Sylt braucht neuen Sand

Auf Sylt ist das Land nicht nur für für die 1972 erstmals und seit 1983 jährlich wiederkehrend vorgenommenen Sandvorspülungen zuständig
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Auf Sylt ist das Land nicht nur für für die 1972 erstmals und seit 1983 jährlich wiederkehrend vorgenommenen Sandvorspülungen zuständig

Ein Sturm und eine Springflut haben für Sandverluste an der Westküste gesorgt/ Insel stellt Küstenschützer vor Herausforderungen

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05. Januar 2018, 06:00 Uhr

Von dem Sturmtief, das am vergangenen Mittwoch über Deutschland fegte, war auf Sylt zwar kaum mehr als eine leichte Brise zu spüren, dennoch hat „Burglind“ auch auf der Insel Spuren hinterlassen. Denn an der niedersächsischen und der niederländischen Nordseeküste sorgte das Tief für orkanartige Böen, die das Meer stark aufwühlten – auch dort, wo der Sturm nicht wütete. Zusätzlich gab es in der Nacht zu Mittwoch eine Springflut: In List sei das Hochwasser zwei Meter über Normalhoch gewesen, berichtet Boris Ziegler, der Kurdirektor im Inselnorden. Die Folge: Erhebliche Sandverluste an Sylts Westküste.


Strandbereisung im Frühjahr

„Wir haben in List durch Burglind sehr viel Sand verloren“, sagt Ziegler. „Im Grunde ist alles von den vergangenen Vorspülungen wieder weg.“ Das sei zwar im Frühjahr nach einem stürmischen Herbst und Winter nicht unüblich, jetzt hoffe man in List jedoch auf eine stabile Wetterperiode mit Ostwind. „Mein Vorarbeiter war gestern den ganzen Tag damit beschäftigt, mit einem Traktor den Sand hin- und herzuschieben, damit der Strand überhaupt wieder zugänglich ist“, so Ziegler.

Wo wie viel Sand im kommenden Sommer vorgespült werden soll, wird bei einer nächsten Strandbereisung im Frühjahr durch Vertreter des Landesamtes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) vorgestellt. Dass der Küstenschutz aber weiterhin eine wichtige Maßnahme auf der Insel und im ganzen Land darstelle, betonte Landesumweltminister Robert Habeck (Bündnis90/Grüne) bei der Vorstellung der Jahresbilanz zum Küstenschutz in Kiel am Dienstag. „Zusammen mit den investiven Mitteln hat das Land seit 1962 rund 3,1 Milliarden Euro in die Erhaltung der Sturmflutsicherheit unserer Bevölkerung gesteckt. In Zusammenarbeit mit Bund und Ländern sowie auch auf internationaler Ebene werden wir uns auch weiterhin für einen vorsorgenden Hochwasserschutz einsetzen“, sagte Habeck. Küstenschutz sei für ihn eine langfristige Strategie, „aber nur mit einer ambitionierten Klimaschutzpolitik wird letztlich ein Schuh daraus“.

Sylt nehme für die Küstenschützer des Landes eine besondere Stellung ein, weiß Jana Ohloff, Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. „Die exponierte Lage mit den seewärts schnell zunehmenden Wassertiefen und den hieraus resultierenden Belastungen sind für uns immer eine Herausforderung.“ Um die Küste der Insel zu schützen, führt das Land deshalb nicht nur die 1972 erstmals und seit 1983 jährlich wiederkehrend vorgenommenen Sandvorspülungen durch. Um die Sylter Küste zu schützen wurden in den vergangenen Jahren auch folgende Maßnahmen umgesetzt:
> Verstärkung des Deckwerkes in der Blidselbucht mit Kosten von etwa 1,6 Millionen Euro
>Verstärkung des Mövenbergdeiches in List mit Kosten von etwa 10,5 Millionen Euro

>Verlängerung des Wellenbrechers Hörnum in zwei Bauabschnitten mit Kosten von rund 2,5 Millionen Euro

>Verstärkung des Treibselabfuhrweges am Nössedeich mit Kosten von 300 000 Euro
>Bau eines Treibselzwischenlagers mit Kosten von 100 000 Euro

Zu diesen Maßnahmen kämen noch der mit eigenem Personal (derzeit zehn Mitarbeiter) durchgeführte Lahnungsbaus an der Ostküste der Insel sowie die Unterhaltung der Landesschutzdeiche einschließlich der Siele hinzu. „Zudem wurde die vom Landschaftszweckverband durchgeführte Verstärkung des Bahndamms durch das Land mit 25 000 Euro gefördert“, so die Sprecherin des Umweltministeriums.


Herausforderungen für den Küstenschutz

Auch für die kommenden Jahren hat das Land bereits Pläne zum insularen Küstenschutz: „Neben der Fortsetzung der Sandvorspülungen einschließlich der biotechnischen Arbeiten steht die abschnittsweise Verstärkung der Ufermauer vor Westerland sowie die laufende Unterhaltung der Deiche und Bauwerke an“, sagt Ohloff. Wie hoch die Kosten dafür sein werden, ist derzeit aber noch nicht bekannt. „Der jährliche Investitionsaufwand des Landes für Sylt schwankt in Abhängigkeit von der Anzahl der anstehenden Baumaßnahmen“, erklärt Ohloff. „In der Regel jährlich wiederkehrend werden aber Sandaufspülungen sowie biotechnische Arbeiten an der Westküste mit einem Finanzvolumen zwischen sechs Millionen und sieben Millionen Euro durchgeführt.“

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