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Geburtshilfe auf der Insel : Sylt beschließt Zuschuss für Hebammen-Bereitschaft – trotzdem Ärger

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Auf der heutigen Sitzung der Gemeindevertretung Sylt stimmten die Politiker für einen Zuschuss in von gut 34000 Euro. Damit ist der Bereitschaftsdienst aber noch nicht in trockenen Tüchern.

Sylt | Mit der heutigen Entscheidung, eine Rufbereitschaft für die drei Sylter Hebammen mit zu finanzieren, hat die Gemeinde Sylt einen ersten Schritt hin zu einer besseren Versorgung der Schwangeren und Mütter auf der Insel getan. Zumindest theoretisch: Dass es so eine Rufbereitschaft wirklich geben wird, ist damit noch lange nicht sichergestellt.

Da es sich um eine gesamtinsulare Angelegenheit handelt, muss am kommenden Dienstag noch der Amtsausschuss der Insel über das Thema beraten. Vor allem aber müssen sich die drei Hebammen bereit erklären, die Rufbereitschaft auch wirklich zu übernehmen. Und das scheint zumindest zum jetzigen Zeitpunkt sehr unsicher: Das Verhältnis der drei Frauen untereinander ist nicht das beste. Zudem sollen nicht alle von ihnen mit den Bedingungen und der Honorierung der Rufbereitschaft einverstanden sein. Auch ist weiterhin unklar, wie die Rufbereitschaft organisiert und abgesichert werden soll.

Und es gibt noch mehr Ärger: Hebamme Anke Bertram betonte während der Sitzung am Donnerstagabend, dass der Vertrag so nicht von den Hebammen unterzeichnet werden kann. Das habe eine Beratung mit dem Fachanwalt ergeben. Zudem machte sie deutlich, dass sie sich von der Politik in den Beratungen über den Bereitschaftsdienst nicht genügend mitgenommen fühlt.

Eberhard Eberle, Vorsitzender des Sozialausschusses, reagierte auf diese Stellungnahme sehr emotional: „Es ist nicht schön, dass Sie das hier so öffentlich sagen. Die Politik hat sich seit Jahren für die Geburtshilfe eingesetzt.“ Die Gemeinde arbeite daran, diese unendliche Geschichte endlich zu Ende zu bringen. Frau Bertram sei immer wieder an diesem Prozess beteiligt worden. Bürgervorsteher Peter Schnittgard: „Wir sollten Befindlichkeiten beiseite legen.“ Vertagsinhalte seien nicht Thema der Sitzung.

Hintergrund ist die von vielen Eltern kritisierte Situation für werdende Mütter auf Sylt seit Schließung der einzigen Geburtshilfestation an der Nordseeklinik zur Jahreswende 2013/14.Die Schwangeren müssen vor der Geburt aufs Festland fahren und ihre Kinder dort in einem Krankenhaus zur Welt bringen. Da sich an diese Empfehlung aber nicht alle Insulanerinnen halten oder halten können – und Babys bekanntermaßen auch mal deutlich vor dem Stichtag kommen – ist die Unsicherheit unter den schwangeren Sylterinnen nach wie vor groß. Auch dieser psychische Stress soll durch den Bereitschaftsdienst gelindert werden: Im Falle eines Falles soll immer eine Hebamme erreichbar sein, die den betroffenen Frauen zur Seite steht und entscheidet, ob und wie sie noch aufs Festland transportiert werden können. Die Krankenkassen haben sich generell bereit erklärt, zwei Drittel der Kosten dieses Bereitschaftsdienstes zu übernehmen.

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erstellt am 20.Aug.2015 | 19:45 Uhr

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