Serie "Zurückgeblättert" : Sylt im März 1973: Briefmarkenfreunde und eine lange Polonaise

Vorstand und Geehrte bei der Hauptversammlung des TSV Westerland.

Vorstand und Geehrte bei der Hauptversammlung des TSV Westerland.

In unserer Serie "Zurückgeblättert" geht es heute um den "Westerland-Ball" und den "Würdigsten Sportler des Jahres".

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07. März 2019, 08:00 Uhr

SYLT Die Insel hat viel erlebt und zu erzählen: In unserer Serie "Zurückgeblättert!" lässt Autor Frank Deppe anhand von gesichteten Zeitungsbänden des Sylter Archivs die jüngere Vergangenheit des Eilands wieder lebendig werden.

Sylt im März 1973. Im Rahmen einer Sitzung der Stadtvertretung legte das Bauamt Zahlen zur Bebauung des Ortes vor. Demnach standen in Westerland 2361 Wohnhäuser, davon 1846 Einfamilien- und 515 Mehrfamilienhäuser. Die 2361 Gebäude beherbergten 7552 Dauerwohnungen und 3028 Zweitwohnungen. Hinzu kamen im Stadtgebiet 578 Geschäftsgebäude und -hallen sowie 1160 Garagen.

Kurdirektor Hans Petersen eröffnete in Berlin den traditionellen 'Westerland-Ball'.
Deppe/Sylter Archiv

Kurdirektor Hans Petersen eröffnete in Berlin den traditionellen "Westerland-Ball".

Rauschende Ballnacht in Berlin: 2400 Sylt-Freunde und 90 Sylter feierten beim traditionellen "Westerland-Ball" im Palais am Funkturm. Gleich drei Tanzkapellen spielten auf, eine Tombola versprach Preise im Wert von 18.000 Mark, und der Westerländer Stadtvertreter Hans Ingwersen führte munter eine lange Polonaise an. "Dieses Fest ist ein Zeichen der Verbundenheit zwischen Sylt und den vielen treuen Urlaubern aus Berlin", unterstrich Westerlands Kurdirektor Hans Petersen in seiner Ansprache.

Großzügige Spende der Sylter Freimaurer: Die Loge "Frisia zur Nordwacht" finanzierte für einen neuen Kinderhort im Jugendheim in der Westerländer Bastianstraße die gesamte Einrichtung im Wert von 6000 Mark. "Wir möchten mit dieser Spende einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten", unterstrich Logenmeister Klaus Hansen.

Dänemarks Eintritt in die Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft (EWG) wirke sich auf den Lister Hafen ungünstig aus, berichtete die Sylter Rundschau. Immer mehr Kutter aus Husum, Tönning und Büsum würden ihre Fänge nun im Hafen der Nachbarinsel Röm anlanden, da dies für sie finanzielle Vorteile bringe. "Im Lister Hafen wird es dafür immer stiller", registrierte die Zeitung.

Ein Krabbenfischer im Lister Hafen – seine Kollegen fuhren lieber nach Röm.
Deppe/Sylter Archiv

Ein Krabbenfischer im Lister Hafen – seine Kollegen fuhren lieber nach Röm.

Eine besondere Ehrung erfuhr Helmut Sönksen bei der Hauptversammlung des TSV Westerland. Der Vorstand zeichnete den passionierten Fußballer als "Würdigsten Sportler des Jahres" aus. Der bereits 36-jährige Kicker zeichne sich nicht nur durch "ein großartiges spielerisches Geschick und eine erstaunliche Kondition, sondern auch durch seine Bescheidenheit", hieß es in der Begründung.

Eine besondere Ehrung wurde TSV-Fußballer Helmut Sönksen zuteil.
Deppe/Sylter Archiv

Eine besondere Ehrung wurde TSV-Fußballer Helmut Sönksen zuteil.

Aber auch eine Reihe anderer Sportler wurde vom TSV-Vorsitzenden Karl Buchloh ausgezeichnet. So erhielt Heinrich Petersen die Goldene Ehrennadel "für besondere Verdienste" und Gunter Boysen die Silberne Ehrennadel "für besondere Leistungen". Für 50-jährige Mitgliedschaft ehrte der Verein Bernhard Ipsen.

Als "außerordentlich befremdend" bezeichnete Buchloh die Idee, den Bastian-Sportplatz für den Wohnungsbau freizugeben. "Wir brauchen diesen Platz und werden uns nicht verdrängen lassen", konstatierte der Vorsitzende des 1450 Mitglieder zählenden Sportvereins.

Auf ein erfolgreiches Jahr blickte Alfred Domrös, Vorsitzender des 573 Mitglieder zählenden Vereins Tinnum 66, bei der Hauptversammlung zurück, auch wenn die Finanzlage weiterhin angespannt sei. Daher danke man der Gemeinde Sylt-Ost für die jährliche Unterstützung in Höhe von 1200 Mark. Erstmalig wurde das Amt eines Hauptsportwartes besetzt – für diesen Posten wählte die Versammlung Claas-Dirk Claasen.

Im Westerländer "Hofbräuhaus" kegelten Mädchen und Jungen aller Altersklassen auf vier Bahnen um die Titel der Jugendmeister. Es gewannen Manfred Urbansky (Jungen A), Erk Böteführ (Jungen B), Christiane Erken (Mädchen A) sowie Gebriele Jürgensen (Mädchen B).

Die erfolgreichsten Akteure der Keglerjugend.
Deppe/Sylter Archiv

Die erfolgreichsten Akteure der Keglerjugend.

Der Verein der Sylter Briefmarkenfreunde plante die Gründung einer Jugendgruppe. Diese solle im Städtischen Jugendheim in der Bastianstraße einen Treffpunkt finden. Weiterhin beibehalten wurden die beiden monatlichen "Tauschtage" in der Westerländer Bahnhofsgaststätte, während Wolfgang Müller im Rahmen der Hauptversammlung zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde.

Gedenken an Hans Werner Jessel: Der langjährige Direktor der Mittelschule verstarb im Alter von 85 Jahren. Jessel war zudem maßgeblich an der Gründung der Volkshochschule Sylt beteiligt, deren Ehrenvorsitzender er wurde. Der gebürtige Dannenberger verfasste unter anderem auch eine Chronik der Stadt Westerland und ein Buch über Fliesen.

Anzeige im März 1973
Deppe/Sylter Archiv

Anzeige im März 1973

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