Pannenbahn : Sylt-Ausflug beginnt mit Bahnchaos

„Pleiten, Pech und Pannen“: Die Marschbahn auf Sylt.
„Pleiten, Pech und Pannen“: Die Marschbahn auf Sylt.

Gestern kam der Zugverkehr nach einer Weichenstörung in Morsum zum Stillstand / Maurus (CDU) fordert schnelle Baumaßnahmen

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12. Juni 2018, 04:50 Uhr

Das tägliche Desaster im Sylter Bahnverkehr setzte sich auch gestern fort: Eine Weichenstörung in Morsum brachte am Vormittag zwischen 11 und etwa 12.30 Uhr den Zugverkehr zum Erliegen. Auch den Rest des Tages kam es zu Verspätungen und Zugausfällen – eine unangenehme Erfahrung insbesondere für Hunderte Schulkinder auf dem Weg ins Sylter Ferienlager. „Es wird kuschelig“, warnte die Zugführerin im RE6 per Lautsprecherdurchsage die Fahrgäste, als in Klanxbüll weitere Schulgruppen zusteigen wollten. Mit 58 Minuten Verspätung traf der Regionalexpress schließlich in Westerland ein.

Am Wochenende sei der „Zugverkehr bis auf Einzelfälle ohne weitere Störungen“ verlaufen, blickte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis zurück. Allerdings habe es „kleinere Störungen“ gegeben. Eine Fahrzeugstörung im Nahverkehr habe „leider einige Umläufe zwischen Hamburg und Westerland durcheinander gebracht und dann jeweils ca. 15 Minuten Verspätung“ nach sich gezogen. Im Fernverkehr konnte am Sonnabend ein Zug nur bis Husum statt bis Westerland fahren. „Grund war eine Störung am Zug.“ Ein Nahverkehrszug sei nur bis Elmshorn statt bis Hamburg gefahren, so dass dieser Zug dann wieder planmäßig weiterverkehren konnte. Eine Oberleitungsstörung im Ruhrgebiet sei die Ursache dafür gewesen, dass ein IC am Sonntag Westerland erst mit 21 Minuten Verspätung erreichen konnte.

„Seit Dezember 2016 sind auf der Marschbahn Pleiten, Pech und Pannen an der Tagesordnung“, erklärte der nordfriesische Kreispräsident Heinz Maurus (CDU) bei m „Bahn-Gipfel“ in Berlin (unsere Zeitung berichtete). Bei Verkehrs-Staatssekretär Ennak Ferlemann saßen Bahn, Land und Kreis zusammen und brachten die Probleme auf den Tisch.

Ausfallende Züge, defekte Lokomotiven, unzureichendes Wagenmaterial, personelle Defizite, alte Stellwerktechnik, marode Gleise und zu kurze Bahnsteige störten den reibungslosen Bahnverkehr zwischen Hamburg und Westerland. „Die Deutsche Bahn bemüht sich, die Situation auf der Marschbahnstrecke zu verbessern“, erklärte Kreispräsident Heinz Maurus (CDU) nach der Zusammenkunft anerkennend.

Die Liste sieht folgende Maßnahmen vor:

> Die „Rollkur“ der Loks geht weiter.

> In Husum stehen Instandsetzungskapazitäten wieder mit erhöhtem Ersatzteilbestand zur Verfügung.

> Den personellen Problemen wie dem Ausfall von Lok- und Zugführern wird durch personellen Maßnahmen begegnet.

> Bis Ende 2019 sollen die Bahnsteigverlängerungen durchgeführt sein. Die Planungen sind abgeschlossen. Nach der Genehmigung werden die Baumaßnahmen sofort ausgeschrieben.

> Bis dahin bietet die DB dem Land Doppelstockwagen der Baureihe 1993 ab Mitte Juli für zwei Zugumläufe auf der Strecke Westerland – Hamburg und ab Oktober zwischen Niebüll und Sylt an.

> Das Stellwerk Westerland soll als vorrangig auf elektronisch umgestellt werden.

> Im Rahmen eines zweigleisigen Ausbaus der Strecke Niebüll – Klanxbüll könnte zunächst das Überholgleis Lehnshallig vier Kilometer in Richtung Niebüll verlängert werden. Über die Aufnahme dieser Maßnahme in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans wird im 3. Quartal 2018 entschieden.

> Bis 2025 soll der Oberbau der Marschbahn komplett erneuert werden. Rund 150 Bahnübergänge werden auf den weiteren Bedarf überprüft. Dafür soll in sechs Wochen ein Grobkonzept vorliegen.

„Wir können nur hoffen, dass die beabsichtigten Kurzfristmaßnahmen zu einer Verbesserung führen“, erklärte der nordfriesische Kreispräsident Heinz Maurus. „Bei den notwendigen Baumaßnahmen hoffen wir auf Planungsbeschleunigung und schnelle Umsetzung, um die sich daraus zwangsläufig ergebenden Behinderungen zu reduzieren.“ Maurus versprach: „Wir als Kreis Nordfriesland werden dies im Rahmen unserer Möglichkeiten und Zuständigkeiten unterstützen.“

Für den Kreispräsidenten und Sylter CDU-Politiker ist das Dilemma der Marschbahn die Konsequenz aus einer jahrelangen Vernachlässigung. „Heute rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit.“ Die besondere Verantwortung der Marschbahn zur Versorgung der Insel sei aufgrund der Monopolsituation, von Bahn und Politik nicht ausreichend berücksichtigt worden. Maurus’ Forderung: „Damit muss endgültig Schluss sein!“

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