Aufspülungen 2017 : Sylt bekommt neuen Sand – Habeck erklärt, warum das wichtig ist

Küstenschützer inspizieren die Sturmschäden des letzten Jahres. Land braucht für Vorspülungen mehr Sand.

shz.de von
27. März 2017, 16:27 Uhr

Was sich die Winterstürme von Sylts Westküste genommen haben, muss nun wieder dran: Mit Sandvorspülungen für rund 26 Millionen Euro wird das Land in den kommenden vier Jahren die Küsten von Sylt sichern. Damit sollen jährlich unter anderem 0,8 bis 1,2 Millionen Kubikmeter Sand vorgespült werden. Der entsprechende Auftrag sei erteilt worden, sagte Küstenschutzminister Robert Habeck anlässlich der Strandbereisung am Montag.

Von Hörnum bis List ist die Sylter Westküste knapp 40 Kilometer lang - und der „Blanke Hans“ nagt Jahr für Jahr an ihr. Um die Verluste auszugleichen pumpen die Küstenschützer seit den 1970er-Jahren Jahr für Jahr etwa eine Millionen Kubikmeter Sand vom Meeresboden an den Strand. Doch nicht überall ersetzen die Küstenschützer Sand - oder platzieren Tetrapoden aus Beton. Anders als Ortslagen lässt der Naturschutz die Südspitze mit der Hörnum Odde mit der Strömung gen Osten wandern. Langfristig wird sie so wohl ans Meer fallen.

„Sylt spielt eine herausragende Rolle für den Küstenschutz in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit den Halligen und Deichen sichert es auch das Festland vor Schäden durch Sturmfluten“, erklärte Habeck.

Aufgrund der sehr guten Erfahrungen mit einer mehrjährigen Vergabe habe sich das Land auch dieses Jahr dafür entschieden. Der Auftrag hat eine Laufzeit bis 2020. Auftragnehmer ist die dänische Firma Rohde Nielsen, die bereits in den vergangenen vierzehn Jahren auf Sylt tätig war.

Beim neuen Auftrag sind über den Bedarf der Insel Sylt hinaus 800.000 Kubikmeter Sand zusätzlich vorgesehen, die in den kommenden Jahren für die Deichverstärkung Dunsum/Utersum und eine geplante Sandvorspülung vor Utersum auf Föhr aus dem Vortrapptief entnommen werden sollen. Der Sand wird in den Vorstrand vor Hörnum eingespült. Das Material wird mit der Strömung südlich ins Vortrapptief verlagert, wo es dann ohne Beeinträchtigung des Sedimenthaushalts des Wattenmeeres für die Deichverstärkung und die Sandvorspülung auf Föhr genutzt werden kann.

In diesem Jahr sollen 1,7 Millionen Kubikmeter Sand vorgespült werden, 400.000 Kubikmeter davon sind als Vorrat für Föhr geplant. Die Vorspülungen sichern die Ortslagen von List, Westerland, Hörnum und Kampen. Dabei ist auch wieder vor Kampen und Westerland eine Riffaufspülung als Ergänzung zu den Strandauffüllungen vorgesehen. Die Arbeiten sollen voraussichtlich ab Anfang Mai beginnen.

Bei einer Fahrt entlang der Strände begutachteten die Küstenschützer des Landes am Montag die Schäden - und legen fest, wo 2017 welche Menge Sand wieder aufgespült wird. Die Aufspülungen gelten angesichts der starken Wellen für den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) als effektivster Schutz für die Westküste Deutschlands wohl prominentester Urlaubsinsel.

Die Bereisung der Strände mit Geländewagen gilt als Auftakt dieser jährlichen, mehrere Millionen Euro teuren Sisyphusarbeit. An der Expedition von Hörnum im Süden bis nach List ganz im Norden nahm außer LKN-Chef Johannes Oelerich dieses Jahr auch Naturschutzminister Rober Habeck (Grüne) teil. LKN-Abteilungschef Dietmar Wienholdt, Sylter Gemeindevertreter und Manfred Uekermann vom Landschaftszweckverband fuhren ebenfalls mit.

Von Frühjahr bis Herbst 2016 hatten die Küstenschützer 1,4 Millionen Kubikmeter verteilt auf rund 10,5 Kilometern Länge aufspülen lassen. Kostenpunkt: 7,5 Millionen Euro. Schwerpunkte waren die bröckeligen Strände vor List, Klappholtal, Kampen, Rantum, Hörnum und Westerland. Vor Westerland wurden erstmals gleichzeitig sowohl der Strand als auch der unter Wasser befindliche Vorstrand verstärkt.

Den Großteil des jährlich aufgespülten Sandes, den Schiffe etwa sieben Kilometer vor Sylt vom Meeresboden saugen, holen sich Sturmfluten und Stürme im Winter wieder zurück. Allerdings konnten seit 1990 auch mehr als drei Millionen Kubikmeter Sand in bis zu 30 Meter breiten Dünen als Puffer gebunden werden. Gräser und Zäune halten ihn fest.

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