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Serie "Zurückgeblättert" : Sylt im September 1974: Ein Sturm, ein Schuss und viele Trainer

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie geht es heute um einen heftigen Sturm, zwölf Robbenbabies, 300 Fußballtrainer und eine Flaschenpost.

Wie das Eiland wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert!“ lässt Autor Frank Deppe anhand von gesichteten Zeitungsbänden des Sylter Archivs die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.


Sylt im September 1974. Ein kräftiger Sturm wütete an Sylts Stränden. Besonders gravierend waren die Folgen für Westerland: 342 Strandkörbe wurden schwer beschädigt, der Sachschaden belief sich auf rund 45  000 Mark.

Nicht allein, dass die Kurverwaltung die Körbe nicht versichert hatte: Mehrere Politiker verschiedener Fraktionen übten heftige Kritik an der Kurverwaltung: Sie habe die Feuerwehr trotz Sturmflutwarnung zu spät alarmiert, so dass nur ein Teil der Körbe vom Strand geborgen werden konnte. Mit Blick auf die Kurverwaltung wurden von Seiten der Politik auch personelle Konsequenzen gefordert und der Kurdirektor zeitweilig beurlaubt.
Der frühe Herbststurm traf auch die Sylt-Fähre, die über Nacht auf einer Sandbank fest saß. Trostpflaster für die zwanzig Passagiere: Sie durften zum Nulltarif speisen und trinken, so viel sie wollten.
Doch die Sturmflut förderte auch Überraschendes zutage: Im Süden Westerlands wurden am Strand die Überreste zweier Brunnen frei gelegt. Sie waren Relikte des vor Jahrhunderten untergegangenen Sylter Ortes Süddorf.
Zusätzliche Arbeit kam auf den Sylter Landtagsabgeordneten Ernst-Wilhelm Stojan zu: Zum einen wurde er zum neuen Vorsitzenden des Westerländer SPD-Ortsvereins gewählt und löste damit Heinz Kroll ab, der nicht wieder kandidierte. Zudem übernahm Stojan nach dem plötzlichen Tod von Kurt Pahnke den Vorsitz der Lebenshilfe Sylt. Als dringlichstes Problem nannte Stojan die Suche nach einem geeigneten Domizil für die Sonderschulklasse und den Sonderhort – die derzeitige Unterbringung im Geschwister-Scholl-Heim sei nur ein Provisorium.
„Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, zitierte die Sylter Rundschau Günter Schmidt, seines Zeichens Vorsitzender des Westerländer Schützenvereins. Grund der Freude: Im Westerländer Hofbräuhaus wurde die modernisierte Schießsportanlage eingeweiht. Und Schmidt oblag es denn auch, auf einem der insgesamt neun Schießstände den ersten Schuss abzugeben.
Wenig später ermittelten die Schützen dann ihre neuen Majestäten. Zum König avancierte Wolfgang Häckel, Kronprinz wurde Günter Schmidt, Prinz Hauke Hoppe. Den Titel des Jugendkönigs errang Henner Krogh.
24 Kurse offerierte die Volkshochschule Westerland für das bevor stehende Wintersemester. Die Bandbreite reichte von Arbeiten mit Ton und Schach über Tippen auf der Schreibmaschine und Stenographie bis hin zu Dänisch für Anfänger und Einführung in die Literatur der DDR.
Zwölf verwaiste Seehundbabies waren die Bilanz der Wurfsaison: Vorrangig an der Sylter Südspitze hatte Seehundsjäger Dethlef Detlefs die Heuler aufgefunden und zur Aufzuchtstation in Büsum verfrachtet.
Vorfreude für einen engagierten Sylter: Das Kuratorium für den C.-P.-Hansen-Preis gab bekannt, dass der Preis im Dezember an Hörnums ehemaligen Bürgermeister Hermann Petersen vergeben werde. Außerdem wolle man dem pensionierten Amtmann Harald Hansen die Ehrenmitgliedschaft verleihen.
Die Insel als Etappenziel der Deutschen Meisterschaften im Motorflug: 46 Maschinen landeten im Minutentakt auf dem Sylter Flughafen. Lediglich ein Missgeschick trübte die Stimmung des betreffenden Piloten: Er rammte mit seinem Flugzeug einen Zaun.
Diese Nachricht elektrisierte im September 1974 alle Fußballfans: Für den Sommer 1975 wurde in List ein internationaler Fußballlehrer-Kongress geplant. Mehr als 300 Trainer erwarte man, darunter so populäre Namen wie Jupp Derwall und Helmut Schön.
Grüße von Insel zu Insel: 23 Tage währte die Reise einer Flaschenpost, die das Meer einem Urlauber am Strand zwischen Wenningstedt und Westerland vor die Füße spülte. Absender: Eine Familie, die die Ferien auf der ostfriesischen Insel Norderney verbracht hatte.


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