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Flüchtlinge auf Sylt : Sylt auf Hausbesichtigung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Politik und Verwaltung auf Ortstermin: Im ehemaligen Jugendaufbauwerk in Hörnum könnten 80 Flüchtlinge leben.

von
erstellt am 03.Okt.2015 | 05:51 Uhr

„Das könnte man hier doch machen.“ Viele der Kommunalpolitiker, die am Mittwochabend das ehemalige Jugendaufbauwerk (JAW) in Hörnum besichtigten, fanden die Option, dort künftig Flüchtlinge unterzubringen, recht plausibel. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Ordnungsamts und des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) nahmen sie die Räume der leerstehenden Landesliegenschaft in Augenschein. Sollte sich die Insel dazu entschließen, das Gebäude wieder in Betrieb zu nehmen und dort rund 80 Menschen vorübergehend unterzubringen, würde das die Insel knapp eine Millionen Euro kosten. Auch wenn viele der Räume so aussehen, als müssten sie lediglich geputzt und eingerichtet werden, muss an dem Gebäude doch einiges gemacht werden, erläuterte Holger Beckhoff von KLM. Unter anderem sei ein großer Teil der Sanitäranlagen aus dem Gebäude gerissen worden und müsse ersetzt werden. Die Bausubstanz an sich aber wäre im Großen und Ganzen in Ordnung. Einige Kommunalpolitiker vermuteten deshalb, dass sich das Gebäude auch für weniger Geld wieder bezugsfertig herrichten ließen. Katrin Fifeik, Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, zeigte sich von den Kosten dagegen eher positiv überrascht: „Das ist doch noch günstig.“

Zweifel, ob das JAW-Heim wirklich der geeignete Ort sei, um Flüchtlinge unterzubringen, wurde vor allem aufgrund der recht abgelegenen Lage laut. Dass die Insel sich auf jeden Fall darum kümmern muss, neue Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge zu finden, ist allerdings klar: „Es ist im Kreis bekannt, dass Sylt im kommenden Jahr damit rechnen kann, noch einmal die gleiche Anzahl an Menschen zugewiesen bekommt wie 2015“, sagte etwa Gemeindevertreter Frank Zahel (CDU). Bis Ende 2015 sollen 215 Flüchtlinge auf Sylt leben.

Das Ordnungsamt erstellt derzeit einen umfangreichen Vergleich derjenigen Räumlichkeiten, die dafür in Frage kämen: Bisher stehen neben dem JAW-Heim das Haus Quickborn und eine Unterbringung in Containern zur Diskussion. Zahel würde diese Liste jedoch gerne erweitern, unter anderem um die ehemalige Marineversorgungsschule in List.

Der Vergleich des Ordnungsamtes soll in den nächsten Wochen fertig und dann in den Ausschüssen beraten werden. Sollte sich die Politik für das JAW-Heim als Unterbringung entscheiden, müsste geklärt werden, ob die Insel das Gebäude vom Land Schleswig-Holstein kauft, oder ob es die Flüchtlinge dort zunächst so unterbringt. Da die Menschen dort nicht dauerhaft leben sollen, müsste sich die Insel im Kauffall zudem mit der Frage beschäftigen, wie das Gebäude danach genutzt werden kann. Und natürlich müssten Möglichkeiten gefunden werden, wo die neuen Mitbürger langfristig auf Sylt leben können, erläuterte Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt die weiteren Herausforderungen, denen sich die Insel nun stellen muss.

 

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