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Bürgerentscheid auf Sylt : Sylt sagt „Ja“ zum Erhalt der Hallen

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Bürger gegen einen Abriss entschieden. Bereits am Dienstag berät der Hauptausschuss über das weitere Vorgehen.

„Der Souverän ist der Bürger, und der hat heute gesprochen“, sagte Bürgervorsteher Peter Schnittgard, nachdem gestern Abend gegen 19 Uhr das Ergebnis des Bürgerentscheides zum Erhalt der Hallen 25 und 28 feststand. Die Auszählung war eindeutig: Mit 3201 Ja-Stimmen (77,4 Prozent) und 934 Nein-Stimmen (22,6 Prozent) – bei einer Beteiligung von 4155 Syltern – war der Bürgerentscheid zugunsten der Hallen-Befürworter ausgegangen. Um die Auszählung live zu verfolgen, waren etwa 50 Bürger und Politiker aus beiden Lagern in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen, wo das Ergebnis live auf einer großen Leinwand präsentiert wurde.

Je weiter der Balken mit den Stimmen zum Erhalt der Hallen nach oben stieg, desto breiter wurde auch das Grinsen von Lars Schmidt, der den Bürgerentscheid initiiert hat. „Ich freue mich wirklich sehr“, sagte er nach Auszählung der Stimmen. „Nicht nur über das Ergebnis, sondern auch darüber, dass die Bürger die Gelegenheit genutzt haben und wirklich ein eindeutiges Votum abgegeben haben“, so Schmidt. „Wir haben das Quorum erreicht und außerdem noch eine höhere Wahlbeteiligung als bei der Flensburger Bürgermeisterwahl“, sagte er stolz und betonte: „Ich glaube, der Bürger hat erkannt, wer das fairere und bessere Team war – und hat das entsprechend honoriert.“

Schmidt hat klare Vorstellungen davon, wie es jetzt weitergeht: „Wir könnten am Dienstag im Hauptausschuss eigentlich schon alles klar machen“, sagte er zuversichtlich. Vorher solle Bürgermeister Nikolas Häckel allerdings aufgrund des Votums nun Widerspruch gegen die Nutzungsuntersagung des Kreises einlegen, so Schmidt. „Und auch die Klage beim Denkmalschutz ist zurückzuziehen.“

Bürgermeister Nikolas Häckel war als Abstimmungsleiter für den Bürgerentscheid eingesetzt. Er zeigte sich nach der Auszählung der Stimmen weitestgehend emotionslos über das Ergebnis: „Das ist eine klare Meinungsbildung der Bevölkerung, die hier getroffen worden ist“, sagte er, nachdem das vorläufige Endergebnis bekannt wurde. „Wir haben jetzt am Dienstagabend Abstimmungsausschuss und die erste klare Folge der Abstimmung wird sein, dass wir die Klage im Denkmalrecht zurücknehmen werden“, so Häckel. Ansonsten ergebe sich keine konkrete Rechtsfolge aus dem Ergebnis, sagte er.

Häckel betonte, er sei froh, dass nun endlich ein Ergebnis vorliege: „Es freut mich, dass wir nun mit einem Ergebnis arbeiten können und nicht weiter in einem Spannungsfeld stehen. Nun weiß auch die Politik, wie es weitergehen wird und wir können in geordneten Bahnen weiterarbeiten.“

Deutlich mehr Reaktion zeigte Maria Andresen: „Von dem Ergebnis bin ich enttäuscht“, sagte die Fraktionsvorsitzende vom Bündnis 90/Die Grünen. „Ich hätte von den Eindrücken und vorherigen Gesprächen gedacht, dass wir mindestens ein Drittel der Stimmen erhalten“.

Für den Abriss hatte sich im Vorfeld der Abstimmung auch die SPD bekannt. Jörg Leumann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Sylt, zeigte sich nach der Auszählung jedoch moderat: „Das Ergebnis ist absolut anzuerkennen“, sagte er. „Der Wahlkampf wurde im Vorfeld sicherlich sehr emotional geführt und es hat sich auch einiges hochgeschaukelt“, so Leumann. Nun sei es aber an der Zeit, sich an einen Tisch zu setzen und nach der Lösung zu suchen, die für Sylt und die Gemeinde richtig ist, betonte er. „Ich sehe da durchaus noch ein gewisses Spannungsfeld hinsichtlich der momentanen Nutzungsuntersagung durch den Kreis und man muss auch die Kosten nochmal ganz genau betrachten.“

Als das Ergebnis eindeutig für den Erhalt der Hallen wurde, klatschte Christian Thiessen (Insulaner-Piraten) vor Freude laut in die Hände. Mit der Wahlbeteiligung sei er jedoch nicht zufrieden: „Das Quorum ist erreicht worden, trotz einer bedenklich geringen Wahlbeteiligung“, sagte er. „Ich finde, um die 50 Prozent hätte man schon anstreben sollen.“ Dennoch sei es in seinen Augen ein wichtiges Ergebnis, weil es zeigt, dass die Bürger in einzelnen Punkten eine andere Meinung haben als die Mehrheit in der Gemeindevertretung und der Parteien, die sie gewählt haben“. Man müsse die Bürger öfter fragen, vorher fragen und direkter fragen, betonte Thiessen. „Das ist das Rezept gegen Politikverdrossenheit.“

Dass die Diskussion um die Hallen nun noch nicht abgeschlossen ist, betonte schließlich Peter Schnittgard: „Wer meint, dass jetzt die Arbeit damit beendet ist, der liegt falsch. Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an, denn jetzt müssen wir mit der Umsetzung beginnen“.

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erstellt am 12.Jun.2016 | 21:22 Uhr

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