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Sylter Rundschau

22. Oktober 2017 | 11:09 Uhr

Lösungssuche : Sylt: Hebammen mahnen an

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach Schließung der Sylter Geburtsstation gibt es noch kein Notfallkonzept.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2015 | 10:59 Uhr

Einige waschechte Sylter wird es auch in Zukunft noch geben: Im vergangenen Jahr kamen auf der Nordseeinsel noch neun Kinder zur Welt, dieses Jahr waren es schon zwei. Aber: „Geplant sind die alle nicht“, sagt die Sylter Hebamme Anke Bertram.

So wurden sechs der Neusylter aus dem vergangenen Jahr zu Hause geboren, bei einem Fall sei sie erst im letzten Moment angerufen worden, erzählt Bertram. „Ich war drei Minuten vor dem Kind da.“ Drei Kinder kamen 2014 noch in der Nordseeklinik in Westerland zur Welt.

Diese hatte zum 1. Januar des Jahres ihre stationäre Geburtshilfe geschlossen. Die Asklepios Nordseeklinik Westerland hatte erklärt, sie könne ihren Versorgungsauftrag nicht weiter erfüllen. Insgesamt erblickten auf Sylt zuletzt rund 100 Kinder pro Jahr das Licht der Welt. Zum Vergleich: Im Diako-Krankenhaus in Flensburg sind es jährlich um die 1600. Derzeit gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums 22 geburtshilfliche Einrichtungen in Schleswig-Holstein. Und auch wenn dem Ministerium zurzeit keine Überlegungen bezüglich weiterer Schließungen bekannt sind: Längerfristig und bundesweit gibt es den weiterhin andauernden Trend zur Konzentration, wie ein Ministeriumssprecher sagt.

Die derzeitige Situation auf Sylt ist schwierig; für Schwangere und Hebammen. Der Grund: Einen Notfallplan gibt es nicht, die drei Hebammen haben keine Rufbereitschaft. Die Geburtshelferinnen haben daher jetzt gemeinsam mit ihrem Anwalt ein Schreiben an das Gesundheitsministerium in Kiel auf den Weg gebracht, in dem gefordert wird, die Hebammen mit in ein Notfallkonzept aufzunehmen.

Der Normalfall indes ist geregelt. Die werdenden Mütter sollen bis zu zwei Wochen vor der Geburt die Insel verlassen. In Flensburg und Niebüll werden sie in der Nähe der Kliniken kostenlos untergebracht, bis es soweit ist. „Aus unserer Sicht funktioniert das ganz gut“, sagt der Pressesprecher des Diako-Krankenhauses in Flensburg, Ole Michel. Aber er wisse auch, dass es auf Sylt ganz anders wahrgenommen werden kann.

Doch nicht jede Schwangere schafft es rechtzeitig auf das Festland, entweder weil die Wehen zu früh einsetzten oder sie nicht vorher weg sein können oder möchten. Jede Geburt auf Sylt muss derzeit als Notfall behandelt werden, die Hebamme sofort den Rettungsdienst rufen und die Verlegung auf das Festland veranlassen, sagt Bertram. Anderenfalls wäre sie nicht versichert. Aber manchmal ist die Verlegung schwierig, wenn etwa bei starkem Sturm der Hubschrauber nicht fliegt oder der Autozug nicht fährt.

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