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Silvester 2016 : Sylt – ein Paradies für Böller-Muffel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zum Schutz reetgedeckter Häuser dürfen keine Raketen abgeschossen werden. Verstöße kosten bis zu 50 000 Euro.

Sekt, Böller und Raketen: Landauf, landab feiern die Deutschen auf zahlreichen Silvesterpartys lautstark ins Jahr 2017. Auf Sylt können Böller-Fans am Sonnabend ihrer lauten Lust jedoch nicht frönen: Seit rund 25 Jahren dürfen Privatpersonen hier nur noch die Champagnerkorken knallen lassen – Böller abschießen ist ausdrücklich verboten. Alles, was bunt und funkensprühend in die Höhe fliegt, ist zum Schutz der Reetdach-Häuser untersagt.

Aber auch denkmalgeschützte Gebäude sowie der Naturschutz auf der gesamten Insel sollen bewahrt werden. In der Gemeinde Sylt sowie in Hörnum, List, Kampen und Wenningstedt-Braderup werde „allgemeinverbindlich das Verbot angeordnet, am 31. Dezember und am 1. Januar 2017 pyrotechnische Gegenstände […] abzubrennen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Inselverwaltung. Menschen, die mit Raketen & Co erwischt werden, müssen bis zu 50  000 Euro Strafe zahlen.

Unter anderem habe durch das Verbot „des wilden Abbrennens von Feuerwerkskörpern“ die Zahl der Brände an Silvester abgenommen, sagt der Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel. Zudem gäbe es unter jenen, die Feuerwerk entfachen, sowie bei den Unbeteiligten weniger Verletzte. Überprüft werde das so genannte Abbrennverbot durch die Polizei und das Ordnungsamt. Die maximale Geldstrafe sei bisher nicht verhängt worden, „aber geringere Bußgelder schon“, berichtet Nikolas Häckel.

Dass sich aber nicht alle auf Sylt an diese Regeln halten, merkt jeder, der zum Beispiel am Silvesterabend am Strand vor Westerland steht. Bis zu 10  000 Leute feiern hier nach Angaben des Tourismus-Service den Jahreswechsel. Ohne bunte Leuchtbälle, die jaulend in den Himmel sausen, und silbrig funkelnden Raketen-Regen geht es nicht. Auch hier ist die Luft, wie in vielen anderen Orten Schleswig-Holsteins, um Mitternacht schwefelgeschwängert.

„Man muss schon ein bisschen Fingerspitzengefühl zeigen“, sagt Westerlands Wehrführer Jörg Elias über die Kontrollen in der Nacht. Ein privates Sicherheitsunternehmen werde am Strand patroullieren und darauf achten, dass Insulaner und Gäste die Pyrotechnik am Boden lassen. Personen, die ihr Feuerwerk „unkontrolliert in die Menge werfen, werden dann auch mal des Strandes verwiesen“, sagt der Feuerwehrmann.

Reetdachhäuser gingen häufig dann in Flammen auf, wenn zum Beispiel Raketen nicht richtig starten und „glühend und glimmend“ vom Himmel auf Dächer fielen. Gefährlich sei es auch, wenn Flaschen, die zum Starten von Raketen verwendet werden, umkippten und die Teile „mit einer unkontrollierten Flugbahn starten, ins Reet reinrauschen und dort explodieren“, sagt Elias. Auch glimmende Leuchtkugeln, die zu früh abstürzten, seien eine Gefahr für die Häuser. Es sei gut, dass die Menschen, die in Reetdachhäusern lebten, die Nacht in das neue Jahr ohne ein „mulmiges Gefühl“ verbringen können.

Verboten sind auf der Insel Raketen, so genannte Vulkane und Feuertöpfe, Fontänen, Römische Lichter und alle anderen Feuerwerke, deren Effektkörper in die Höhe geschossen werden oder die durch einen Eigenantrieb in die Luft steigen, heißt es von der Gemeinde Sylt. So genanntes Kleinstfeuerwerk – also Fackeln am Strand, Tischfeuerwerk und Knallbonbons, das auch von Minderjährigen gekauft und gezündet werden darf, sei allerdings erlaubt.

Trotz des Böller-Verbots verkaufen einige Supermärkte auf Sylt ab heute Feuerwerk. Das sei zwar erlaubt, dennoch würden sie sich damit einem so genannten Ehrenabkommen widersetzen, dass die Läden auf der Insel vor rund 20 Jahren geschlossen hätten, sagt ein Filialleiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Traditionell genießen besonders Hundebesitzer den Jahreswechsel auf der Nordseeinsel. Aber natürlich wird hier auch gefeiert. „Auf Sylt sammelt sich, wer einerseits Ruhe möchte, aber auch, wer schwungvoll mit Party in das neue Jahr starten möchten“, sagt Sylt Marketing-Sprecherin Jutta Vielberg.

Ganz auf ein Feuerwerk verzichten muss man auch auf der Insel nicht, denn Profis dürfen die bunte Lichterpracht mit einem Erlaubnisschein in die Luft jagen. Die entsprechenden Genehmigungen werden durch die Gemeinde Sylt, den Kreis Nordfriesland – Untere Naturschutzbehörde, den Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN), das Wasser und Schifffahrtsamt in Tönning sowie die Feuerwehr erteilt.

Im Inselsüden gibt es um Mitternacht am Hörnumer Hafen ein großes Feuerwerk, das auf der Mole entzündet wird – und Wenningstedt trumpft an der Promenade mit einer Licht-, Feuer- und Lasershow auf, die je nach Wetterlage am Silvesterabend ebenfalls Pyro-Effekte enthalten soll.

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erstellt am 29.Dez.2016 | 04:17 Uhr

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