Stau bei Abreise : Sylt-Shuttle: Chaos ohne Chance auf Lösung

Linksabbiegen verboten: bei Staus an der Autoverladung sperrt die Polizei eine Zufahrt und leitet den Verkehr Richtung Süden.
Linksabbiegen verboten: bei Staus an der Autoverladung sperrt die Polizei eine Zufahrt und leitet den Verkehr Richtung Süden.

Nach dem Megastau abreisender Urlauber am Sonnabend an der Autoverladung wird auf Sylt über die Ursachen und neue Konzepte diskutiert.

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06. Januar 2015, 06:00 Uhr

Das war ein Rekord, über den sich niemand gefreut hat. Ein neuer Superlativ, auf den Sylt gut hätte verzichten können: Bis zu acht Stunden mussten abreisende Urlauber vergangenen Sonnabend laut Auskunft der Sylter Polizei warten, ehe sie auf den Autozug und damit in Richtung Heimat fahren konnten. Und dort, je nach Entfernung, erst weit nach Mitternacht ankamen oder auf der Strecke sogar noch einen Übernachtungsstopp einlegen mussten.

Förderlich für das Image der Insel sei das sicherlich nicht, meint Sylt Marketing-Chef Moritz Luft. „Jede Verzögerung ist ärgerlich, auch schon während der Anreise. Aber natürlich besonders, wenn der eigentlich schöne Sylt-Urlaub unserer Gäste durch so einen negativen Schlusspunkt quasi ‚gekrönt‘ wird.“ Die Deutsche Bahn AG teilte auf Anfrage der Sylter Rundschau allerdings mit, es habe lediglich „zeitweise bis zu vier Stunden Wartezeit“ gegeben. 27 Autozüge seien im Einsatz gewesen, davon 14 Sonderzüge, mit denen zirka 4000 Kraftfahrzeuge befördert wurden. Die Zugabfahrten in Westerland hätten bereits um 6 Uhr am Sonnabend begonnen. „Auf dem letzten Zug um 20 Uhr waren dann noch rund 50 Kraftfahrzeuge“, sagte eine Bahnsprecherin.

Eine Erklärung, warum es ausgerechnet am ersten Wochenende des neuen Jahres so schlimm wurde, haben jedoch weder Bahn oder Polizei noch Ordnungsamt oder Tourismus-Fachleute. Zwar lag der Neujahrstag so günstig, dass nur ein Brückentag für einen Kurzurlaub nötig war, aber das ist in den zurückliegenden Jahren zum 1. Mai oder auch zur Biike ähnlich gewesen. „Es kommen einfach immer mehr Urlauber mit immer mehr Autos auf die Insel“, sagt Haye Jebsen, der Leiter des Polizeireviers Sylt. „Wir waren ab morgens mit vier Kollegen im Einsatz und haben, wie bei ähnlichen Einsätzen auch, die Linksabbiegerspur vom Trift in den Industrieweg gesperrt.“ Autofahrer, die zum Syltshuttle wollen, bleibt dann nicht anderes übrig, als sich am Stauende im Süden einzureihen. In den Mittagsstunden des Sonnabends hieß dies allerdings: bis Rantum fahren, dort wenden und ... geduldig warten. Zwar habe der Ausbau der Warteflächen an der Autoverladung in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verbesserung geführt, so Jebsen. „Aber zu solchen Spitzenzeiten stößt die vorhandene Infrastruktur in der Westerländer Innenstadt eben an ihre Grenzen. Damit werden wir wohl leben müssen.“

Das bestätigt auch Gaby Gotthardt, die Leiterin des Ordnungsamts der Gemeinde Sylt. „Vor allem aufgrund der Lage der Autoverladung ist leider keine andere Lösung möglich. Aber natürlich stehen wir immer in Kontakt mit der Polizei und auch mit der Bahn.“ Kleinere verkehrslenkende Maßnahmen seien bei Staus zwar möglich, zum Beispiel über den zentralen Ampelrechner. Aber das reiche bei solch großem Andrang nicht aus: „Es gibt definitiv keinen Königsweg – wenn alles erst einmal dicht ist, dann ist es auch dicht.“

„Wenn sich verkehrstechnisch nichts ändern lässt, dann vielleicht organisatorisch“, überlegt Polizei-Chef Jebsen und schlägt ein Reservierungssystem für den Autozug vor, mit dem Urlauber verbindlich ihre An- und Abreise buchen können. „Allerdings stellen sich dann schnell Fragen: Wer kann wo die Tickets kontrollieren? Und wie gelangen die Berechtigten vorbei an der Warteschlange?“

Moritz Luft von Sylt Marketing setzt zur Verbesserung der Situation und zur Verhinderung künftiger Megastaus eher auf Gespräche mit Hoteliers und Anbietern von Ferienwohnungen. „Da ist deutlich mehr Flexibilität erforderlich. Deshalb steht dieses Thema auch ganz oben auf unserer Agenda für 2015. Die Gäste sollten zum Beispiel später auschecken dürfen oder auch mal einen Tag länger bleiben können.“ Die Kapazitäten dafür seien nach dem Ende der Buchungshochzeiten an den Feiertagen doch ohne Zweifel vorhanden, so Luft.

„Das ist bei uns längst Praxis“, hält Appartementvermieter Marcus Riel dagegen. „Wir sind da sehr flexibel und kommen unseren Gästen gerne entgegen, wenn sie es denn wollen und auch können – und nicht gleich am Montag wieder arbeiten dürfen ...“ Ohnehin seien von den über 500 Appartements, die Riel vermittelt, nur 40 Prozent geräumt: „Die meisten Mieter bleiben länger, es sind ja auch noch Schulferien.“

Auch im Keitumer Benen-Diken-Hof hätten einige Gäste spontan verlängert und seien erst am Montag abgereist, berichtet Hotelier Claas Erik Johannsen. „Aber grundsätzlich informieren wir unsere Gäste bereits im Vorfeld über mögliche Staus und Abreiseprobleme. Und wir weisen natürlich alle, die mit dem Auto kommen wollen, auch darauf hin, dass es mit der Syltfähre eine staufreie Alternative zu Autozug gibt.“

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