Verkehrskonzept : Sylt soll die Radfahrer-Insel werden

Der Anteil des Radverkehrs soll sich erhöhen. Hier in Kampen kommen die Radler auf ihrem entsprechenden Weg gut zum Strand.
Der Anteil des Radverkehrs soll sich erhöhen. Hier in Kampen kommen die Radler auf ihrem entsprechenden Weg gut zum Strand.

Das erste Verkehrskonzept für die Insel will nicht alle Autos verbannen, aber den Verkehr so lenken, dass vor allem Radfahrer sich wohl und sicher fühlen.

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10. Juli 2014, 05:20 Uhr

Eine autofreie Nordseeinsel wird Sylt mit Sicherheit niemals werden, aber laut Planungen der Lenkungsgruppe Verkehr soll es in den nächsten zehn Jahren zumindest „moderate Veränderungen mit kleinen Korrekturen“ geben, insbesondere im Bereich des so genannten motorisierten Individualverkehrs (MIV). So lautet das Fazit von Inselbaumeister Martin Seemann und Verkehrsplaner Reiner Brudnitzki nach dem Abschluss der Planungsphase des sehr breit aufgestellten Projektes „Verkehrskonzept Sylt“, in dem alle Bürgermeister, Gemeindevertreter und Kurdirektoren der Insel sowie Verwaltung, Polizei, Personentransportbetriebe und Sylter Unternehmer vertreten waren.

Es ist das erste Verkehrskonzept überhaupt in der Geschichte der Insel. „Nach umfangreichen Befragungen und Analysen wurden Handlungsfelder mit unterschiedlich durchsetzbaren Szenarien formuliert“, sagte Seemann, „von moderat bis radikal.“ Vieles davon sei noch Zukunftsmusik, brauche Geduld und Überzeugungskraft – der Inselbaumeister nennt dafür Beispiele wie die Sylt-Card, mit der alle Verkehrsmittel und Dienstleistungen genutzt werden könnten, Taktzeiten von zehn Minuten für sämtliche Buslinien oder ein grundsätzliches Tempo 30 innerorts, das gesonderte Radwege überflüssig machen würde.

Verkehrsplaner Brudnitzki benennt die konkreten Ziele, die als erste wegweisende Schritte für die kommenden zehn Jahre formuliert wurden:

>Bis 2025 sollen auf Sylt mindestens 50 Prozent aller Wege im Umweltverbund, also Zufußgehen, Radfahren und mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), durchgeführt werden. Dies gelte für alle Zielgruppen: Bewohner, Touristen und Tagesbesucher.

> Der Anteil des Radverkehrs soll von heute 19 auf 26 Prozent gesteigert werden. Sylt soll die freundlichste touristische Region für Radfahrer in Deutschland werden, erforderlich dafür sind die Bereitstellung von Radverkehrsangeboten, intelligente Verleihsysteme und Abstellanlagen sowie eine offensive Öffentlichkeitsarbeit.

> Das derzeitige Angebot des ÖPNV soll mindestens erhalten, durch breitere Angebote in der Hauptsaison sogar verbessert sowie ein störungsfreier Betriebsablauf sichergestellt werden.

> Die Nahbereichsmobilität in Westerland sowie in allen Orten der Insel Sylt soll gefördert, Flächen für Fußgänger besser geschützt, weiter barrierefrei ausgebaut und vernetzt werden.

> Einigkeit herrscht in der Lenkungsgruppe darüber, dass der Autoverkehr weiterhin notwendig bleibt. Verkehrsbedingte Beeinträchtigungen sollen durch klare Flächenzuweisungen auf öffentlichen Straßen und eine optimierte Verkehrsorganisation auf das notwendige Maß reduziert werden.

Als nächstes sind die Inselgremien an der Reihe: Das neue Verkehrskonzept wird bereits im August im Bauausschuss, nach der Sommerpause in der Gemeindevertretung sowie dann abschließend in der Bürgermeisterdienstversammlung beraten und beschlossen werden.

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