Zukunft des Sylt-Shuttles : Sylt braucht einen Bahn-Masterplan

Wie sieht die Entwicklung des Zugverkehrs von und nach Sylt aus? Werden auch künftig noch Intercitys auf die Insel fahren?
Wie sieht die Entwicklung des Zugverkehrs von und nach Sylt aus? Werden auch künftig noch Intercitys auf die Insel fahren?

Wie sieht die Zukunft des Autozugs aus? Der mögliche künftige Betreiber stand nun Rede und Antwort.

shz.de von
07. Januar 2015, 05:36 Uhr

Es geht um eine der lukrativsten Strecken in ganz Deutschland: Die Bahnverbindung nach und von Sylt. Die Frage, wer künftig Betreiber auf dieser Strecke sein wird, schwebt schon seit längerem im Raum. Insbesondere in der Diskussion: Der Autozug. Neben den zahlreichen Touristen, die jedes Jahr die Insel bevölkern, betrifft das Thema natürlich auch die Insulaner. Aus diesem Grund hatten die Grünen am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung eingeladen – Bürger und Geschäftsleute sollten die Möglichkeit bekommen ihre Fragen und Bedenken gegenüber den möglichen künftigen Betreibern zu äußern.

Aus diesem Grund sorgte gleich zu Beginn der Veranstaltung die Nicht-Anwesenheit eines Vertreters der Deutschen Bahn für ein wenig Kopfschütteln bei den Anwesenden. Während die Grünen erklärten, die Bahn hätte aus terminlichen Gründen abgesagt, teilte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage mit, dass es keine Einladung gegeben habe.

Die Railroad Development Corporation (RDC) hatte mit den Geschäftsführern Carsten Carstensen und Hans Leister hingegen gleich zwei Vertreter gesandt, die sich den Fragen der Interessierten stellten. Und das waren immerhin über 100 Bürger und Fachleute.

Die Grünen selbst waren einigermaßen überrascht von dem großen Andrang bei der Veranstaltung. „Es kamen viel mehr Menschen als erwartet, wir mussten mehrfach neue Stühle holen und am Ende war der Raum völlig überfüllt. Mit einem so großen Interesse hatten wir nicht gerechnet“, erklärte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Dr. Andreas Tietze am Dienstag.

Unter den Anwesenden waren nicht nur Insulaner sondern auch Vertreter vom Festland sowie der Insel- und Halligenkonferenz, die in der Diskussion unterstrichen, dass dieses Thema nicht nur Sylt sondern die ganze Region betreffe. Was ändert sich künftig? Wie werden sich die Preise entwickeln? Was passiert mit dem jetzigen Personal? Es gab an diesem Abend einige Fragen zu klären. Carsten Carstensen betonte, dass die RDC gern das Personal des Autozugs übernehmen würde, sollte das Unternehmen den Zuschlag erhalten. „Wir wollen nicht in ganz Deutschland irgendwelche Leute suchen. Aber das müssen wir dann mit der Deutschen Bahn besprechen, wenn es soweit ist“, ließ Carstensen wissen. Auch was die Preisstruktur angeht, machte er deutlich: „Es wird keine große Revolution geben.“

Ohnehin müsse jedem klar sein, dass sich kurzfristig erst einmal kaum Veränderungen ergeben werden. „Die großen Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen“, so der Vertreter der RDC. Zwar gäbe es Überlegungen für spezielle Angebote für Insulaner und Unternehmer, aber auch das müsse sich entwickeln. Die RDC machte deutlich, dass sie neben dem kurzfristigen Ziel, die Ausschreibung für die Strecke zu gewinnen, sich auch in die langfristige Entwicklung und Planung einbringen will.

Das hob auch Andreas Tietze einen Tag nach der Veranstaltung hervor: „Die RDC ist interessiert daran, an der Modernisierung der Infrastruktur mitzuwirken. Wir brauchen einen Masterplan für den Schienenverkehr nach Sylt – angefangen bei der Elektrifizierung der Strecke, über die Zweigleisigkeit bis hin zu einer möglichen Verlegung der Terminals zum Verladen der Fahrzeuge.“ Alle Anwesenden seien sich einig gewesen, dass es gelte eine integrierte Gesamtplanung zu erstellen, die den Autozug, den Personennahverkehr, den Fernverkehr und den Güterverkehr miteinschließe. „Unabhängig davon, wer den Zuschlag erhält – denn das können wir eh nicht mehr beeinflussen – müssen wir jetzt anfangen die Weichen für 2025 zu stellen. Die Insel darf nun nicht in einen Dornröschenschlaf verfallen“, erklärte Andreas Tietze.

Der Grünen-Politiker ist sich sicher, dass durch den neuen Bewerber, die RDC, bereits die richtige Dynamik in die Sache gekommen ist. „Endlich gibt es überhaupt mal Bewegung in der Sache. Es ist zu lange einfach nichts passiert“, so Tietze. Und das sich etwas ändern muss ist klar, denn ab 2016 will die Bahn bei den Intercitys nur noch E-Fahrzeuge einsetzen. Wird die Strecke nach Sylt also nicht elektrifiziert, war’s das mit der Fernverkehrsverbindung auf die Insel.

„Wir wussten vorher nicht, was uns erwartet“, so Carsten Carstensen, der ein positives Fazit der Veranstaltung zog. „Die Stimmung war gut, alle Anwesenden haben erkannt, dass etwas passieren muss und dass dafür alle gemeinsam anpacken müssen.“ Er ist optimistisch, dass die RDC den Zuschlag für das Unternehmen bekommen wird. „Wir haben das beste Angebot gemacht.“

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