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Flüchtlinge auf Sylt : Sylt ist bereit für neue Asylbewerber

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In den nächsten Wochen werden noch mehr Flüchtlinge auf die Insel kommen. Die Gemeinde richtet neue Unterkünfte in Westerland und Keitum ein.

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Zirka 629  000 Asylbewerber, Flüchtlinge und so genannte geduldete Ausländer lebten laut Angaben der Bundesregierung von dieser Woche zum Ende des vergangenen Jahres in ganz Deutschland. Auf Sylt sind es seit Donnerstag genau 90 Personen, die hier zumindest vorübergehend ein neues Zuhause nach zeitweise monatelanger Flucht, politischer Verfolgung oder religiöser Vertreibung gefunden haben – darunter 19 Frauen und ebenso viele, überwiegend noch sehr kleine Kinder. Die Liste ihrer Herkunftsländer, so Gabriele Gotthardt, die Leiterin des Ordnungsamt der Gemeinde Sylt, spiegelt die aktuellen Krisenregionen der Welt wider: Afghanistan, Somalia, Syrien, Eritrea und Iran, aber auch Armenien, Mazedonien, Russland oder die Türkei.

Auf dem Westerländer Bahnhof nahmen Gotthardts Mitarbeiter vom „Team Asyl Sylt“ am gestrigen Vormittag vier Kosovo-Albaner in Empfang, die ihr Heimatland wegen „ethnischer Säuberungen“ verlassen mussten und nach dem Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster sowie einer zweitägigen Zwischenstation in Niebüll der Insel Sylt als Zielort zugewiesen wurden. „Nach den ersten behördlichen Wegen zum Einwohnermeldeamt und zum Sozialzentrum wollen alle Neuankömmlinge natürlich sehen, wo sie künftig wohnen werden“, sagt Außendienstmitarbeiter Jürgen Ebert. „Gut, dass wir es noch geschafft haben, zumindest eine unserer neuen Wohnung rechtzeitig bezugsfertig zu kriegen“, ergänzt Jan Klein, Sozialarbeiter im Ordnungsamt der Gemeinde.

Denn die vier jungen Männer vom Balkan sind die ersten Asylbewerber, die in zwei leerstehenden Wohnungen im obersten Stockwerk der ehemaligen Feuerwache unmittelbar am Westerländer Rathaus untergebracht werden. „Schon für kommenden Mittwoch sind mindestens zwei weitere Flüchtlinge angekündigt“, erklärt Klein. „Aber wir wissen selten, wie viele genau kommen. Und auch nicht, ob es Männer oder Frauen, vielleicht sogar mit Kindern sind.“ Weil alle Unterkünfte auf Sylt bereits ausgelastet sind, arbeiten Handwerker derzeit mit Hochdruck in der Nachbarwohnung. Insgesamt könnten dann über der alten Feuerwache zehn bis zwölf Personen einziehen.

„Angesichts eines mit Sicherheit zu erwartenden Anstiegs auf deutlich über einhundert Asylbewerber müssen wir allerdings kurzfristig noch weitere Objekte herrichten“, bestätigte Bürgermeisterin Petra Reiber. Deshalb würden die Handwerker sofort nach Fertigstellung der Westerländer Wohnungen nach Keitum in das vom Land endlich zur Verfügung gestellte Polizeihaus geschickt. „Zum Glück wurde hier während des Leerstands geheizt, offensichtlich aber nie gelüftet“, stellte Reiber beim Ortstermin fest. Also muss Schimmel beseitigt, neu tapeziert und gemalert werden. Alles in allem rechnet die Bürgermeisterin mit vier Wochen, ehe die nächsten Asylbewerber in das 200 Quadratmeter große Doppelhaus unweit der Kirche St. Severin einziehen können.

Außer den Renovierungs- und Installationsarbeiten steht in allen Häusern, die als Unterkünfte für Asylbewerber genutzt werden, eine Grundeinrichtung mit Möbeln wie Betten, Schränken, Stühlen und Esstischen sowie den notwendigsten Haushaltsgeräten an erster Stelle. „Wenn es irgendwie geht und falls gerade auf Lager ist, was wir brauchen, arbeiten wir dabei mit der Werkstatt 36 des Diakonischen Werks Südtondern zusammen“, erläutert Jan Klein. „Das dient ja schließlich gleich mehrfach dem guten Zweck.“ Manche Sylter, ob Privatleute oder Appartement-Vermieter, würden mittlerweile ihre gebrauchten Möbel oder ihren Hausrat sogar ganz gezielt zur Weitergabe an dringend Bedürftige wie Flüchtlinge und Asylbewerber spenden. Allerdings empfiehlt der Sozialarbeiter, die Sachen nicht einfach ins Auto zu laden und zur Werkstatt 36 zu fahren. „Besser den Mitarbeitern erst Fotos davon zeigen oder einen Termin zuhause vereinbaren. Alles wird gerne besichtigt und dann natürlich auch abgeholt.“

Ordnungsamts-Chefin Gaby Gotthardt lobt denn auch die Hilfsbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement viele Insulaner. „In Sachen Willkommenskultur hat sich nach ersten Schwierigkeiten und auch Missverständnissen zum Glück viel zum Guten entwickelt.“

 

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