters und des EVS-Geschäftsführers in jüngerer Zeit mit frischen Köpfen besetzt wurden, sieht er positiv, um „alles Eingefahrene“ konstruktiv in Frage zu stellen. „Es ist Zeit für einen Generationenwechsel“, sagt Häckel. „Wir brauchen neue Gedanken, müssen neue Prozesse in Gang bringen und das auch mit neuen Leuten.“

Durch die Gesetzesänderung zur Gemeindeordnung ist auch die Pflicht zur öffentlichen Vorstellung der zugelassenen Bewerber gestrichen worden. Die Gemeinde kann dennoch eine Kandidatenvorstellung durchführen, wenn sie das möchte. Dafür sprechen sich übereinstimmend alle Politiker aus – welche und wie viele Bewerber dann jedoch auf der Bühne und schließlich auf den Stimmzetteln stehen werden, das ist die verantwortungsvolle Aufgabe der Sylter Parteien in den kommenden Monaten.

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