zur Navigation springen

Flüchtlinge auf Sylt : Sylt schafft Wohnraum für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit einem Dringlichkeitsbeschluss reagieren Politik und Verwaltung auf die Flüchtlingswelle und zum Abriss vorgesehene Häuser werden nun bereitgestellt.

von
erstellt am 19.Sep.2015 | 05:30 Uhr

Besondere Umstände erfordern besondere Aktionen: Mit einem Dringlichkeitsantrag haben alle Fraktionen der Gemeindevertretung eine Lösung auf den Weg gebracht, damit künftig mehr Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen auf der Insel zur Verfügung steht. Einstimmig und sogar mit Beifall am Ende wurde am Donnerstagabend im Westerländer Rathaussaal beschlossen, dass die Gemeinde Sylt über das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) 31 Wohnungen aus dem Bestand provisorisch wieder so weit herrichtet, dass dort die Asylbewerber eine menschenwürdige Bleibe finden, die in laufenden Jahr der Insel noch zugewiesen werden.

In seinen Erläuterungen des Vorhabens sagte Marcus Kopplin, sein Unternehmen habe eine Analyse erstellt, welche Gebäude mit welchen Aufwand kurzfristig wieder bewohnbar gemacht werden können. „Eigentlich handelt es sich in allen Fällen um das, was wir ‚abgängigen Wohnraum‘ nennen“, erklärte der KLM-Chef. „Das sind alles sehr schlichte, sehr einfache Wohnungen, die größtenteils schon lange leer stehen und zum Abriss vorgesehen sind.“ Alle Wohnungen befinden sich in Westerland, ein Großteil in der Wohnsiedlung Süd, weitere im Westhedig. Es handelt sich um sechs Einzimmer-, fünf Zweizimmer- und 20 Dreizimmer-Wohnungen. Die Größen liegen im Bereich von 25 bis 70 Quadratmetern, die Gesamtfläche aller Wohnungen beträgt knapp 2  000 Quadratmeter. Wie viele Flüchtlinge dort einziehen können, ließe sich jedoch nur schwer voraussagen, so Kopplin: "Das hängt ja davon ab, ob ganze Familien kommen, auch mit Kindern, oder eher Einzelpersonen."

Bürgermeister Nikolas Häckel hatte zu Beginn der Sitzung aktuelle Zahlen genannt: Derzeit leben 154 Flüchtlinge auf Sylt, allerdings sind 63 davon bereits in den vergangenen Jahren gekommen. Die Quote der Insel – also die maximale Anzahl derer, die über den Kreis nach Sylt geschickt werden – liegt für 2015 bei 152 Personen. Das heißt: Es könnten noch weitere 61 Flüchtlinge kommen, die Gesamtzahl läge dann bis Ende des Jahres bei 215. Die nächsten sieben Asylbewerber werden bereits im Laufe der kommenden Woche erwartet.

Diese Zahlen zeigten deutlich die hohe Dringlichkeit, mit der schnell und möglichst unbürokratisch Wohnraum geschaffen werden müsse – wie Redner aller Fraktionen betonten. Holger Flessau (CDU), der stellvertretende Vorsitzende des Wohnungsbauausschusses der Gemeinde, brachte es auf den Punkt: „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, müssen die Flüchtlinge irgendwann in einer Schule oder in der Turnhalle schlafen.“

Um die KLM-Wohnungen wieder bezugsfähig zu machen, sind grob geschätzt Investitionen in Höhe von 200  000 Euro erforderlich. Unter anderem müssen Fußbodenbeläge überarbeitet oder erneuert sowie die Wände und Decken gestrichen werden. Besonders wichtig sei es, so Marcus Kopplin, das Gas- und Elektroinstallationen überprüft und gegebenenfalls instandgesetzt werden, gleiches gelte für Sanitärbereiche. Teilweise müssen auch Fenster und Türen wieder gang- und abschließbar gemacht werden, in der Breslauer Straße fehlen sogar einige Balkonbrüstungen. Zur Grundausstattung der Wohnungen gehörten auch Deckenbeleuchtungen für alle Räume, Küchen mit Spüle und Herd oder Kühlschränke.

Die Investitionskosten zur Wiederherstellung der Wohnungen würden zwar zunächst von KLM getragen, erklärte Bürgervorsteher Peter Schnittgard. Allerdings erhalte das gemeindeeigene Unternehmen zur Refinanzierung in vollem Umfang die Nutzungsgebühren, die über das Land Schleswig-Holstein gezahlt werden. Die ersten Wohnungen sollen Ende September bezugsfertig sein, teilte Schnittgard mit, der größere Teil etwa Ende Oktober und mit der Instandsetzung der restlichen Wohnungen sei bis Weihnachten zu rechnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert