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Mit Video : Sylt Shuttle Plus: Langsamer und teurer aufs Festland reisen

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Deutsche Bahn präsentiert ihre neuen Personen-Autozüge, die künftig im Halbstunden-Takt bis nach Bredstedt fahren werden. Warum sie das Projekt trotz weniger Vorteile umsetzt.

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erstellt am 14.Okt.2015 | 18:27 Uhr

Sie sind teurer und langsamer als der Nahverkehr und sie fahren nur bis Bredstedt: Die Personenwagen, die ab Mitte Dezember von der Deutschen Bahn an den Syltshuttle gehängt werden, bergen für Fahrgäste wenig Vorteile. Trotzdem versuchte die Deutsche Bahn, ihren Sylt Shuttle plus bei einem Pressetermin als zukunftsträchtiges Modell zu verkaufen.

Warum die Deutsche Bahn trotz der regelmäßig zwischen Hamburg-Altona und Sylt fahrenden Nahverkehrszüge nun auch noch Personenwagen an den Autozug hängen muss, ist klar: Nur durch diesen Trick konnte das Unternehmen viele seiner Autozugtrassen zwischen Westerland und Niebüll gegen Konkurrent RDC verteidigen. Denn die Trassen werden auch danach vergeben, wie weit ein Zug fährt.

Der Plan – grob zusammengefasst: Am Westerländer Bahnhof wird an Gleis Fünf, an dem auch der Autozug steht, ein neues Bahnsteig gebaut. Dort steigen die Passagiere in den Personenwagen ein, der dann an den Autozug gekuppelt wird. In Niebüll wird diese Konstruktion dann wieder auseinander genommen, der Personenteil fährt bis Bredstedt weiter. Genauso soll es in die Gegenrichtung funktionieren. Durch das An- und Abkuppeln brauchen die Fahrgäste allerdings bis zu allen Haltepunkten gut 15 Minuten länger, als bei einer Fahrt mit dem Personennahverkehr. Zudem zahlen sie mehr: Im sogenannten Sylt Shuttle Plus gelten Fernverkehrstarife.

Doch wirklich in die Ferne fährt man mit diesen Zügen nicht: Anders als zunächst von der Bahn angekündigt, verkehrt nur einer dieser Züge am Tag zwischen Hamburg-Altona und Westerland. Der Rest der im Halbstundentakt fahrenden Züge fährt nur zwischen Westerland und Bredstedt. Dieser nordfriesische Ort ist allerdings einer der Gewinner dieser Neuerung: Neben dem Sylt Shuttle Plus verkehrt auch der Nahverkehr stündlich, beziehungsweise halbstündlich zwischen Sylt und Bredstedt. Es könnte also der am besten angebundenste 5000-Seelen-Ort des Landes werden.

Blick aus der Fahrerkabine der Personenwagen. In Niebüll und Westerland werden Auto- und Personenteil an, beziehungsweise abgekuppelt.
Blick aus der Fahrerkabine der Personenwagen. In Niebüll und Westerland werden Auto- und Personenteil an-, beziehungsweise abgekuppelt. Foto: Fotos: Reußner
 

Trotz aller Kritikpunkte an ihrem Konzept gibt sich die DB optimistisch: „Ich glaube, dass sich dieses Angebot langfristig halten wird“, so Alfred Onken, Leiter der Inselverkehre Sylt DB, und verweist darauf, dass die Nahverkehrszüge zu Spitzenzeiten häufig überlastet seien. Der Autozug-Personenwagen sei somit ein attraktives, verlässliches Zusatzangebot.

Für Autofahrer, die vor verschlossenen Schranken in Westerland oder Niebüll stehen, ist das Angebot allerdings weniger attraktiv: Die werden dank des An- und Abkuppelns des Personenteils an den Autozug jedes Mal drei Minuten zusätzlich geschlossen sein.

In Sachen Kooperation mit RDC hält die Deutsche Bahn an ihren bisherigen Aussagen fest: Aus kartellrechtlichen Gründen könnten die Tickets der beiden Anbieter nicht anerkannt werden. An den Verladestationen werden die RDC-Kunden auf jeweils zwei Spuren gelenkt, die jeweils 90 Minuten vor Abfahrtzeit der RDC-Züge geöffnet werden. Genauere Details sollen in einem Treffen zwischen RDC und DB in der kommenden Woche besprochen werden. Eines aber sagt Sylt Shuttle Chef Onken zu: „Wir haben kein Interesse daran, dass es bei der Autoverladung Probleme gibt. Jetzt geht es darum, dass die Verkehre so abgewickelt werden, dass es auf der Insel keine Probleme gibt.“

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