Inselnachwuchs : Sylt steckt viel Geld in Kindergärten

Mit dem Neubau am Tinnumer Kindergarten entstanden dort 20 neue Krippenplätze in zwei Gruppen.
Mit dem Neubau am Tinnumer Kindergarten entstanden dort 20 neue Krippenplätze in zwei Gruppen.

Gemeinde reagiert auf steigende Geburtenzahlen mit einer Ausweitung der Betreuungsangebote

von
30. Juli 2018, 04:33 Uhr

Sylter Inselkinder und ihre Eltern haben es gut: „Wir sind in allen Inselorten vorbildlich aufgestellt“, sagt Monika Kuhn, Leiterin des Amtes für Inneres und Bildung in der Gemeindeverwaltung. In den fünf Jahren seit Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz für Kinder, die das erste Lebenjahr vollendet haben, habe es nicht eine Klage gegeben. „Es gab immer eine Lösung.“

Allerdings musste insbesondere die Großgemeinde Sylt nachsteuern und die Kapazitäten mit Landesunterstützung ausbauen. Die Geburtenzahlen steigen, obwohl werdende Mütter zur Entbindung in Kliniken auf dem Festland ausweichen müssen. 2014 wurden in der Gemeinde Sylt 83 neue Erdenbürger gemeldet, im Jahr 2015 101 und im Jahr 2016 waren es 113. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Geburtenzahlen auf 112 für die Gemeinde Sylt und 27 für die amtsangehörigen Gemeinden List, Kampen, Wenningstedt-Braderup und Hörnum – insgesamt also 139 Geburten für die Insel.

Entsprechend weitet die Gemeinde auch ihre Kinderbetreuung aus. Dabei verfolgt Sylt das Ziel, die Betreuungsangebote optimal an den pädagogischen und personellen Bedarf anzupassen. Wichtig auf der vom Tourismus geprägten Insel: Die Kinderbetreuung muss es den Eltern ermöglichen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Nachwuchs ist wichtig für die Aufrechterhaltung einer lebendigen Infrastruktur auf der Insel, und erwerbsfähige Väter und Mütter sind wichtig für Handel und Gewerbe auf Sylt, die unter Personalmangel ächzen.


Kinderbetreuung platzt aus allen Nähten

Zu den wichtigen Schritten in der Kinderbetreuung der letzten Jahre zählt der 2012 begonnene Umzug der Kinderhorte an die Grundschulen. 2013 wurde mit der Herbstferienbetreuung in der Sylt-Kita begonnen. 2014 wurde eine Krippengruppe im dänischen Kindergarten eingerichtet; die Gemeinde Sylt leistete einen Investitionszuschuss von 50 000 Euro. Im selben Jahr wurde aber auch die dritte Kindergarten-Gruppe im DRK-Kindergarten geschlossen.

Vor vier Jahren wurde mit der Entwicklung der Sylt-Kita zum Familienzentrum begonnen. 2015 folgte eine Ausweitung der Krippen-Betreuungszeit. Vor zwei Jahren wurde gleich eine ganze Reihe von Maßnahmen getroffen, um dem wachsenden Bedarf an Kinderbetreuung Herr zu werden: In der „Alten Realschule“ wurde eine weitere Krippengruppe eingerichtet. Die dritte Gruppe im DRK-Kindergarten wurde wieder eingerichtet. Parallel dazu wurde der DRK-Kindergarten saniert, die Hort-Betreuungszeiten wurden ausgeweitet.

Einen großen Schub brachte der 860 000 Euro teure Erweiterungsbau im Boy-Peter-Eben-Weg in Tinnum, der im November 2017 eingeweiht wurde. Aus renoviertem Kindergarten und zwei weiteren Krippengruppen mit 20 zusätzlichen Plätzen wurde nun die Kindertagesstätte Tinnum.


Fast 2,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr

In der Gemeinde Sylt gab es damit zum Jahresende insgesamt 125 Plätze in vier Kinderkrippen, 288 Plätze in den fünf Kindergärten und 245 Plätze in drei Kinderhorten, aber auch eine Warteliste für (gesetzlich nicht verbriefte) Kinderhorte. Darüberhinaus gibt es noch eine Reihe privater oder betrieblicher Kinderbetreuungsangebote, zum Beispiel in der Nordseeklinik.

„Wir platzen aus allen Nähten“, erklärte Bürgermeister Nikolas Häckel bei der Einwohnerversammlung im November mit Blick auf die öffentlichen Kindertagesstätten. Die Gemeinde bezuschusste die Kindergärten 2017 mit knapp 2,8 Millionen Euro. Die Kinderbetreuung sei zwar defizitär, sagte Häckel, „aber eine gute Grundlage für unsere Zukunft.“

Bürgermeister Häckel stellte für das laufende Jahr Investitionen in die Kinderbetreuung von insgesamt 830 400 Euro in Aussicht – die steigenden Personal- und Betriebskosten nicht gerechnet. „Am Nordkamp“ sind 215 000 Euro für zwei weitere Krippengruppen eingeplant, 63 500 Euro für die Neugestaltung des Außenbereichs und 21 000 Euro für die Sanitäranlagen. 110 900 Euro fließen in eine weitere Kindergartengruppe in der „Alten Realschule“ und 420 000 Euro in zwei weitere Krippengruppen in der Kita Morsum.

Demgegenüber stand aber eine Erhöhung der Elternbeiträge zum 1. Januar 2018 um rund fünf Prozent. Ein Ganztagesplatz kostet seitdem in der Krippe 288 Euro, im Kindergarten 210 Euro und im Hort 147 Euro.

Siehe auch Seite 1 und 3

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen