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Vergabe des Sylter Autozugs : Sylt: Bangen vor dem nächsten Fahrplan

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Angesichts des verzwickten Vergabeverfahrens um den Syltshuttle bangt man auf der Insel um sinnvolle Fahrpläne auch für den Pendlerverkehr.

Ende vergangene Woche wurde das Vergabeverfahren für den Autozug noch eine Nummer verzwickter: Nachdem die Bundesnetzagentur nun eingeschritten ist, scheint zunächst auch unklar, wie die Fahrpläne des Pendler- und Fernverkehr künftig aussehen werden. „Wir haben jetzt eindeutig ein Problem“, sagt Peter Douven. Der Geschäftsführer des Insel Sylt-Tourismusservice.

Zusammengefasst stellt sich die Situation momentan so dar: Nach dem Einschreiten der Bundesnetzagentur vergangene Woche ist momentan wieder recht offen, wann und wie oft Autozug-, NOB- und Fernverkehre ab Ende des Jahres auf die Insel kommen. Zwei sogenannte Trassen – also Hin- und Rückfahrt – pro Stunde sollen nun per Rahmenvertrag fest für fünf Jahre vergeben werden. Das heißt, rein theoretisch: Eine Trasse könnte beispielsweise die NOB zugesichert bekommen, eine die Railroad Development Corporation (RDC), die den Autozug betreiben will. Wer die Trassen tatsächlich bekommt, ist momentan jedoch noch unklar. Offenbar hat aber die NOB recht gute Chancen, einen nicht unerheblichen Teil dieser per Rahmenvertrag festgeschriebenen Trassen zu erhalten. Trotzdem kann es passieren, dass hier der Fahrplan zu Stoß- oder Pendlerzeiten schlechter wird als bisher.

Für die zwei weiteren Trassen, die pro Stunde möglich sind, müssen sich interessierte Unternehmen jedes Jahr immer wieder neu bewerben. „Das ist doch sowohl für die Unternehmen als auch für die Nutzer ein Riesenproblem“, findet Tourismuschef Douven, „damit ist doch für keinen mehr eine Planbarkeit gewährleistet.“ Er sorgt sich unter anderem um die Intercitys, die die Insel bisher anfahren. Vor dem Hintergrund von sinkenden Aufenthaltszeiten und erschwerten Anreisebedingungen nach Sylt müsste die Zahl der Intercity-Verbindungen aus seiner Sicht eigentlich erhöht werden – diese Möglichkeit sieht er unter den gegebenen Umständen nicht mehr. Auch Bahnexperten vermuten, dass sich die derzeitige Zahl von vier Intercity-Verbindungen pro Tag nicht unbedingt halten lässt.

Eine schnelle Lösung für die verfahrene Situation sieht Douven nicht. Die Insel sei vom Zugverkehr abhängig, betont er – doch am Ende könnte sie die Leidtragende des Vergabeverfahrens um den Syltshuttle sein. Nachdem es für den Autozug bisher kein offenes Vergabeverfahren gab, ist es dieses Mal europaweit ausgeschrieben worden. „Weil Schleswig-Holstein-intern laut darüber debattiert wurde, weil Konkurrenz ja angeblich das Geschäft belebt“, schimpft Douven.

Auch Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, ist mit der jetzigen Situation höchst unzufrieden: „Allein diese Diskussionen und die Unsicherheit darüber, wie es künftig mit dem Zugverkehr weiter geht, schadet uns als touristische Destination.“ Gerade jetzt, kurz vor der Saison, könne Sylt das nicht gebrauchen.

Aber was sagen die beteiligten Unternehmen zum derzeitigen Stand der Dinge? Tendenziell eher wenig: Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis sagte, der Widerspruch der Bundesnetzagentur werde von der DB Netz momentan juristisch geprüft. Über die Nah SH GmbH, die für die NOB zuständig ist, werde man sich in weiteren Gesprächen dafür einsetzen, dass die Insel ein optimales Angebot erhält, erläutert der zuständige Staatssekretär Frank Nägele das Engagement des Landes. Und Hans Leister, CEO vom potenziellen Autozugbetreiber RDC, betont, dass seinem Unternehmen natürlich auch daran gelegen sei, dass die Sylter am Ende einen ordentlichen Fahrplan präsentiert bekämen.

Von Seiten der RDC gibt man sich momentan weiterhin zuversichtlich, was die Übernahme des Autozugs angeht. Doch nun kann auch der jetzige Betreiber, die Deutsche Bahn, wieder auf den Plan treten: Wie andere Unternehmen auch, hat sie die Möglichkeit, sich um die Trassen zu bewerben, die jährlich neu ausgeschrieben werden. Es könnte also dazu kommen, dass der Autozugverkehr sowohl von der Deutschen Bahn, als auch von RDC betrieben wird.

Ob RDC am Ende wirklich genug Trassen erhält, so dass es sich für das Unternehmen lohnt, den Autozug zum Jahresende zu übernehmen – und ob es bis dahin auch die nötigen Waggons für die Strecke besitzt – all das scheint momentan nicht ganz sicher.

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erstellt am 24.Feb.2015 | 06:03 Uhr

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