Abitur in SH : Sylt kehrt zurück zu G9

Schulzentrum Sylt streicht G8-System und kehrt zum Abitur nach neun Jahren Schulzeit zurück.
Das Schulzentrum Sylt kehrt ab vom G8-System.

Die Schulkonferenz hat mit deutlicher Mehrheit einen Antrag zur Fortsetzung des Abiturs nach acht Jahren abgelehnt.

shz.de von
02. Februar 2018, 10:46 Uhr

Am Sylter Gymnasium gilt ab dem Schuljahr 2019/2020 wieder G9 – bis zur Abiturprüfung müssen die Schüler also nach der Grundschule neun Jahre aufs Gymnasium statt bisher acht Jahre. Das hat die Schulkonferenz des Schulzentrums am Donnerstagabend hinter verschlossenen Türen entschieden. Die nötige Dreiviertelmehrheit für G8 kam nicht zustande.

„Die ganze Schulkonferenz sowie das Wahlverfahren liefen äußerst ruhig, sachlich-konstruktiv und professionell ab“, berichtete Schulleiterin Gonde Detlefsen im Anschluss an die Sitzung. Der Antrag der Schulleitung, dass am Schulzentrum das achtjährige Bildungsangebot auch über das Schuljahr 2018/2019 hinaus beibehalten wird, sei mit 25 zu 10 Stimmen abgelehnt worden.  Damit wird ab dem Schuljahr 2019/2020 am Gymnasium des Schulzentrums Sylt gemäß gesetzlicher Vorgabe des Landes Schleswig-Holstein wieder der neunjährige Bildungsgang eingeführt.

„Ich freue mich, dass ein aktiver Entscheidungsfindungsprozess heute seinen Abschluss gefunden hat und nunmehr Klarheit über die weitere Ausrichtung der Schule hinsichtlich der Bildungsgänge besteht“, erklärte Direktorin Gonde Detlefsen. Nun gehe es mit allen Beteiligten der Schulgemeinschaft und mit dem Schulträger um die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung der Vorgaben.

Ihr Versprechen: „Das Schulzentrum Sylt mit seinen zwei starken Schulteilen unter einem Dach werden wir noch weiter entwickeln, um weiterhin für alle Sylter Schüler im Gemeinschaftsschulteil, im auslaufenden G8- und im neu zu gestaltenden G9-Gymnasium langfristig den für jedes Kind bestmöglichen allgemeinbildenden Schulabschluss und eine größtmögliche Vielfalt an Angeboten auf der Insel anbieten zu können.“

Sylter Schulleiterin Gonde Detlefsen
Pierre Boom
Die Sylter Schulleiterin Gonde Detlefsen (l.) und ihr Stellvertreter Wolf-Dietmar Stein.

Von 35 anwesenden Mitgliedern der Schulkonferenz hätten mindestens 27 für G8 stimmen müssen, erläuterte der stellvertretende Schulleiter Dr. Wolf-Dietmar Stein. „Davon waren wir weit entfernt.“ Über das Thema sei im Vorfeld reichlich diskutiert worden – leider nicht immer sachlich. Mehrere Mitglieder der Schulkonferenz, die aus je zwölf Schülern, Eltern und Lehrern besteht, hätten von  unzumutbarem Druck und von üblen Beleidigungen berichtet. Ähnliche Auswüchse habe es zuletzt 2009/10 gegeben, als über die künftige Organisation des Schulzentrums zu entscheiden war, erinnert sich Stein.

Die Viertklässler, die im August auf das Gymnasium kommen, werden noch ein Jahr nach G8 unterrichtet. Das Ministerium habe die Übergangszeit auf ein Jahr festgelegt. Praktische Konsequenzen hat das für die Fünftklässler aber nicht. Die zweite Fremdsprache (Französisch oder Latein) kommt statt in der sechsten künftig erst in der siebten Klasse hinzu. Damit sinke die Zahl der Wochenstunden in der 6. Klasse um drei oder vier.

Die Rückkehr zu G9 könnte zwei Nachteile für das Sylter Schulzentrum mit sich bringen, befürchtet der stellvertretende Schulleiter. Zum einen zeigten Erfahrungen aus Baden-Württemberg, dass die Anmeldezahlen für das Gymnasium drastisch steigen könnten. Viele Eltern glaubten, das G9-Abitur sei einfacher und würden ihre Kinder im Zweifel eher für das Gymnasium als für die die Gemeinschaftsschule anmelden. „Doch G9 ist kein Gymnasium light!“, stellt Wolf-Dietmar Stein klar. 

Seine zweite Befürchtung: : „Langfristig könne sich der Verzicht auf G8 negativ auf die Oberstufe auswirken, aber wir werden alles versuchen, um dem entgegenzuwirken.“ Im Jahr 2009 habe der Landesrechnungshof schon einmal kritisch hinterfragt, ob die Schülerzahlen auf der Insel eine Oberstufe rechtfertigten. Damals seien es 121 Schüler in den oberen drei Jahrgängen gewesen. Dank vieler Gemeinschaftsschüler, die nach der 10. Klasse ans Gymnasium wechselten, habe die Zahl auf 230 gesteigert werden können, so Stein. Künftig könnte es Zehntklässlern wieder schwerer fallen,  fachlich mit den (dann gleichaltrigen) Gymnasiasten mitzuhalten.

„Für G9 braucht man zuerst während der Übergangsphase weniger Lehrer“, sagt Wolf-Dietmar Stein. Das Kieler Bildungsministerium habe jedoch versprochen, möglichst alle Lehrer am Sylter Schulzentrum zu halten. „Wir bauen auf dieses Wort.“

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