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Sylter Rundschau

22. August 2017 | 07:57 Uhr

Strandgut : Sylt kurz vor dem Image-Wandel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer aktuellen Kolumne Strandgut macht sich Jörg Christiansen darüber Gedanken, ob die Sylter Rundschau nicht einen Vorleser anheuern sollte.

Von wegen: Sylt, die Insel der Schönen und Reichen. Dieses Image – oder sollen wir es lieber Klischee nennen? – müsste unser Eiland seit diesem Sommer eigentlich endlich mal los sein. Nimmt man ein in großer Zahl stattfindendes und öffentlich wahrgenommenes Phänomen wie Lesungen von Autoren aller Art als Auslöser für ein Image, dann sollte Sylt gute Chancen haben, künftig als Insel der Schriftsteller und Literaturbeflissenen bezeichnet zu werden. Wenn schon nicht vom Boulevard (beide Begriffe sind zu lang und kompliziert), dann wenigstens vom Feuilleton, dessen Rezipienten – wie natürlich auch die Leser dieser Kolumne – Fremd- und zusammengesetzte Hauptwörter auch ohne Duden auf Anhieb verstehen.

Okay, das mit dem Image-Wandel wird so schnell wohl nicht funktionieren, aber die Fülle an Autorenlesungen ist in diesem Sommer wirklich verblüffend. Da schwadroniert alle Welt über den Untergang des guten alten Buches, beklagt steigende Smartphone- und sinkende Lesekompetenz des Nachwuchses – doch die Insel entdeckt auf einmal ihr Faible für das gedruckt Wort in seiner gesprochenen Form. Wurde bisher vor allem beim Kampener Literatursommer laut gelesen, weil dort prominentere Zeitgenossen die unter ihrem Namen erschienenen Werke einem mehr am Namen als am Werk interessierten Publikum vorstellen, so gibt es in diesem Sommer kaum ein Entrinnen vor lesefreudigen SchriftstellerInnen. Mangelnde Prominenz (nicht zu verwechseln mit Kompetenz) wird dabei gerne durch mehr oder weniger originelle Veranstaltungsformen kompensiert. Da wird im Duett (Motto: zwei Frauen, zwei Inseln, eine Lesung) oder gleich im Quartett gelesen oder zur Häppchen-Lesung mit original Gemüse- und Salat-Zubereitung geladen. Die geschickteste Art, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, wählte eine aufstrebende Journalistin, die erst ihr Kampener Publikum schröpfte, um ihm dann von der anderen Seite des Zaunes – pardon: des Hindenburgdammes – verbal so richtig ans Bein zu pinkeln. Die Dame hat verstanden, wie das Geschäft läuft.

Bleibt die Frage, ob sich die Leserei auch für die anderen Autoren lohnt, sie dadurch den Absatz ihrer Bücher oder ihren Bekanntheitsgrad steigern? Zu wünschen wäre es ihnen. Vielleicht gibt der eine oder die andere ja mal eine Rückmeldung an die Redaktion. Nur um abschätzen zu können, ob es Sinn macht, im nächsten Sommer jeden Morgen einen Redakteur oder freien Autoren in die Musikmuschel zu setzen und aus der Sylter Rundschau vorlesen zu lassen. Je nach Publikumszuspruch gerne auch auf Wunsch bestimmte Artikel. Sollte das nicht ankommen, bleibt als letzter Joker nur noch, bei einem TV-Quiz groß abzusahnen und den Bekanntheitsgrad zu nutzen, um.... – ach ne, das hatten wir ja schon.

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erstellt am 31.Aug.2013 | 05:15 Uhr

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