zur Navigation springen

Heftige Kritik : Sylt: Häckels Pläne zum Katastrophenschutz spalten die Insel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kritiker sagen, mit Häckels neuen Plänen für die Insel sei die Arbeit der letzten Jahre lahmgelegt worden.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2016 | 10:28 Uhr

Sylt | Dem Bürgermeister der Gemeinde Sylt müssen vergangenen Donnerstagabend ziemlich in den Ohren geklingelt haben, stand er doch – trotz seiner Abwesenheit – im Mittelpunkt der Amtsausschuss-Sitzung im großen Saal des Tourismus-Service Hörnum. Die vier Bürgermeister von List (Ronald Benck), Kampen (Steffi Böhm), Wenningstedt-Braderup (Katrin Fifeik) und Hörnum (Rolf Speth) sowie der anwesende Amtswehrführer Andreas Petersen hielten mit ihrer Kritik an Nikolas Häckels Plänen zum Katastrophenschutz und zur Gefahrenabwehr nicht hinterm Berg.

Aber der Reihe nach: Einen Tag zuvor hatte ein Treffen der „Lenkungsgruppe zur Entwicklung eines Gefahrenabwehrplanes (GAP) für Sylt“ stattgefunden, deren Mitglieder sich über die neuen Pläne von Nikolas Häckel austauschen wollten. Das Ergebnis der Sitzung: Massive Kritik an Häckel, eine heftige Diskussion und das vorzeitige Verlassen der Runde durch Amtswehrführer Petersen.

Der Vorwurf

Im Amtsausschuss versuchte Petersen sein Verhalten zu erklären und holte dafür etwas weiter aus: „Die Amtsgemeinden haben schon immer einen Katastrophenschutzplan gehabt“, sagte er. „Durch die Fusion kam es dazu, dass dieser Plan für die ganze Insel aktualisiert werden sollte.“ Petersens Vorgänger Sönke Lüdrichsen und der damalige Gemeindewehrführer Hauke Block hätten sich bereits vor vielen Jahren gemeinsam mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes dafür eingesetzt und einen Plan zusammengestrickt, so Petersen. Dieses Konzept habe bereits kurz vor der Fertigstellung gestanden – dann kam der Bürgermeisterwechsel und die Arbeit an dem Katastrophen- und Gefahrenabwehrplan wurde für einige Zeit eingestellt. Im Hintergrund aber, betont Petersen, hätten Feuerwehr und DRK weitergearbeitet, „weil wir nach unserer Ansicht ganz kurz vor der Fertigstellung waren.“

Als Nikolas Häckel die Pläne vorgelegt wurden, habe der sie allerdings nicht angenommen, so Petersen. „Er wollte ein eigenes Konzept ausarbeiten, womit unsere bisher getätigte Arbeit lahmgelegt wurde.“ Petersen betonte, dass sich die amtsangehörigen Gemeinden in dem von Häckel entworfenen Gefahren- und Abwehrplan „absolut nicht mitgenommen fühlen. Da ist fast ausschließlich von der Gemeinde Sylt die Rede.“

Auch Ronald Benck sieht sich seit vielen Jahren immer wieder mit der Lösung des Problems konfrontiert, „weil wir seit acht Jahren auf unseren Gefahrenabwehrplan warten“, so der Lister Bürgermeister. Als Häckel vor etwa zwei Wochen in Bencks Büro war, habe er ihm den in mehrjähriger Arbeit ausgefeilten Plan gegeben. „Er rief ein paar Stunden später an und sagte, dass der ganze Plan so nicht zu akzeptieren sei“, sagt Benck enttäuscht. „Zwei Tage später schickte Herr Häckel einen Entwurf, in dem der ganze Plan, bei dem eigentlich nur nur einige geringfügige Formulierungen geändert werden sollten, komplett umgekrempelt wurde. Ich war erstaunt über die Vielzahl an Änderungen, die er hatte.“ Damit müsse die Arbeit jetzt wieder ganz vorne beginnen, so Benck.

Vor allem Katrin Fifeik echauffierte sich in der Ausschuss -Sitzung über den Bürgermeister der Gemeinde Sylt und zitierte ihn aus einem Interview mit der Sylter Rundschau vom 21. November: „Wir sind mit dem Konzept für die Gefahrenabwehr und den Katastrophenschutz bereits jetzt voll arbeits- und einsatzfähig. Das gab es noch nie, dass alles so detailliert dokumentiert wurde“ – und kommentierte direkt: „Ich finde das ungeheuerlich! Als ob wir alle in der Vergangenheit nicht gewusst hätten, wie wir mit einer Katastrophe umgehen müssen. Uns hat Herr Häckel mehrmals gesagt, dieser Entwurf gilt noch nicht und wird noch überarbeitet. Im Interview sagt er dagegen, dass das Konzept bereits von der Kreisbehörde bestätigt wurde.“ Der Artikel zeige alles in einem anderen Licht, als es von Häckel in der Leitungsgruppe behauptet worden wäre, so Fifeik.

Die Reaktion

Nikolas Häckel reagierte gegenüber der Sylter Rundschau auf die Vorwürfe und erklärte, dass „die alleinige Verantwortung für örtliche Ereignisse der Bürgermeister der Gemeinde Sylt für die Gemeinde Sylt und der Amtsvorsteher für die vier Amtsgemeinden trägt“, die Amtsbürgermeister in Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz unzuständig seien und er als Leiter der Abschnittsführungsstelle für den gesamten insularen Katastrophenschutz verantwortlich wäre.

Außerdem habe Amtsvorsteher Rolf Speth dem Entwurf schriftlich mit kleinen Korrekturen zugestimmt. Es seien keine neuen Regeln von ihm aufgestellt worden: „Ich habe in mühseliger Kleinarbeit viele bestehende Informationen zusammengetragen.“ Häckel regt an, man könne generell in Frage stellen, ob die Insel überhaupt einen – bislang gewollten – insularen Gefahrenabwehr- und Katastrophenschutzplan benötigt, wenn dies gesetzlich geregelt ist und in all den vergangenen Jahren auch ohne eine solche Planung gearbeitet wurde, so Häckel. „Aktuell sind wir auch ohne diesen Plan gut aufgestellt und im Ordnungsrecht bestens aufgestellt – wie der heutige Einsatz von Feuerwehr und Ordnungsamt mit einer notwendigen Räumung eines Wohn- und Geschäftshauses zeigt. Auch im Falle einer Katastrophenlage können wir situativ gut reagieren.“

Die Lösung

Im Amtsausschuss versuchte Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt, die aufgebrachten Politiker zu beruhigen: „Bei dem Katastrophenplan handelt es sich um einen Arbeitsentwurf, der als Diskussionsgrundlage zu bewerten ist“, betonte sie. „Im Ergebnis kann man sagen, dass es positiv ist, dass die Dinge nun offen angesprochen wurden. Damit ist das Problem noch nicht gelöst, aber es wurde eine Basis geschaffen, um gemeinsam weiterarbeiten zu können.“

Seine Sorge über die bestehenden Spannungen zwischen den Amtsgemeinden und der Gemeinde Sylt äußerte schließlich Ronald Benck: „Es ist doch völlig egal, wer hier gegen wen oder für wen arbeitet. Ich möchte einfach, dass alles funktioniert, wenn es zum Ernstfall kommt. Ich sehe eine ganz große Gefahr darin, dass der Katastrophenschutzplan aufgrund der vielen Streitigkeiten auch in den nächsten zwei Jahren nicht fertig ist. Und wenn es bis dahin einmal zu einer Katastrophe kommt und Menschen sterben sollten, dann haben wir versagt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen