Autozug nach Sylt : Sylt Shuttle: Größere Wohnmobile werden nicht mehr mitgenommen

Der Autozug wird momentan von der DB Fernverkehr betrieben.
Der Autozug wird momentan von der DB Fernverkehr betrieben.

Es handelt sich um eine Sicherheitsmaßnahme der Deutschen Bahn. Diese hatte aber vergessen, ausreichend darüber zu informieren.

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31. Mai 2015, 11:59 Uhr

Sylt | So hatten sich die Urlauber, die mit dem Wohnmobil nach Sylt gekommen waren, ihr Urlaubsende  nicht vorgestellt: Seit vergangenem Freitag werden größere Wohnmobile, die auf Flachwagen statt auf den Doppelstockwaggons des Sylt Shuttles transportiert werden müssen,  nicht mehr mitgenommen. Darüber hatte die Deutsche  Bahn allerdings nicht ausreichend informiert.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn verwies gestern  auf Nachfrage unserer Zeitung auf Sicherheitsgründe: In der vergangenen Woche hätten sich in drei Fällen sogenannte Panorama-Dächer von Wohnmobilen   während der Fahrt gelöst und seien abgefallen. „Aus Gründen der Sicherheit aller Reisenden hat sich die Deutsche Bahn kurzfristig und vorsorglich dazu entschlossen, größere Wohnmobile mit Dachluken oder Panoramadächern von der Beförderung bis auf weiteres auszuschließen“, so der Sprecher weiter.

Wohnmobil-Fahrern sollten in den vergangenen Tagen als Ersatz beim Terminal oder  auf den Sylter Campingplätzen eine Fahrkarte für die Syltfähre ausgehändigt werden. Warum die Deutsche Bahn über diese Sicherheitsmaßnahme weder die Presse informierte, und einen Hinweis auf der Homepage des Sylt Shuttles erst am Sonntagnachmittag veröffentlichte, das konnte der Bahnsprecher nicht erklären. Auf dem Westerländer Campingplatz habe man von der neuen Regelung von einem anderen Campingplatz-Betreiber erfahren, sagte eine Mitarbeiterin gegenüber unserer Zeitung. Auch die Ersatzfahrkarten für die Syltfähre habe ein Bahnmitarbeiter erst am Sonnabend vorbei gebracht. Diese Form der Kommunikation sei „eine Frechheit“ und eine Zumutung für die Gäste, so die Mitarbeiterin weiter. Von Seiten der Bahn betont man allerdings , alle Sylter Campingplätze zumindest schon am Freitag informiert zu haben.

Auch in den sozialen Netzwerken machen Gäste ihrem Ärger Luft: „Habe keine Chance, jetzt rechtzeitig zu meinem Termin zu kommen. Wenn das die Zukunft für Sylter Wohnmobilisten bei der Beförderung mit der DB Autozug ist, dann kann ich in Zukunft gerne auf dieses Unternehmen verzichten“, schreibt ein verärgerter Wohnmobil-Fahrer, „nicht mal eine kleine Pressemitteilung ist es diesem Konzern wert, wenn die Beförderungsbedingungen so eklatant geändert werden.“

Auch die Fraktion der Insulaner-Piraten hat sich in einer Pressemitteilung am Wochenende zu dem Thema geäußert. Zwar habe man Verständnis für die Sicherheitsbedenken. Doch: „Die Informationspolitik der Bahn ist unterirdisch. Solch eine Einschränkung zu Beginn der Saison gefährdet die gesamte Wirtschaft der Insel“, befinden die Politiker.

Zudem müsse die grundsätzliche Frage erlaubt sein, ob der Rückwärtstransport der Fahrzeuge auf den Flachwagen nicht  durch eine sicherere Lösung ersetzt werden kann. Der Transport von Wohnmobilen auf dem Syltshuttle hatte unter anderem im Sommer 2012 für Schlagzeilen gesorgt, als ein zweijähriger Junge aus  einem Wohnmobil vom fahrenden Syltshuttle gestürzt war und sich dabei schwer verletzte.  Als Reaktion auf dieses Unglück führte die  Deutsche Bahn damals eine Anschnall-Pflicht auf dem Autozug ein.

 Die Insulaner-Piraten fordern nun Antworten ein: „Wir erwarten von der Bahn eine umgehende Information der Öffentlichkeit und der Tourismusverbände der Insel und konkrete Lösungsvorschläge.“ Auch in sozialen Netzwerken wird kritisiert, dass die Deutsche Bahn schon länger von der Problematik abfallender Dachluken gewusst haben müsse.

Tim Kunstmann von der Syltfähre betonte gestern, sämtliche Wohnmobilisten zeitnah ans Römer Ufer bringen zu können. „Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, ob diese Regelung beim Syltshuttle von Dauer ist.“ Wenn ja, könne man bei der Syltfähre auch über zusätzliche Abfahrten nachdenken.

Ob und wann wieder größte Wohnmobile mit dem Autozug transportiert werden können, dazu wollte sich die Deutsche Bahn gestern nicht äußern: Man habe zu dem Thema einen Sachverständigen eingeschaltet und warte momentan auf dessen Stellungnahme.

Welche Wohnmobile dürfen noch mit? „Mit dem Sylt Shuttle befördert werden nach wie vor kleine Wohnmobile (auch mit Dachluken), die aufgrund ihrer Abmessungen (bis 6 Meter Länge, bis 2,70 Meter Höhe, bis 3 Tonnen Gesamtgewicht) auf Doppelstockeinheiten befördert werden können. Weiterhin transportiert werden auch Wohnwagen“, heißt es von der Deutschen Bahn.

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