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Reaktionen auf den Reise-Check im Ersten : Sylt oder Rügen? ARD vergleicht „Äpfel mit Birnen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Den „ARD-Reise-Check“ sahen 2,57 Millionen Zuschauer. Sylt-Fans auf Facebook und andere zeigen sich wenig begeistert vom TV-Beitrag.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2015 | 05:56 Uhr

Ein ARD-Reisecheck sorgt für Aufregung auf Sylt. 2,57 Millionen Zuschauer schalteten am Montag zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr den Fernseher ein, um den Insel-Vergleich „ARD-Reise-Check: Sylt oder Rügen?“ im Ersten zu sehen. Doch wer einen objektiven Test von zwei deutschen „Tourismus-Produkten“ erwartete, wurde schnell enttäuscht. Die Reporter arbeiten nach dem Prinzip, jedes Klischee über Sylt sollte thematisiert, einige Vorurteil bestätigt werden. In der ARD-Mediathek kann man sich den Reise-Check noch ansehen.

„Sylt wurde auf Klischees reduziert“, schreibt Lothar Hagner auf Facebook. Unter dem Titel „Bekannte Klischees, unentschiedenes Urteil“ kritisierte die Sylter Rundschau den „ARD-Reise-Check: Sylt oder Rügen?“.

 

Das fanden auch die meisten Facebook-Nutzer, die sich auf der Seite der Sylter Rundschau zum Fernsehbeitrag äußerten: „Man hat Äpfel mit Birnen verglichen uns das Ganze mit abgedroschenen Phrasen untermalt“, schreibt Annette Kuschel. Lisa Göhring schreibt: „Warum wurde mal wieder nur das Klischee bedient, anstatt mal Hörnum, Braderup, Rantum etc. zu zeigen, dort kann man schön und deutlich günstiger Urlaub machen.“

Auch alte Vorurteile werden rund 25 Jahre nach dem Mauerfall hervorgekramt: Das des anspruchslosen „Ossis“ und das des Champagner-trinkenden Sylters im Westen. „Sylt ist teuer - das ist nun mal eine Tatsache, trotzdem bin ich lieber auf Sylt als auf Ossi-Rügen“, schreibt Daniel Maus auf Facebook.

Das bestätigt auch Frömmter, wenn sie schreibt: „Das war nicht Sylt gegen Rügen sondern mal wieder Ost gegen West und wir werden nie eine Einheit […] ich bin geborene Insulanerin […] und ich fahre auch gerne nach Rügen, denn es ist egal was welche Insel mehr oder weniger bietet, sie sind beide auf ihrer Weise wunderschön, und haben beide was zu bieten es kommt darauf an was man will.“

Stefan Dörge ärgert sich: „Ich war in den letzten zwei Jahren sieben Mal auf Rügen und schon 100 Mal auf Sylt - der Vergleich ist lächerlich“, und weiter: „Einen so schlechten Bericht habe ich lange nicht gesehen.“

Die ungleichen Ausgangsvoraussetzungen kritisiert auch Steffi Herrmann: „Allein der Urlaubervergleich hinkt: Sylt Hausscheibe unter Reet mit drei Kleinkindern und Rügen Ferienwohnung mit einem großen Kind und Hund.“

Nicht einen Deut schlauer fühlt sich Ulrich Müller nach dem Beitrag: „Ich frage mich immer noch was die Absicht war diese beiden Inseln zu vergleichen? Und welches Ziel mit dem Bericht erreicht werden sollte?“ Nur wenige äußern sich positiv zum „ARD-Reise-Check: Sylt oder Rügen?“. Elisabeth Rüskamp „fand es ganz interessant! Der Preisvergleich bei der Anmietung von Ferienwohnungen und die der Supermärkte hat mich doch verwundert“, schreibt die Frau.

Auch auf der Facebook-Seite der in Rostock erscheinenden Ostsee-Zeitung war nach der Sendung einiges los. Auch dort wird kritisiert, dass zu viele Sylt-Klischees thematisiert wurden und beide Inseln ihre Vor-und Nachteile haben. Der Bauboom auf Rügen wird hier häufig thematisiert: Eine Userin schreibt: „Rügen ist meine große Liebe seit 15 Jahren, leider wird es auch bald unbezahlbar.“

Wie bei der nordfriesischen Insel, gibt es auch bei der größten deutschen Insel absolute Fans: „Ja, natürlich ist Rügen schöner und abwechslungsreicher“, schreibt Susanne Menzel. „Eigentlich kann man sie nicht vergleichen. Lassen wir SchickiMicki außen vor, ist Sylt eine schöne Insel mit schönen Stränden, Dünen, Ebbe und Flut. Ich liebe aber Rügen mit seiner Vielfalt“, wie Anke Riesie denken viele Leser der Ostsee-Zeitung.

Eines wird deutlich wenn man die Facebook-Kommentare vergleicht: Die eine lieben die Nordsee, die anderen die Ostsee – die einen fahren lieber nach Sylt, die anderen lieben Rügen. Und: Einige finden eben beide Inseln wunderbar. Jede besitzt einen eigenen Charme, den man je nach persönlichem Geschmack, Vorlieben und Ansprüchen genießen kann.

Bei der Sylt Marketing (SMG) habe es bisher keine Reaktionen auf den Fernsehbeitrag gegeben, berichtet Geschäftsführer Moritz Luft. „Der Film ist absolut überflüssig“, das habe er aber schon vor der Ausstrahlung gedacht. Als negative Werbung für die Insel betrachte er die Ausstrahlung nicht. „Das ist das Tagesgeschäft“, denn überall gäbe es Menschen, die andere Urlaubsziele anpreisen, das sei auf jeder Reisemesse so. „Ich finde es schade, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich, obwohl sie so viel Geld kosten, an den gängigen Klischees bedienen“, empört sich Luft. Der Versuch, die Promis auf Sylt abzuzählen, sei ein hilfloser. Auch Zählung der Sonnenstunden halte er für nicht passend. „Die Gäste kommen auch und gerade wegen des rauhen Reizklimas nach Sylt.“ Zudem halte er den Sendeplatz in der Prime-time als völlig vergeudet für ein solches Format.

Dem stimmt auch Christian Matthiesen vom Hotel Budersand in Hörnum zu. Der Marketingchef des Hotels bedauert, dass nur das altbekannte Sylter Bild von der Insel der Reichen, der Champagner trinkenden Prominenten hervorgeholt werden. Die vielen Facetten der Insel, die Natur, das tolle rauhe Klima, die Familienplätze, die blieben unbeachtet. Auch auf Sylt könne man einfach mal ein Fischbrötchen essen. „Es ist einfach schade, dass sich mit so einer Destination nicht beschäftigt wird - Klischees ändern sich mit der Zeit“, ärgert sich Matthiesen. „Ich hätte mir eine tiefgründigere Recherche gewünscht und nicht alte Bilder die wieder hervorgekramt werden.“

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