zur Navigation springen

Marschbahn : Sylt-Pendler machen ihrem Ärger Luft

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

300 Sylt-Pendler und ihre Familien trafen sich zur Mahnfeuer-Party in Niebüll – ab heute soll es keine Zugausfälle mehr geben.

Niebüll | Kälte, Regen und Hagel trotzend, versammelten sich am Freitagabend etwa 300 Sylt-Pendler mit ihren Familien auf dem von Timo Kleinert-Clausen zur Verfügung gestellten Gelände hinter der Team-Tankstelle in Niebüll. Organisiert hatte dieses Treffen die Pendler-Initiative, um ein weiteres Mal Präsenz zu zeigen und auf die seit einem Jahr andauernden Defizite bei der Bahn aufmerksam zu machen.

Zwischen dem Frust, der Verzweiflung aber auch der Hoffnung der Pendler drängt sich an diesem Abend immer wieder eine entscheidende Fragen auf: Findet das Ersatzkonzept wie angekündigt am heutigen Montag tatsächlich ein Ende? Wird nach einem Jahr der Weg nach und von Sylt endlich wieder stressfreier? Und werden tatsächlich alle 90 Marschbahnwagen und die entsprechende Zahl an Loks wieder eingesetzt werden können?

Dieter Harrsen, Landrat von Nordfriesland, gibt zu, dass er das bezweifelt: „Von einem auf den anderen Tag kann sich nicht alles zum Guten wenden, da sind sich wohl alle Beteiligten einig.“ Das Gros der Schuld sieht er beim Staat, der von Anfang an in den verantwortlichen Ausschreibungen keine klaren Vorgaben gesetzt habe. Es wurden keine Voraussetzungen, wie beispielsweise eine landesweite und schnell abrufbare Reserve vereinbart. Die Tragweite dieses Versäumnisses wäre nun für die Kunden der Bahn, für Nordfriesland und Sylt sowie im Endeffekt auch für den Staat, dem Steuereinnahmen entgehen, wenn die Menschen nicht arbeiten können, spürbar. Diese Zustände seien unhaltbar und dauerten schon viel zu lange an, Harrsen betont: „Nordfriesland steht hinter seinen Bürgern!“

Auch Achim Bonnichsen, Sprecher der Pendler-Initiative, findet deutliche Worte für das, was den Pendlern seit langem angetan wird. Der Lohn der ihnen und ihren Arbeitgebern entginge, sei eine Sache, „aber die Lebenszeit, die man jedem einzelnen von ihnen stiehlt, ist nicht zu bezahlen.“

Das sieht augenscheinlich auch die Bahn so, denn die versucht es gar nicht erst mit Entschädigungszahlungen. Dabei erhält diese pro Jahr 35 Millionen Euro vom Staat, auch um den Verkehr nach Sylt zu sichern. Die Leistung, die jedoch erbracht werde, sei insbesondere in den Augen der Pendler alles andere als „ausreichend“.

Überfüllte, dreckige, ausgefallene und verspätete Züge stehen für sie auf der Tagesordnung. Verständlicherweise komme Frust auf, wenn an manchen Tagen zehn Züge nicht fahren und die Menschen keine Gewissheit darüber haben, ob und wann sie nach Hause kommen. „Wir haben keine andere Wahl, als den Zug zu nehmen und das wissen die“, kritisiert Bonnichsen. Die Handhabungen der Bahn verursachten viel Unverständnis und Wut bei den Menschen, die an jedem Tag auf dieses Verkehrsmittel angewiesen sind. Denn selbst aus haltlos überfüllten Zügen würden die Pendler aus den 1. Klasse- Waggons verbannt, da ihre Ticktes für diese Abteile nicht gültig sind.

„Wir sind auch nur Menschen“, mahnte eine Pendlerin mit resignierter Stimme. Pendler sind auch Bahnkunden, aber wie Kunden kämen sich nur noch die wenigsten vor. Galgenhumor ist bei vielen an den Platz der Frustration getreten und während man sich am Feuer der auch als Mahnwachen aufgestellten Feuertonnen wärmt, kommt schnell der Vorschlag auf, dass doch solche gerne die Bahn aufstellen möge, wenn ihre Kunden mal wieder länger als geplant auf die Züge warten müssten.

Niebüll Bürgermeister Wilfried Bockholt ist an diesem Abend verhindert und kann sich nicht äußern, doch am 27. November sind alle Interessierten ab 10 Uhr zum Sonder-Kreistag nach Husum geladen. Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz hat zu diesem Termin bereits zugesagt. Schlussendlich übergibt Achim Bonnichsen an die Band des Abends „Watt N Pack“, mit den Worten: „Viele von euch sehe ich dann am Montag. In den neuen Marschbahnwagen. Pünktlich.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert