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Bürgermeisterwahl : Sylt: Eine Einladung wird zum Politikum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nikolas Häckel will nicht zur Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten ins Rathaus gehen – diese Entscheidung schlägt Wellen

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 12:12 Uhr

Sylt | Eine offizielle Einladung abzulehnen, das ist schon im Privatleben nicht ganz einfach – Gastgeber fühlen sich dann naturgemäß schnell auf den Fuß getreten. Wenn Bürgermeisterkandidaten in der Gemeinde Sylt überlegen, eine Einladung der Verwaltung auszuschlagen, ist es also nachvollziehbar, dass ihnen dieser Entschluss nicht ganz leicht fällt – sie laufen damit schließlich nicht nur Gefahr, 400 potenzielle Wähler, sondern auch ihre künftigen Mitarbeiter zu verprellen. Einige Kandidaten überlegten gestern deshalb fieberhaft hin und her, ob sie sich am Mittwoch in der Verwaltung vorstellen sollen oder nicht.

Aber von Anfang an: Der Personalrat der Gemeindeverwaltung hatte die sechs Bürgermeisterkandidaten eingeladen, sich eine Woche vor der offiziellen Kandidatenvorstellung im Congress Centrum den Mitarbeitern der Verwaltung zu präsentieren und ihre Vorstellungen von „Verwaltungsführung“ zu erläutern (wir berichteten). In der Kommunalpolitik zeigte man sich damals etwas überrascht über dieses ungewöhnliche Vorgehen, kritisierte es aber zumindest öffentlich nicht scharf.

Kandidat Nikolas Häckel, der von SPD, SSW und SWG unterstützt wird, teilte nun gestern morgen mit, er werde die Veranstaltung boykottieren. Dabei werde er „allein aus finanzwirtschaftlichen Gründen“ fern bleiben, sagte der Kronshagener Bauamtsleiter: „Wenn ich davon ausgehe, dass vielleicht die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Arbeitszeit an der Personalversammlung teilnimmt und diese zwei Stunden Zeit in Anspruch nimmt, so entstehen der Gemeinde dadurch Kosten in Höhe von zirka 16 000 Euro.“ Dies, so Häckel, sei kein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern, da sich die Mitarbeiter auch auf öffentlichen Veranstaltungen über die Kandidaten informieren könnten.

Mit dieser Argumentation wollte zunächst auch die unabhängige Kandidatin Gabriele Pauli die Einladung absagen. Nach ihren Angaben wurde Häckel erst durch sie auf die Idee gebracht, nicht im Rathaus zu erscheinen. Doch nach einigen Gesprächen mit „Sylter Bürgern“ wie Pauli sagte, ruderte die ehemalige Fürther Landrätin spontan doch noch zurück: Zwar fände sie es immer noch bedauerlich, dass für die Veranstaltung Steuergelder verwendet würden, doch „die Bürger“ würden ein solches Treffen begrüßen. Ein weiteres Argument für die Veranstaltung sei, dass die Entscheidung für die Veranstaltung ihrer Kenntnis nach von der amtierenden Bürgermeisterin Petra Reiber gefällt worden sei.

Reiber selbst betont, die Einladung käme nicht von ihr, sondern vom Personalrat – allerdings habe sie die Kennenlern-Runde vorgeschlagen.

Bei der Begründung für diesen Vorschlag schießt die Juristin dann deutlich gegen den Kandidaten Häckel.Das Argument, durch die Veranstaltungen würden Steuergelder verschwendet, weil die Verwaltungsmitarbeiter währenddessen nicht am Schreibtisch sitzen und arbeiten, lässt sie nicht gelten: Nikolas Häckel und auch andere Kandidaten seien in den vergangenen Wochen immer wieder durch die Verwaltung gelaufen und hätten Mitarbeiter durch Gespräche und Nachfragen „von der Arbeit abgehalten“. Zudem habe Häckel dermaßen lange Hintergrundgespräche mit ihren Amtsleitern angesetzt, dass diese sich bei ihr beschwert hätten –„deren Arbeitszeit – und auch meine – kostet ja auch Steuergelder.“

Aus diesen Gründen habe sie dem Personalrat vorgeschlagen, die Kandidatenvorstellungen „in einem Abwasch“ zu erledigen. Dass diese Veranstaltung irgendwie problematisch sein könnte, sehe sie nicht. „Ich weiß, dass Menschen aus Frau Paulis Umfeld über die Insel laufen und behaupten, so eine Veranstaltung sei verboten“, so Reiber weiter. Sie habe sich allerdings von der Kommunalaufsicht bestätigen lassen, dass dies nicht der Fall sei.

Wie es scheint, ist Nikolas Häckel nun der einzige Kandidat, der am Mittwoch nicht in der Verwaltung erscheint. Markus Ballentin findet, es sei „eine Selbstverständlichkeit“, dort aufzutauchen: „Wenn man dort jetzt nicht hingehen würde, fühlen sich die Verwaltungsmitarbeiter vielleicht nicht ernst genommen.“ Außerdem, befürchtet der Kölner Polizist, könne ein Fernbleiben zur Folge haben, „ dass es so wirkt, als habe der Kandidat etwas zu verheimlichen“.

Komplett sicher, dass er am Donnerstag im Rathaus auf der Matte stehen wird, ist sich der Aachener Bundeswehroffizier Robert Wagner. Das Argument, die Verwaltungsmitarbeiter könnten sich ja auch bei der öffentlichen Veranstaltung eine Woche später über ihre möglichen neuen Chefs informieren, zählt für ihn nicht: „Aus der Einladung des Personalrats geht deutlich hervor, dass wir dort unsere Vorstellungen von Personalmanagement und Verwaltungsführung darlegen sollen.“ Es gehe also um Themenbereiche, die speziell für die Mitarbeiter wichtig sind.

Auch der von der CDU unterstützte Verwaltungsfachwirt Bernd Reinartz will der Einladung folgen: „Ich bin dort eingeladen und habe zugesagt, ich werde dort also auch hingehen.“ So ähnlich sieht es auch Lars Schmidt: „Warum sollte ich dort nicht hingehen? Die Veranstaltung tut doch keinem weh.“

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